Kategorie-Archiv: Zugänglichkeit

Positive Überraschung bei der Zugänglichkeit einer sehr grafisch orientierten Anwendung

== Hintergrund ==
Gerade in der Zugänglichkeit von Software ist vieles nicht so wie es auf den ersten Blick erscheint. Es gibt Anwendungen wie z.B. [[http://www.vim.org | Vim]] die sehr zugänglich wirken – hat dieser Editor doch nicht mal eine Menüzeile. Beim Erproben stellt sich dann heraus, dass GVim, die Windows-Gui-Variante des Editors nur bedingt mit Screenreadern benutzbar ist. Eine solche scheinbare Zugänglichkeit ist der weit aus häufigere Fall gegenüber dem erfreulichen Gegenbeispiel, von dem ich eigentlich sprechen möchte.

== Positivbeispiel Power Designer ==
Der Power Designer von [[http://www.sybase.com | Sybase]] ist eine Anwendung zum Entwerfen von Datenmodellen in Bezug auf Datenbanken. Damit kann man auf sehr abstrakter Ebene die Schemata, Tabellen und Relationen innerhalb einer Datenbank modellieren. Aus solchen Modellen werden später die Skripte für die Datenbanken generiert, die als Datenbasis für große Informationssysteme dienen.

Die Oberfläche des Power Designers ist in zentralen Punkten darauf ausgerichtet, dass Anwender die komplexen Datenmodelle so anordnen können, dass sie leicht überblickt und verstanden werden können. Symbole und Pfeile transportieren dabei die wesentliche Semantik der Modelle so wie UML die Semantik als Bild transportiert. Um so erstaunlicher ist die tatsächliche Zugänglichkeit der Anwendung.

== Wie zugänglich ist diese Anwendung nun ==
Die Grundlage der Nutzung liefern die folgenden Basiszugänglichkeiten, ohne die wohl keine Anwendung vernünftig Bedienbar ist:
* Vollständige Nutzbarkeit der Menüleiste
* Korrekt zugewiesene Tooltips, sodass die Beschriftung der Tools für den Screenreader möglich ist.
* Bereitstellung aller zentralen Programmfunktionen über Menüs
* Zugänglichkeit der Basissteuerelemente wie Eingabefelder, Komboboxen etc.
Dadurch können die folgenden Funktionen genutzt werden:
* Anlegen und Verwalten von
** Datenmodellen
** Entitäten
** Relationen
** Paketen
** Tabellen
** Attributen
** Kommentaren
* Entwerfen des semantischen Datenmodells – also das Eingeben aller Entitäten und Relationen mit allen Kardinalitäten die ein Modell beschreiben.
* Erstellen von physikalischen Datenbank Modellen
* Generieren von Skripten zur Aktualisierung einer Datenbank
* Reverse engineering einer vorhandenen Datenbank – allerdings ist hier der Vorteil der schnellen Übersicht, den sehende Anwender haben hier nicht gegeben. Zum Erfassen des Modells könnte in diesem Fall also auch direkt die Datenbank betrachtet werden.

== Welche Teile der Anwendung sind nicht zugänglich ==
Um das zu beantworten, müsste ich noch viele Arbeiten mit der Anwendung durchführen. Ein wesentlicher Nachteil ist klar die leichte Erfassbarkeit von ER-Diagrammen zu nennen. Das Abgleichen von Unterschieden zwischen Modellen könnte ebenfalls problematisch werden, weil hier viele Daten gleichzeitig überblicht werden müssen.

== Was ist an der Zugänglichkeit des Power Designers nun so entscheidend? ==
Man könnte meinen, es handelt sich eben um eine weitere zugängliche Anwendung – schön aber kein wirklicher Grund für einen solchen Blogeintrag. Das stimmt aber nicht. Die Nutzbarkeit des Power Designers erlaubt blinden und sehbehinderten Informatikern die Arbeit als Datenarchitekt. In einer solchen Position entwirft man Datenmodelle die die Grundlage für moderne Informationssysteme bilden. Wir können unsere Gedanken zu bestimmten Datenmodellen in einer vernünftigen, effizienten und vor allem für andere Kollegen gut nutzbaren Form ablegen. Wir können ferner Datenmodelle anderer erfassen und z.B. bei Verbesserungen und Optimierungen helfen. Das schafft ein neues Arbeitsfeld.

== Weitere mützliche Anwendungen für Datenarchitekten, die gut zugänglich sind ==
Die folgenden Anwendungen haben mir bislang gute Dienste geleistet:
* [[http://www.postgress.org | PostGreSql]] – ein freies Datenbanksystem dessen Administration gut nutzbar ist.
* Navicat Eine Anwendung zum Betrachten und bearbeiten von Datenbanken – bearbeiten meint hier das Eingeben von Daten in Tabellen und Änderungen an der Tabellenstruktur. Es kann mit verschiedenen Datenbanken kommunizieren und bietet daher eine gute zentrale Bedienoberfläche. Weitere nützliche Funktionen sind das Ex- und Importieren von Daten.
* Oracle Grid Control – Eine Webanwendung zur Verwaltung einer großen Menge von Oracle-Instanzen Damit lassen sich ganze Farmen von Datenbanken überwachen und pflegen.
* Die Kommandozeilentools von Oracle, PostGreSql und SqLite – alles Datenbanksysteme

== Anwendungen die wegen ihrer Zugänglichkeit nicht zu empfehlen sind ==
* TOAD – steht für Tool for Oracle Application Developers
* Oracle Enterprise Manager – und eigentlich alle auf Java basierenden GUI-Tools von Oracle
* Enterprise Architect – auch wenn dieser sich mehr auf die Modellierung von Software mit UML bezieht. Aber Datenbanken kann die Anwendung auch zu einem bestimmten Teil.

Anmelden bei Google Analytics mit NVDA und Mozilla Firefox

Um diesen Blog weiter zu optimieren wollte ich mich bei Google analytics anmelden. Allerdings scheiterte das ganze mit dem Internet Explorer 8 bereits am Captcha bei der Kontowiederherstellung. Mit der Kombination aus NVDA, Firefox und Webvisum hingegen, wurden die Captchas gelöst (Danke an das Webvisum-team) und alles andere verlief reibungslos. Nicht einmal eine Braillezeile hatte ich zur Kontrolle. Offenbr ist das Duo aus Firefox und NVDA mittlerweile wirklich gut ausgereift.
Danke an zwei so tolle Opensource-Anwendungen. Ich sollte wohl mal wieder spenden.

== Erste Schritte auf Google Analytics ==
Nachdem der Tracking code auf diesem Blog installiert war, musste ich etwas wrten, bis analytics zugegriffen hat und die ersten Daten präsentieren konnte. Die “Neue Version” ist anscheinend mit Firefox nicht wirklich gut bedienbar. Zumindest habe ich keine meiner Daten über die Webseite gesehen. Auf der “alten Version” war es dagegen ganz einfach. OK zwei Besuche und fünf Zugriffe bzw. abgerufene Seiten sind nun wirklich kein Brüller.

== Jetzt geht’s vorbei mit dem Hai ==
Das Erlebnis mit NVDA und Firefox hat mich ermutigt. Ist der Browser gegenüber IE8 doch aktueller – den IE kann ich nicht aktualisieren, weil Zoomtext sonst Probleme bekommt. Immerhin habe ich die Erkundung der Daten auf Analytics nun mit Firefox und NVDA vorgenommen.

Erstellen von PDF-Dokumenten aus Microsoft Word

Bei der Erstellung von PDF-Dokumenten wird das Dokument häufig zunächst in Word erstellt und anschließend in ein PDF-Dokument umgewandelt. Dabei kann man in Bezug auf die Zugänglichkeit des PDFs einiges richtig oder auch falsch machen.
== Verwenden eines PDF-Druckers ==
Es funktioniert wie beim Ausdrucken des Dokuments. Man gibt lediglich den Dateinamen des PDFs ein und schon hat man eine fertige Datei. Ein bekannter Drucker dieser Sorte ist freepdf. Die Software installiert sich als normaler Drucker unter Windows und kann in jeder Anwendung verwendet werden.

Solche PDF-Dokumente sind i.d.R. nicht zugänglich, weil sie die Seiten meistens als Grafik im PDF ablegen.
== Spezielle Software zum Export zugänglicher PDF-Dokumente ==
In den letzten Tagen gab es einige Meldungen über verfügbare Plugins für Word, um das Erstellen von barrierefreien PDF-Dokumenten zu ermöglichen. Während ein Tool aus der Schweiz
http://www.zhaw.ch/medien
eher ernüchternde und teilweise deffekte Resultate liefert, soll in Kürze ein weiteres Tool die Bühne betreten. Hier der Link zum Artikel:
http://blog.axespdf.com/index.php/leserseite/items/start-public-beta-axespdf-fuer-word.html

Das ganze kollidiert mit den bereits vorhandenen Möglichkeiten PDF-Dateien aus Word heraus erstellen zu können. Deshalb müssen sich solche Anwendungen an den Ergebnissen der Bordmittel messen lassen.
== Bordmittel ==
Word 2010 bietet von sich aus die Möglichkeit, das Dokument als PDF zu speichern. Das Resultat ist verblüffend gut zugänglich. Bei mehreren Dokumenten konnte ich feststellen, dass die folgenden Features gut umgesetzt waren:
* Die Meldung, dass das Dokument nicht getagt ist, entfällt.
* Überschriften sind korrekt ausgezeichnet.
* Tabellen sind gut lesbar
* Listen ung geschachtelte Listen sind gut lesbar.

Ein entscheidender Vorteil bei eder integrierten Lösung in Word ist, dass viele Autoren sie intuitiv benutzen und damit ohne es zu wissen zugängliche PDF-Dokumente erstellen.

== Defizite mit speziellen Plugins ausgleichen ==
Autoren von speziellen Plugins argumentieren oft damit, dass die Bordmittel bestimmte Funktionen nicht umsetzen bzw. das Ergebnis unbefriedigend ist. Daher wird versucht speziell auf Zugänglichkeit zugeschnittene Plugins zu entwickeln, die diese Defizite vermeiden.

Nach meinen Erfahrungen aus der Softwareentwicklung ist ein solches Vorhaben nur dann sinnvoll, wenn dauerhaft ein Team hinter einem solchen Projekt steht – es sich also nicht nur um ein kurzes befristetes Forschungsprojekt handelt. Dann hätte man besser daran getan Schwachstellen gegenüber Microsoft zu melden oder das ganze von Beginn an als quelloffene Initiative zu starten.

Die größte Hürde in der Praxis wird aber wohl sein, Anwender davon zu überzeugen, Word so einzusetzen, wie es gedacht ist. Für technikaffine Leute klingt das logisch, aber ich selbst kenne viele Anwender, die bereits bei Formatvorlagen den Sinn nicht einsehen mögen. Von Alternativtexten für Bilder etc. ganz zu schweigen.

Festplatten mit Hardwareverschlüsselung sind potenzielle Barrieren für blinde und sehbehinderte Computernutzer

Nachdem das Thema Datensicherheit immer mehr an Bedeutung gewinnt, gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Festplatten, die bereits hardwareseitig die Daten verschlüsseln und damit vor unberechtigtem Zugriff schützen. Falls dann ein Spion den PC stiehlt, kann er den Inhalt nicht auswerten. Neben den bereits bekannten Möglichkeiten, einzelne Verzeichnisse oder Partitionen softwaremäßig zu verschlüsseln, sorgen Festplatten mit Hardwareverschlüsselung dafür, dass alles und damit auch das Betriebssystem vor unbefugten Sicher ist. Damit das funktioniert, muss man vor dem eigentlichen Bootvorgang einen Benutzernamen und ein Passwort eingeben, mit dem dann der eigentliche (und nur auf der Hardware befindliche) Schlüssel entschlüsselt wird.

Leider funktioniert zu diesem Zeitpunkt kein Screenreader, sodass man die Zugangsdaten im Blindflug eingeben muss. Würde es sich nur um ein Passwort handeln, so wäre das sicher noch machbar. Da aber teilweise eine gesamte Benutzerverwaltung vorliegt – z.B. um gleichzeitig eine Anmeldung am Betriebssystem vornehmen zu können (Single Sign On), wird dies schon sehr problematisch. Erschwerend kommt hinzu, dass entgegen dem Windows-Anmeldeschirm, bei dem man sich manchmal auch blind anmeldet, keine Kurztasten vorliegen dürfen, um auf ein bestimmtes Feld zu springen.
Ich stelle daher folgende Anforderungen an solche Lösungen
* Akustisches Signal, wann die Passworteingabe erwartet wird.
* Verschiedene akustische Signale für jedes einzelne Feld des Eingabe Dialogs.
* Verwaltungsoberflächen unter DOS, mit denen administrative Aufgaben durchgeführt werden können, sollten entwedereinen entspr. Screenreader enthalten oder die Dialoge sprechen.
* Die Optionen sollten per Tastenkombination aktivierbar sein – sie sollten für sehende Anwender standardmäßig abgeschaltet sein.

Eine gute Softwareverschlüsselung kann man kostenlos mit TrueCrypt erreichen: http://www.truecrypt.org