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Screenreader im Wandel der Zeit


Screenreader im Wandel der Zeit

Screenreader lesen für blinde Menschen den Inhalt des Bildschirms vor. Da es im netz bereits viele gute Erkläungen hierzu gibt, führe ich das hier nicht weiter aus.

Tschüß Offscreen-Modell

Screenreader müssen sich ständig den Gegebenheiten in aktueller Software anpassen. Es geht letztendlich darum, irgendwie die für den Anwender notwendigen Informationen zusammenzustellen. Da ist prinzipiell jedes Mittel recht, wenn es zum Erfolg führt.

In den Anfängen von Windows bestand eine zentrale Informationsquelle darim, die Grafikausgabe der Anwendungen zu verfolgen und daraus ein sog. Offscreen-Modell zu erstellen. Aus diesem Grund installieren die kommerziellen Reader einen Videotreiber im System. Durch das Abgreifen der Grafikausgabe kann dem Anwender ein genaues Bildschirmabbild aus Texten und Grafiken in Form von Codes bereitgestellt werden. Die Reader wissen außerdem, wenn ein Fenster ein anderes überlagert und zeigen nur das an, was wirklich optisch zu sehen war.

Neben der Grafikausgabe verfolgen die Reader auch die Win32-Ausgabekommandos über den sog. Device Context. Alle Anwendungen, die solche nativen Ausgabemethoden verwenden sind damit gut zugänglich.

Aber das Bild hat sich längst gewandelt. Moderne Frameworks wie QT, Java Swing oder .net verwenden eigene Methoden um Texte und Bilder auf dem Schirm zu bringen. Die beschriebenen Methoden für das Offscreen-Modell bleiben dabei vollkommen außen vor – es kommen auf diesen Kanälen keine brrauchbaren Informationen mehr an.

Stattdessen wurden Schnittstellen wie MSAA weiterentwickelt. Der aktuelle Standard heißt IAccessible2. Dabei wird aus der Holschuld der Screenreader eine Bringschuld der Anwendungen. Es ist, als wenn ein Geheimdienst sagen würde: “OK, wir hören euch nicht mehr ab – ihr müsst uns alles sagen, was wir brauchen.” Aber der Geheimdienst in Form des Screenreaders wartet nicht darauf, dass die Anwendung brav alles anschleppen, denn wir als Anwender stellen ständig Anfragen, navigieren etc. Bei Verwendung des Offscreenmodells hat der Screenreader sein internes Modell befragt und ggf. den installierten Videotreiber um Informationen ersucht. Die anderen Schnittstellen (abgesehen von MSAA) waren darauf ausgelegt, dass der Screenreader mitliest. Mit MSAA und dessen Nachfolger IAccessible2 und seinen Freunden sieht es anders aus. Der Screenreader fragt ständig die Anwendung nach Informationen und läßt sich über Ereignisse benachrichtigen. Dabei greift er gewissermaßen bis in den Speicher der Anwendung.

Eigentlich sollten diese technischen Details dem Endanwender herzlich egal sein. Er möchte nach wie vor den Bildschirm erkunden. Aber genau das ist nicht mehr möglich, denn IAccessible2 sieht vor, dass eine Anwendung ein Baum aus Informationen bereitstellt. Dabei ist es sogar möglich anzugeben, auf welchen Bildschirm bzw. Fensterkoordinaten ein Objekt liegt, aber das ist nur eine Option. Die Position der Objekte auf dem Schirm kann mit dem Baum übereinstimmen, muss es aber nicht. Kurz: Der Screenreader kann daraus kein Offscreen-Modell mehr entwickeln.

Mit dem Offscreenmodell fallen eine Reihe Von Werkzeugen, die JAWS & Co. mitbringen. Z.B. kann man nicht mehr ohne Weiteres eine Grafik beschriften oder einen bestimmten Bereich des Bildschirms als Rahmen definieren. Wenigstens das Klicken auf bestimmte Positionen kann mit anderen Werkzeugen wie Autohotkey nachgebildet werden.

Damit nicht genug; Die ständigen Anfragen der Screenreader über die neuen Zugänglichkeitsschnittstellen setzen die Anwendung ordentlich unter Stress. Zu Beginn der zugänglichen Java-Anwendungen mit Swing waren diese mit Verwendung der Accessbridge so langsam, dass ein flüssiges Arbeiten kaum möglich war. Die Bridge hat außerdem das Verhalten der Anwendung beeinflusst.
QT-Anwendungen, die mit Screenreadern betrieben werden, stürzen deutlich häufiger ab, als ohne Reader. Dies liegt oft daran, dass das Datenmodell in der Anwendung nicht ganz sauber ist. Normalerweise kommt hier kaum jemand vorbei und es gibt keine Probleme. Durch die Vielzahl der Anfragen des Screenreaders zu allen Objekten, die erreichbar sind, sieht das anders aus und die Anwendung tritt auf die Falltür und stürzt ab. Viele Entwickler sind daher der Ansicht, dass die Zugänglichkeitsschnittstelle von QT daran schuld sein. Vielleicht ist sie das auch teilweise, aber man kann zeigen, dass Fehler im Datenmodell sehr schnell mit einem Screenreader aufgedeckt werden. Falls ein Entwickler sich die Mühe gemacht hat, die Anwendung mit Zugänglichkeitsimformationen auszurüsten, wird er es bereuen und diese ausbauen, weil das die Anwendung fordergründig instabil macht.

Auf ins Web

Nun, der Umstieg auf IAccessible2 wäre alleine kein Grund für den hochtrabenden Titel. Die Zukunft hat längst begonnen. Viele große Anwendungen bringen eine eigene spezialisierte Schnittstelle mit, die dann von den Screenreadern verwendet wird. Die Vorleser müssen also nach wie vor auf vielen Hochzeiten tanzen.

Damit nicht genug; Das zeitalter der Webanwendungen hat längst begonnen. OK, mögen viele denken: Die Arbeit im Browser wie Firefox geht doch ganz gut. Für Webseiten, die ein paar Formaulare enthalten stimmt dies auch, aber ganze Anwendungen spielen ssich im Browser ab. Dabei können Menüs an beliebigen Stellen untergebracht werden oder Teilanwendungen als eingebettete Objekte integriert sein. Es gibt sogar hierfür bereits Spezifikationen, damit die Zugänglichkeit gewahrt bleibt. Es handelt sich um Aria das vom W3C schon vor einigen jahren erstellt wurde. Aber viele praktische Probleme sind noch ungelöst:

  • Wie kann ein Anwender mit seinem Screenreader Drag-And-Drop in einer Webanwendungen ausführen?
  • Wie können die großen Informationsmengen bei einer ökonomisch sinnnvollen Arbeitsgeschwindigkeit bewältigt werden? Webanwendungen präsentieren id.d.R viel mehr Inhalte als klassische Desktop-Anwendunge. Ich nenne das immer den Facebook-effekt. Das HTML von Facebook ist quasi barrierefrei, aber kaum jemand vermag die notwendigen Informationen schnell zu extrahieren.
  • Das Aktualisieren der Seiten braucht bei der Verarbeitung durch die Screenreader oft sehr lange.
  • Wie kann eine sinnvolle Navigation aussehen, wenn es diverse Menüs etc. auf einer Seite geben kann?
  • Wie können Aktualisierte Informationen vorgelesen und per Braille erkundet werden, ohne die zuvor gelesene Stelle zu verlieren?
  • Wie erkennt ein Anwender den Kontext eines Links, wenn es davon viele gleichlautende gibt?

Tablets

Apple hat in kürzester zeit aus der Furcht vor Touchscreens unter blinden Menschen eine Begeisterung gemacht. Voiceover hat tatsächlich eine schöne Möglichkeit gefunden, einen Touchscreen für Screenreadernutzer zugänglich zu machen. Dabei wird vorgelesen, was man berührt und erst dann angeklickt, wenn man mit einem anderen finger irgendwo tippt. Natürlich gibt es noch viele weitere Gesten und details. Aber trotz dieser Ansätze bleibt das ganze eine große herausforderung. Es ist nach wie vor nicht leicht sich auf einer glatten Fläche ohne die abgebildeten Steuerelemente sehen zu können zu orientieren. Klar, man kann Elementweise navigieren, aber das ist genauso mühsam, als würde man eine Facebook-Seite Link für Link erkundigen. Wieviele Tage man wohl für eine Seite braucht? Es müssen also weitere Konzepte und Methoden her, befor ein Tablet mit Screenreadern wirklich effizient nutzbar ist – irgendiwe vergleichbar mit der sehenden Konkurrenz.

Virtuelle Rechner und Fernwartung

Weiterhin hält der Trend zur Virtualisierung von computern an. Es ist zu verlockend: Ein Rechner als Gastwirt (Host genannt) und einen PC, den man darauf starten, ihn sichern und im Notfall zurücksetzen kann. Ein virusbefall? Kein Problem – die letzte Sicherung einspiele (ein paar Dateien kopieren) und alles ist wieder gut.

Für Screenreader ergeben sich daraus einige Probleme:

  • Das Installieren von Grafiktreibern in Virtualisierte Rechner führt oft zu ärger.
  • Die Hardware wie Braillezeilen oder (etwas exotisch) externe Sprachausgaben muss zuverlässig beim Umschalten zwischen virutellen Rechnern und Host umgebogen werden. Klappt das nicht zuverlässig, steht man schnell im Wald.
  • Einige Meldungen der virtuellen Systeme bekommt man mit dem Screenreader auf dem Host nicht mit.

Früher waren Werkzeuge zur Vernwartung von PCs sehr teuer und damit nur im Bereich der Administrtion verbreitet. Mittlerweile gibt es einige Freeware-Tools, mit denen jeder Sohn den PC seiner Eltern reparieren kann, ohne das eigene Heim verlassen zu müssen. Screenreader bleiben bei diesen Anwendungen i.d.R außen vor, weil die Grafik pixelweise transportiert wird. Es wäre zwar möglich, auf dem vfernzusteuernden Rechner einen Screenreader zu starten, aber bei Problemen läuft dieser evtl. nicht oder die Übertragung der Sprachausgabe benötigt zu viel Bandbreite auf dem Netz. Eine Lösung, bei der ein Screnreader automatisch eine Art Kopie von sich auf dem anderen Rechner startet, ohne Adminrechte zu benötigen und bei der die Daten so übertragen werden, das die lokale Stimme und Braillezeile den Inhalt wiedergeben wäre hier notwendig.

Fazit

Trotz der Umstellung auf IAccessible2 & co. wird den Screenreaderherstellern sicher nicht langweilig. Es gäbe außerdem genug potenzial für kommerzielle Screenreader, um sich von der freien Konkurrenz abzusetzen.

Der Umstieg von Offscreenmodell auf IAccessible2 & Co. ist mehr als ein Wechsel der Schnittstelle. Sie verschiebt die Verantwortlichkeiten zu den Anwendungen, setzt diese unter Dauerfeuer und kann sie leicht zum Absturz bringen. Ein geschicktes Cachen der Informationen im Screenreader wird hier auf Dauer unerläßlich sein.

Foren von Yahoogroups für blinde Moderatoren nicht zugänglich

Bis vor kurzem konnte man als Gruppenmoderator seine Gruppen bei Yahoogroups recht gut mit einem Screenreader verwalten. Die Webseite wurde nun grudlegend überarbeitet und man findet nicht einmal mehr seine Gruppen wieder. Es wurde bereits eine entspr. Beschwerde bei Yahoo eingereicht. Alle Screenreadernutzer sollten diese unterstützen, um die Situation wieder zu verbessern.
Hier der Link zur Beschwerde:
https://yahoo.uservoice.com/users/45025064

GWConnect – Ein leichtgewichtiges Skype-Programm im Test


Vorgeschichte

Im Rahmen des Fachausschusses für Informations- und Telekommunikationssysteme (FIT) wollten wir spontan eine Konferenz über Skype abhalten. Bislang hatte ich den dienst nicht genutzt und bat einen Kollegen um einen Crashkurs. Erfreut wurde mir berichtet, dass GWConnect ein vollständig zugängliches und einfaches Programm sei, um zu Skypen. Na genau das Richtige.

Installation und Einrichtung

Die Anwendung
GWConnect wird von GWMicro dem Hersteller von Window-Eyes herausgegeben. Die Anwendung ist frei verfügbar und blendet zu Beginn und alle halbe Stunde eine Werbung ein, falls man keine Lizenz erwirbt. Es handelt sich also um eine spezielle Skype-Lösung für Screenreader-Nutzer von einem kompetenten Hersteller.

Die Installation verläuft unproblematisch und es gibt keine besonderen Schwierigkeiten für ungeübte Nutzer. Da dies die Zielgruppe der Anwendung ist, versuche ich die Testergebnisse entsprechend zu bewerten. Es ist nicht entscheidend, ob ich als Profi-Anwender mit der Anwendung zurechtkomme, sondern ob sie wirklich hilft, mit wenigen Kenntnissen am PC skypen zu können.

Nach dem Start der Anwendung gelangt man über den Knopf Registrierung auf die Webseite von Skype um sich dort ein Konto einzurichten. Die Webseite ist im Großen und Ganzen sicher recht zugänglich, aber wie üblich mit viel Inhalt gefüllt, den ein Anwender nicht bei der Kontoeinrichtung braucht. Nun, das ist aber keine Schuld von GWConnect.

Als Anwender mit einem Facebook-Konto gefiel mir die Möglichkeit, dieses für Skype zu verwenden. Ich würde zu den Freunden aus Facebook ggf. skypen wollen und brauche nicht unbedingt noch ein weiteres Passwort. GWConnect gibt auf seiner Homepage nicht explizit an, dass Konten mit Facebook nicht unterstützt werden.

Die Verknüpfung mit Facebook ist recht einfach, birgt aber seine Tücken. Es ist nämlich so, dass die Facebook-Seite geöffnet wird und der relevante Dialog ganz am Ende der Seite (also nach dem üblichen Kram am Seitenende) eingeblendet wird. Das liegt offenbar daran, dass der Inhalt zuletzt eingefügt wird und zumindest NVDA ihn am Ende präsentiert. Dies geschieht mit einem eingebetteten Objekt mit dem schnöden Namen “dlg”. Auch kann hier kann GWConnect nichts dafür, aber ein normaler PC-Anwender wird hier schon recht ordentlich geprüft. Im Prinzip klickt man sich durch die Dialoge – ich habe es tunlichst unterlassen dort Änderungen vorzunehmen. Zu fragil erscheinen mir diese neuartigen Webdialoge.

Am Ende ist aber mein Skype-Konto eingerichtet. Also gwconnect gestartet und sich anmelden … Hier findet sich nur ein Feld für den Nutzernamen und ein Kennwort. Auf der Homepage von Skype und im richtigen Skype-Client gibt man zwar den Skypenamen an, aber kein Kennwort, sondern klickt dafür einen Link an, der sich bei Facebook anmeldet. Ein solcher Link fehlt in GWCwconnect und die Eingabe des Facebook-Kennworts führt (wie auch auf der Seite von Skype) nicht zum Erfolg.

Es ist mir auch nicht mit einem weiteren Konto gelungen, dass überhaupt nicht mit Facebook verknüpft war. Der Anmeldedialog enthält außerdem einen echten kleinen Vauxpas: Die Option zur automatischen Anmeldung beim Programmstart ist noch in englisch. OK, das bekommt vielleicht noch jeder raus, aber es zeigt, dass offenbar niemand die lokalisierte Version getestet hat.

Wenn man die falschen Login-Daten gespeichert hat und die Anwendung neu startet, bekommt man eine Fehlermeldung, das das Passwort falsch ist (mit den gleichen Daten konnte ich das unverknüpfte Konto aber auf der Skype-Seite anmelden). Meldet man sich aber im Programm manuell an – also ohne die automatische Anmeldung, dann kommt keine entspr. Fehlermeldung. Ich habe erst nach vielen Minuten begriffen, dass ich gar nicht angemeldet war.

Natürlich habe ich die Anfrage der Windows-Firewall positiv beantwortet, aber es funktioniert trotzdem nicht. Es mag gut sein, dass ich einen Fehler gemacht habe, oder das ein Problem anderer Art vorliegt, aber ich habe keine Lust, mich extra dafür in einem Mailingliste einzutragen. Die Anwendung werde ich deinstallieren und stattdessen den offiziellen Client verwenden.

Fazit

Die gefundenen Fehler wiegen doppelt schwer, weil sich hier ein namenhafter Hersteller eines kommerziellen Screenreaders eine schlechte Werbebotschaft leistet. Eigentlich wäre ich neugierig ein Window-Eyes mal richtig intensiv zu testen. Die Zielgruppe, nämlich relativ ungeübte Anwender dürften hier auf echte Hindernisse stoßen. Die Tatsache, dass im ersten Dialog, der nach Installation der Anwendung erscheint einen englischen Text enthält, könnte auf eine nur schlecht getestete Anwendung hindeuten. Ich habe auch im Handbuch der Anwendung nachgesehen (das vollständig auf Englisch ist), aber auch da konnte ich keine Lösung für meine Probleme finden.

Eigentlich ist es sehr schade, dass GWConnect diese Fehler hat, denn ein einfacher Skype-Client wäre eine echte Alternative zum überfrachteten Skype-Client.

Link

Unter dem folgenden Link findet sich ein sehr interessanter Blog mit vielen (aber anderen) Artikeln rund um das Thema Zugänglichkeit und blind leben. Der Autor ist zudem ein sehr erfahrener Blogger, was man an der kompakten und gut lesbaren Form der Artikel merkt. Und es erscheinen deutlich öfter Artikel als hier:
blindleben.blogspot.de
Viel Spaß beim schmökern

Link


Spezielle Seite für Linux-Freunde

Es gibt eine Seite, die sich voll und ganz der Zugänglichkeit von Linux (Konsole und Desktop) für blinde und sehbehinderte Menschen verschrieben hat. Evtl. ist hier der richtige Tipp für den Einen oder Anderen Linux-Freund dabei.
www.linux-fuer-blinde.de

Einstieg in NVDA für JAWS-Anwender – eine Starthilfe


Einleitung

JAWS war lange Zeit der dominierende Screenreader auf dem Markt. Mit ihm können viele blinde und sehbehinderte Anwender ihren Beruf ausüben oder ihren privaten Interessen am PC nachgehen.

Im Schatten dieser Software und anderen kommerziellen Konkurrenten ist die Open-Source-Alternative NVDA zu einer freien und starken Konkurrenz herangewachsen. War er am Anfang hauptsächlich Vehikel um JAWS wieder flott zu bekommen, ist NVDA jetzt auf Augenhöhe mit der kommerziellen Konkurrenz angekommen.

Grund genug möglichen Anwendern den Einstieg in NVDA durch eine gezielte Anleitung zu erleichtern. Ich spreche bewusst von Ein- und nicht Umstieg, denn die zusätzliche Nutzung von NVDA bedeutet nicht ,dass sie ihr geliebtes JAWS einmotten müssen.

Warum sollte ich NVDA statt JAWS nutzen?

  • Sie können sich evtl. die Lizenzen für die Updates sparen und stattdessen für NVDA spenden, wenn Sie denken, dass dies gerechtfertigt ist. Auch wenn die Kosten der Updates übernommen werden, bleibt immer noch jedes Mal der Papierkrieg.
  • Wenn JAWS Ihnen regelmäßig abstürzt, probieren Sie doch mal einen Screenreader, der sich selbst neu startet, wenn etwas schiefgeht bzw. bei seinem aufruf einen Neustart veranlasst.
  • Sie hoffen bei jeder neuen Version von JAWS, dass Sie am Ende alle Skripte etc. am gewohnten Ort wiederfinden? NVDA wird ihre eigenen Einstellungen unangetastet lassen und auch während der Installation von Updates benutzen.
  • Sie möchten einen Screenreader auf einem USB-Stick haben und ihn z.B. bei Bekannten etc. verwenden, ohne dort eine Installation vornehmen zu müssen.
  • Sie möchten Windows 8 mit einem Touchscreen verwenden? Zugegeben: Das soll auch mit JAWS 15 möglich sein.
  • Sie haben nur eine alte Version Ihres Screenreaders und möchten ein aktuelles Betriebssystem benutzen?

Na, neugierig geworden? Das ganze kostet Sie nur ihre eigene Zeit und ein paar Bytes auf Ihrer Festplatte.

NVDA herunterladen

Sie finden die aktuelle Version von NVDA auf der seite
www.nvda-project.org
Die Seite ist allerdings in Englisch. Alternativ können Sie die Seite
www. http://nvda.handytech.de/
aufrufen. Sie ist in Deutsch und NVDA kann direkt gestartet werden.
Derzeit ist NVDA in Version 2013.2 verfügbar, aber es gibt bereits eine Betaversion von 2013.3. Sie finden den Ankündigungsartikel hier:
http://community.nvda-project.org/blog/NVDA2013.3rc1Released

Absichern des Weges zu JAWS

Sie werden, nach den ersten Erfahrungen in NVDA diesen beenden und JAWS erneut starten wollen – weil Sie sich noch dort besser auskennen. Deshalb sollten Sie zu Beginn JAWS einer Schnelltaste zuweisen. Selektieren Sie dafür den Eintrag JAWS auf dem Desktop und öffnen Sie die Eigenschaften mit Alt+enter. Gehen Sie nun ins Feld “Tastenkombination” und geben Sie Strg+Alt+j ein. Anschließend verlassen Sie den Dialog mit OK. Sie können nun JAWS jederzeit mit Strg+Alt+j starten.

NVDA installieren

NVDA verwendet eine sprechende Installation. Deshalb sollten Sie JAWS direkt vor dem Start der Installation beenden, damit nicht zwei Stimmen mit Ihnen sprechen. Wählen sie nach dem Akzeptieren der Lizenzbedingungen “NVDA auf diesem Computer installieren” aus. Der Rest läuft quasi von selbst und es sind keine besonderen Aktionen notwendig.
ACHTUNG: Falls Sie eine Firewall wie Threadfire verwenden, meldet diese möglicherweise eine Bedrohung, weil sich ein Teil von NVDA im System registriert. Lassen Sie diese Änderung zu. Ggf. brauchen Sie hierfür sehende Hilfe, weil Z.B. Threadfire nur mit erweiterten Funktionen von NVDA bedient werden kann.

Nach der Installation ist NVDA gestartet und hat sich dabei die Tastenkombination Strg+Alt+n zugewiesen. Sie brauchen hier also keine Sicherung einzubauen.

Sprachausgabe und Braillezeile einrichten

Sprachausgabe

Okay, Okay, Sie hatten gehofft, dass diese grauenhafte Stimme nur bei der Installation mit Ihnen spricht, aber sie ist geblieben? Was soll das für ein Screenreader sein, der eine solche Stimme verwendet? Keine Panik! Die eingebaute Sprachausgabe ist nicht auf guten Klang optimiert und ähnlich wie die allseits beliebte Eloquence synthetisch. Damit es etwas erträglicher wird, tun sie folgendes:

  • Öffnen Sie mit Einfügen+n das NVDA-Menü. Analog zur JAWS-Taste wird die Einfügetaste unter NVDA NVDA-Taste genannt.
  • Wählen Sie im Menü Einstellungen den Punkt Stimmeneinstellungen.
  • Gehen Sie in das Feld Variante und probieren Sie die möglichen Stimmvarianten aus.
  • Stellen Sie im Feld Geschwindigkeit die für Sie angenehmste Sprechgeschwindigkeit ein.

Sicher umwerfend sind die Stimmen nicht, aber sie haben alle Vorteile einer synthetischen Sprache. Der Autor hat bei Espeak vor allem Sprachen unterstützen wollen, für die es noch keine Sprachausgabe gab.

Falls Sie bereits eine SAPI 4 oder SAPI 5 Stimme auf dem PC installiert haben, können Sie über das o.g. Menü Einstellungen den Punkt Sprachausgabe aktivieren und dort Microsoft Speech Api Version 4 oder 5 auswählen. Anschließend können Sie über den o.g. Dialog für Stmmeneinstellungen die gewünschte SAPI Stimme auswählen.
Im Gegensatz zu JAWS kann NVDA flüssig mit SAPI-Stimmen sprechen und verzögert das System nicht.

Alternativ kann man auch Eloquence anbinden. Dies ist allerdings illegal sodass ich nicht auf die Einrichtung eingehen werde. Google oder einschlägige Mailinglisten können hier sicher abhilfe schaffen. Ich persönlich finde, das NVDA nicht wie JAWS klingen muss und würde daher die Eloquence nicht verwenden.

Weiterhin kann die Microsoft Speech Platform verwendet werden, die ab Windows 7 verfügbar ist.

Auch NVDA kann die vocalizer-Stimmen verwenden, die mit JAWS ausgeliefert werden. Damit ist ein breites Spektrum an möglichen stimmen verfügbar. Die Details zu den Sprachausgaben finden sie im Benutzerhandbuch.

Braillezeile einbinden

NVDA unterstützt nahezu alle aktuellen Braillezeilen. Da die Installation der Treiber hier sehr geräteabhängig ist, muss ich Sie auf das NVDA-Benutzerhandbuch verweisen. Sie finden die Braillezeilen im Kapitel 12. Das Handbuch erreichen Sie ebenfalls über das NVDA-Menü im Untermenü Hilfe. Es ist vollständig lokalisiert – sprich auf deutsch und passend zur NVDA-Version.

Ist die Braillezeile angebunden, dann können Sie im Menü Einstellungen im Punkt Brailleeinstellungen – wo Sie auch die Zeile eingestellt haben, die Übersetzungstabelle auswählen. Darüber wird auch die Kurzschrift eingeschaltet – es ist nur eine andere Übersetzungstabelle. Der Rest der Einstellungen zur Braillezeile dürfte selbsterklärend sein – sie sind sehr ähnlich zu JAWS.

Noch ein wichtiger Hinweis, der mich viel Zeit gekostet hat. Manchmal scheint es, dass das Cursorrouting der Braillezeile nicht funktioniert. Das hat einen simplen Grund: Sie können die Zeile entweder an die Anzeige – den NVDA-Navigator koppeln (dann geht das Cursorrouting nicht wie erwartet, sondern führt einen Klick aus. Sie können alternativ die Braillezeile an den Fokus koppeln – dann wird der Cursor an die richtige Stelle gerufen.

Das Benutzerhandbuch gibt auch die Tastaturbelegung der Braillezeilen an, damit Sie effizient arbeiten können.

Erste Schritte in NVDA

Die grundlegenden Funktionen sind sehr ähnlich zu JAWS. Das Abrufen von Fenstertiteln, das Abrufen der Uhrzeit funktionieren wie gewohnt. Allerdings gibt es unter NVDA deutlich weniger Tastaturkürzel. Wie bei JAWS können sie mit NVDA+1 (Ziffernleiste) die Tastaturhilfe ein- und ausschalten. Dann können Sie erproben, welche Tastaturkürzel welche Aktion auslösen. Es gibt eine getrennte NVDA-Befehlsreferenz in der die Tastenkombinationen kompakt aufgelistet sind. Sie finden Sie ebenfalls im Menü Hilfe.

NVDA folgt den Systemfokus und kann in vielen Situationen daher intuitiv bedient werden. Das gilt auch für die Navigationstasten im Browser. Auch hier müssen Sie nicht groß umlernen. Allerdings wird Firefox statt Internetexplorer für NVDA empfohlen. Die NVDA-Firefox-Kombination gilt auf modernen Webseiten als leistungsstärker, als die JAWS-Internetexplorer-Kombination.

Unterschiede zu JAWS

Diese Starthilfe wäre unnötig, wenn alles wie in JFW funktionieren würde. Wo müssen Sie also beginnen zu lernen bzw. sich umzustellen?

Der JAWS-Cursor

Die Irritationen fangen an, wenn man versucht, mit dem JAWS-Cursor zu navigieren. NVDA tut überhaupt nicht das, was Sie erwarten. Es gibt allerdings einen NVDA-Cursor und er ist dem JAWS-cursor sehr ähnlich. Er wird über den Nummernblock gesteuert.

  • Die Reihe mit den Nummerntasten 7, 8 und 9 navigiert zeilenweise.
  • die Reihe mit 4, 5 und 6 navigiert wortweise.
  • Die Reihe mit 1, 2 und 3 navigiert zeichenweise.
  • Die linke Taste geht eine Zeile, etc. zurück, die mittlere Taste liest die aktuelle Zeile etc. vor und die rechte Taste entspr. eine Zeile etc. weiter.
  • Mit NVDA+Num7 (Nummernblock) Schalten Sie zum nächsten Darstellungsmodus. Mit NVDA+Num1 schalten Sie einen Darstellungsmodus zurück. Es gibt die Darstellungsmodi
  • Objektdarstellung
  • Dokument
  • Bildschirm

Unter JAWS ist dies JAWS+r und heißt beschränkung. Die Angabe Bildschirm bedeutet hier die gesamte Anwendung.

  • NVDA kennt kein Umschalten zwischen den Cursorn – Sie können jederzeit mit dem NVDA-Cursor navigieren. Er kann vom Systemfokus abgekoppelt werden, falls Sie parallel zum Schreiben einen Bereich lesen möchten.

Der NVDA-Cursor funktioniert leider nicht in allen Situationen so wie man es vom JAWS-Cursor gewohnt ist. In modernen Anwendungen, die Ihre Informationen nur über Schnittstellen wie IAccessible2 etc. herausgeben, kennt NVDA nicht die Darstellung der Anwendung auf dem Bildschirm. JAWS ist hier mit den Grafikinformationen über den eingebrachten Treiber klar im Vorteil.

Anwendungsspezifische Einstellungen

Ab NVDA 2013.3 kann NVDA ähnlich zu JAWS Einstellungen für Anwendungen speichern. Allerdings ist das Konzept hier etwas flexibler. Man kann Profile erstellen in denen sich alle Einstellungen von NVDA ändern lassen und diese Profile entweder manuell aktivieren oder für eine Anwendung aktivieren. Damit können Sie ein Profil für mehrere ähnliche Anwendungen verwenden. Der Ablauf ist in etwa so:

  • Sie aktivieren mit NVDA+Strg+p den Dialog für Konfigurationsprofile. Alternativ finden Sie einen entspr. Punkt direkt im NVDA-Menü.
  • Sie erstellen über den Schalter Neu ein neues Profil und weisen einen Namen zu.
  • Sie weisen einen Auslöser hinzu:

entweder manuelle Aktivierung – Sie schalten es dann ein, wenn Sie es benötigen. Aktuelle Anwendung – wenn Sie für die aktive Anwendung spezielle Einstellungen vornehmen möchten. Alles lesen – wenn Sie z.B. beim Vorlesen langer Texte eine andere Sprachausgabe oder eine andere Geschwindigkeit oder was auch immer wünschen.

  • Sie bestätigen, dass der Auslöser ggf. auf das neue Profil umgelegt wird und aktivieren die Bearbeitung des neuen Profils.
  • Nun stellen Sie das in NVDA ein, was Sie im neuen Profil wünschen – z.B. Espeak statt SAPI.
  • Sie öffnen erneut den Dialog zur Einstellung der Profile und deaktivieren das neue Profil, damit weitere Änderungen nicht im neuen Profil landen.
  • Sie testen den Auslöser.

Versuchen Sie es – Sie werden begeistert sein.

NVDA auf Webseiten

Bis auf Details können Sie mit NVDA genauso auf Webseiten navigieren, wie Sie es von JAWS kennen. Ein paar Unterschiede:

  • NVDA kennt keine Webseitenspezifische Einstellungen
  • NVDA kennt nur eine Liste, in der Schalter, Links und Überschriften aufgelistet werden.
  • Um auf einer Webseite über NVDA zu suchen, müssen Sie Strg+NVDA+f drücken – unter JAWS reicht Strg+f

In Microsoft Office

Das Office-Paket ist mit JAWS sehr gut bedienbar. NVDA bringt hier noch nicht so viel Konfort mit. Allerdings befinden sich gerade in der neuesten Version 2013.3 einige neue Funktionen für Word und Excel, die das Arbeiten deutlich erleichtern.

Die Armee der Hilfsprogramme

NVDA kennt fast keine der in JAWS bekannten Hilfsprogramme. Viele funktionen werden anders umgesetzt:

  • Die Einstellungsverwaltung wird in NVDA durch das Ändern von Einstellungen und die o.g. Konfigurationsprofile umgesetzt. Das gleiche gilt auch für den Sprach- und Soundmanager.
  • Es gibt keinen Skriptmanager. Es gibt zwar Skripte, aber keine mitgelieferte Entwicklungsumgebung. Man kann z.B. Eclipse nutzen, wenn man für NVDA programmiert, aber das ist ein externes Programm und die Skripte können auch mit einem Texteditor erstellt werden. Die Pythonkonsole ist das einzige Entwicklungswerkzeug, das NVDA an Bord hat.
  • Der Tastaturmanager wird in gewisser Weise durch den Einstellungsdialog Eingaben ersetzt. Die Zuweisungen von Tastenkombinationen zu Skripten finden jedoch direkt im Python-Code statt.
  • Es gibt keinen Grafikbezeichner in NVDA. Weder einen manuellen noch einen automatischen. Der Grund dafür ist, dass NVDA keinen Zugriff auf die grafische Darstellung der Anwendung hat und damit Grafiken nicht erkennen kann. Allerdings erkennt NVDA Werkzeugleisten korrekt, wenn sie als einzelne Knöpfe in einer Werkzeugleiste programmiert sind. In diesem Fall kann man die Werkzeuge über die unten beschriebene Navigation erreichen.
  • Um Fensterklassen zuzuweisen, muss man ein wenig Python-Code schreiben. Das ist nicht wirklich schwer, aber nicht ganz so komfortabel wie die Klassenzuweisung in JAWS. Da man solche Zuweisungen in NVDA recht selten braucht, werde ich hier nicht näher darauf eingehen.
  • Es gibt keinen Rahmenbetrachter und auch kein Erstellen von Prompts. Das mit dem Prompts lässt sich vermutlich recht gut über Python-code regeln.
  • Die Aussprache von Wörtern kann ähnlich wie in JAWS über einen Dialog eingestellt werden.
  • Es gibt keine Möglichkeit, Farben in Braille zu markieren.
  • NVDA unterstützt keinen Remotedesktop. Man kann natürlich auf dem entfernten System den Sound aktivieren und dort ein NVDA starten, kann dann aber die Braillezeile nicht verwenden. Auch für Cytrix gibt es derzeit keine Unterstützung.

Die Statuszeile Lesen

Um die Statuszeile auszulesen, betätigt man in NVDA NVDA+Pos-Ende (also beides im sechserblock). Dies funktioniert wie in JAWS nur dann, wenn die Statuszeile als solche kenntlich gemacht ist.

Die Navigation in NVDA

Ich habe jetzt schon mehrfach die geheimnisvolle Navigation in NVDA angesprochen. Was hat es damit auf sich? Sie funktioniert ähnlich dem in JAWS bekannten Home-Row-Modus. Sie kennen Ihn nicht? Nun, er wird unter JAWS meist zum intensiven Erkunden von Anwendungen eingesetzt, um sie skripten zu können. Bei dieser Navigation bewegt man sich durch die Objekte der Anwendung, mit der Sie gerade arbeiten. Das inzwischen bekannte VoiceOver von Apple verwendet einen sehr ähnlichen Ansatz. Statt den ganzen Schirm einer Anwendung zu sehen, bewegt man sich zwischen Objekten, steigt in sie hinab oder aus ihnen heraus. Genauso verhält es sich in NVDA.

Mit NVDA+ Num4 (Nummernblock) gehen sie ein Objekt zurück, mit NVDA+Num6 ein Objekt vorwärts. NVDA+Num5 liest das aktuelle Objekt vor. NVDA+Num8 steigt aus einem Objekt nach oben. NVDA+Num2 steigt in das aktuelle Objekt hinein. Mit NVDA+Numenter (lange senkrechte Taste rechts auf dem Nummernblock) führt die Standardaktion auf dem aktuellen Objekt aus – meistens ein Klick.

Versuchen Sie es und bewegen sich z.B. durch diesen Artikel mit den o.G. Navigationsbefehlen.

NVDA+Numminus (oben rechts auf dem Nummernblock) zieht den Navigator zum Fokus – falls sie sich mal mit dem Navigator verlaufen haben.
NVDA+Numstern (zweite von rechts oben im Numernblock) zieht den Navigator zur Maus. Das kann z.B. hilfreich sein, wenn Ihnen jemand etwas zeigen möchte und die Maus auf die interessante Stelle bewegt hat.
NVDA+Numschrägstrich (direkt neben der Numlocktaste oben im Nummernblock) zieht die Maus zum aktuellen Navigator. Mit NVDA+Numminus und anschließend NVDA+Numschrägstrich können Sie so die Maus zum Fokus navigieren.

Wir können zusammenfassend sagen, dass NVDA ein JAWS mit gleichzeitig aktivem PC-Cursor, JAWS-Cursor und Home-Row-Modus ist.

NVDA skripten und anpassen

Und was ist mit Skripting? NVDA kann wie JAWS mit Skripten an Anwendungen angepasst werden. Die Schwierigkeit liegt dabei weniger in der Sprache Python, die in NVDA verwendet wird als in den Funktionen die NVDA zum Skripting bereitstellt. Hier muss man sich wie in JAWS intensiv einarbeiten. Die Skripte liegen in einem benutzerspezifischen ordner, oder können an einen gemeinsamen Ort für alle Benutzer eines PC erstellt werden. Außerdem gibt es Plugins, die NVDA um allgemeine oder anwendungsspezifische Funktionen erweitern. Auf der Webseite des Projekts finden Sie einen Verweis auf ein Verzeichnis solcher Plugins. Eines davon richtet eine OCR ein, sodass Sie ein grafisches Bild mit Text erkennen lassen können.

Fazit

Es gibt nur relativ wenig Situationen, bei denen NVDA JAWS deutlich unterlegen ist. Dies sind vor allem solche, in denen die grafischen Bildschirminformationen wichtig sind. Z.B. verwenden einige Anwendungen verschiedene Grafiken um den Zustand von Schaltern oder Einträgen darzustellen.
Weiterhin ist NVDA in der Unterstützung für MS Office noch nicht auf dem Stand von JAWS. Aber die grundlegenden Funktionen lassen sich bereits gut nutzen.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich für Spenden an das NVDA-Projekt werben. Eine solche Software ist zwar kostenlos, aber sie zu entwickeln kostet viel Geld und Zeit. Dabei sind auch kleine Spenden hilfreich. Ohne Spenden steht ein solches Projekt vor dem aus und es gäbe keine Alternative zu kommerziellen Screenreadern. Zum Spenden können Dienstleister wie Paypal genutzt werden. Dabei müssen Sie nur den Betrag mit einem Auswahlschalter wählen und sich bei Paypal anmelden. Wer kein Paypal hat oder sich das nicht zutraut, kann sich an einschlägige Mailinglisten für NVDA wenden – manchmal wird dort eine Spendenaktion durchgeführt und sie können das Geld in Deutschland überweisen.

Herausforderung Webanwendungen

Noch vor einigen Monaten war ich der Meinung, dass eine webbasierte Anwendung eine relativ gute Zugänglichkeit bietet. Die Browser sind von den Screenreaderherstellern gut angepasst, es existieren viele Schnelltasten und vernünftiges und gut ausgezeichnetes HTML setzt sich durch.

 

Allerdings bin ich in den letzten Wochen in Kontakt mit einer Reihe von Webanwendungen gekommen, die in mir Zweifel weckten, ob die Zugänglichkeit wirklich gegeben ist. Die Navigationstasten funktionieren, aber trotzdem habe ich oft das Gefühl auf einem großen Feld verloren zu sein.

Ich nenne das ganze mal etwas platt den Facebook-Effekt. Dabei verwende ich NVDA und einen aktuellen Firefox. Während ich Statusmeldungen lese, wird die Seite ab und an aktualisiert und NVDA ergießt sich in der Ansage tausender Listen die rigendwie im Kontext keinen Sinn machen. Man kommt zwar klar, aber erst nach reichlich Training. Ich habe das Glück, beruflich den ganzen Tag am PC zu sitzen und die Bedienung von Screenreader und Browser ist für mich nichts anstrengendes, aber was ist mit all jenen, die sich mühsam durch eine Seite quälen? OK, ich muss ja kein Facebook verwenden ode könnte eine App verwenden, aber in anderen Fällen gibt es quasi keine Alternative.

 

Ein Problem scheint zu sein, dass die neuen Elemente einer Seite wie Menüs und Registerkarten bislang als Listen vorgelesen werden. Dadurch muss man erst mühsam suchen, wenn man in einer Hilfe liest, man möge auf ein bestimmtes Register klicken. Weitere Hindernisse, die mir aufgefallen Sind, berichte ich am Beispiel der entspr. Anwendung.

 

Blogverwaltung

 

Als Bloggingsoftware ist WordPress www.wordpress.orgeine gute Wahl. Immerhin bekommt so auch ein blinder oder sehbehinderter Autor eine ansprechende Webseite, ohne sich aktiv um das Layout kümmern zu müssen. Die Bedienelemente sind anständig ausgezeichnet und für sich selbst gut bedienbar. Allein die Masse der Tabellen, Menüpunkte etc. auf einigen WordPress-Seiten ist so groß, dass ungeübte auch hier lange lesen müssten, bevor sie die Zusammenhänge erkennen und wissen auf welchen der prominent platzierten Links sie klicken müssen. Während Überschriften und Tabellen gut navigiert werden können, präsentieren sich die Menüs im WordPress 3.4.1 und Theme Twenty Eleven als nicht klar beschriftete oder doppelte Links. Außerdem erschließt sich mir nicht, wie sich die Schrift- und formatieroptionen über dem Schreibfeld auswirken, wenn ich jedesmal für die Bedienung den Formularmodus abschalten muss. Mindestens ist eine solche Arbeitsweise sehr umständlich. Ich behelfe mir mit einem Plugin wie Blogtext, aber solche Optionen über Eingabefeldern werden immer häufiger. Von einer Rechtschreibprüfung, die ich aktiviert hatte, ganz zu schweigen.

 

Verwaltung von Scrum-Projekten

SCRUM ist eine spezielle Methodik zur Entwicklung von Softwareprojekten. Dabei werden für alle neuen oder geänderten Funktionen sog. Userstories und untergeordnete Aufgaben erstellt. Im Ergebnis hat man eine Reihe von Informationen, die an Tickets hängen. Der Status der Tickets ist von zentraler Bedeutung für den Prozess. Dementsprechend besteht die Anwendung TinyPm www.tinypm.com im Wesentlichen aus einem Ticketsystem mit verschiedenen Ansichten. Zur leichteren Verfolgung und für die Übersicht werden außerdem eine Reihe von Grafiken (Charts) dargestellt. Diese bleiben Screenreadernutzern naturgemäß verborgen. Weil sie zentrale Informationen bündeln und aufbereiten ist dies ein erheblicher Verlust.

 

Der zentrale Dialog der aufgabenzettel stellt alle Tickets eines bestimten Zeitraumes in einer dreispaltigen Tabelle dar. Die Spalten zeigen den Status an. Die Ansicht erlaubt einen raschen Überblick über den aktuellen Zustand. Anwender ziehen ein Ticket einfach in eine andere Spalte um dessen Status zu ändern.

Die Tabelle läßt sich nur schwer mit Screenreadern navigieren. Zwar werden alle Elemente einer Spalte korrekt vorgelesen, aber es feht ein schneller Überblick darüber, welche Tickets zu einem bestimmten übergeordneten Ticket welche Status haben. Das Navigieren durch Spalten und Reihen mit den Screenreaderkommandos funktioniert nicht. Möchte man als Screenreadernutzer einen Ticket verschieben – allso den Status ändern, so muss man es jedesmal editieren und Start- und Endzeit in einem bestimmten Format angeben. Das ist nicht schwer, aber dieser Vorgang mus ständig ausgeführt werden. Damit entsteht immer ein gewisser Zeitverlust. Hinzu kommt, dass JAWS den Aufbau der Seiten signifikant verzögert.

 

Verwaltung beliebiger Projekte

Nach dem ich einen Artikel in der C’T gelesen hatte, habe ich mich zum Test bei www.projectplace.de angemeldet. Neben diversen kryptischen Links bei denen die alternativtexte aus wilden Zahlen bestehen und Einträgen wie void haben es auch die Eingabefelder in sich. Z.B. dann, wenn man ein Projektmitglied einladen möchte. Vermutlich wird die E-Mail-Adresse umgehend geprüft. Auf jeden Fall war ich nicht in der Lage, eine falsch eingegebene Adresse zu korrigieren. Irgendwann hab ich’s dann zwar geschafft, aber wenn man an solchen Kinkerlitzchen viele Minuten verschwndet, dann ist das kein effizientes Arbeiten.

Der Versuch ein Dokument einzustellen war nicht erfolgreich. Ich konnte zwar ein Word-Dokument anlegen, es aber nicht mit Inhalt füllen. Um überhaupt die Funktion zu finden, mit der ich eines anlegen konnte, habe ich nach “Neu” auf der ganzen Seite gesucht und war irgendwann auch erfolgreich. Das ist wohl mehr Glück als Verstand oder systematisches vorgehen.

 

Datenbankverwaltung

Oracle bietet mit seinem Grid control eine komplexe Weboberfläche um eine ganze Farm von Datenbanken, Servern mit all dem Hard- und Softwarezubehör zu verwalten. Viele Links kann man nur bedienen, weil man aus Beschriftungen wie bkzanme&%d etwas wie Anmelden herauslesen kann. Da ist Phantasie un Grips gefragt. Die Dialoge bestehen aus diversen Registern, Menüs, Tabellen und Einstellmöglichkeiten. Man sucht sich quasi nen Wolf. Hinzu kommt, dass man auf vielen Seiten erstmal das automatische Aktualisieren deaktivieren muss, weil die Seite sonst nach 10 – 30 Sekunden neu geladen wird. Für sehende ist das an diesen Stellen sicher sinnvoll, weil es sich um Echtzeitdaten handelt, aber für Screenreadernutzer ist das eine echte Barriere, weil man in der halben Minute nur mit Erfahrung den entspr. Haken zum Ausschalten findet.

 

Fazit: Die Elemente für sich sind meistens gut bedienbar. Es liegt oft nicht am HTML-Code – der ist dafür, dass er generiert wird, sogar recht gut. Oft liegt es an der blanken Masse der Elemente pro Dialog. Es ist zu erwarten, dass Webanwendungen im Zuge von HTML5 deutlich komplexer werden. Ihre Verbreitung wird steigen, weil eine Installation einfach auf einem zentralen Server bereitgestellt werden kann. Der Player ist in Form eines Browsers überall installiert und die anwender können den Player bedienen. Sobald die neuen HTML-Elemente den Vorteil von Desktopanwendungen in Bedienkonfort aufgefressen haben, werden viele Anwendungen, bei denen Menschen zusammenarbeiten in Webanwendungen umgewandet. Das wird nicht alle Anwendungen erfassen – solche bei denen jemand alleine an einem Projekt arbeitet und wo Rechenpower wichtig ist könnten verschont bleiben.

 

Es wird eine große Herausforderung werden, solche komplexen Anwendungen so zugänglich zu machen, dass sie nicht nur wahrnehmbar sind, sondern auch effizient mit Großschrift und Screenreadern bedient werden können.

Review eines Spezialkopfhörers, der über den Knochen statt über das Trommelfell überträgt


Hintergrund

Ich bin ein begeisterter Anwender eines Ultraschall-Navigationsgerätes, namens K-Sonar mit dem man Hindernisse auf akustische Weise angezeigt bekomt. Damit man die ganze Bandbreite des Geräts nutzen kann, muss man einen Kopfhörer verwenden, weil Details in kleinen Frequenz und Geräuschunterschieden dargestellt werden. Allerdings ist die Verwendung eines klassischen Kopfhörers für einen blinden Menschen im Straßenverkehr sehr gefährlich und beeinträchtigt die übliche akustische Orientierung. Ein Außenlautsprecher hilft nicht wirklich weiter, weil er viele der interessanten Informationen verfälscht oder gar verschluckt.

Deshalb wurde ich hellhörig, als ich von einem neuen Kopfhörer hörte, der die Ohren freiläßt und seine Ausgabe direkt über den Knochen an das Gehör übermittelt.

Es gibt verschiedene Modelle und Bauformen solcher Kopfhörer. Ich habe mich für einen richtigen Kopfhörer mit Nackenbügel entschieden, der nicht so leicht verrutschen soll. Alle Produktdetails finden sich unter Audiobone. Hier ein kurzer Erfahrungsbericht:

Erste Verwendung

Bei meiner Bestellung wurde leider der Artikel vertauscht – ich hatte eine Version mit Verstärker bestellt, erhielt aber die klassische Variante ohne Verstärker. Die Ernüchterung war umgehend zu erleben: Der Kopfhörer ist deutlich leiser als ein klassischer und das Navigationsgerät ist kein Krachwunder. Netterweise hat der Verkäufer mir umgehend und kostenlos einen Verstärker nachgeschickt.

Der Kopfhörer selbst hat einen Nackenbügel und vermeidet damit den Halt am Kopf durch Druck zu erreichen. Er liegt stattdessen locker hinter den Ohren auf. Wie beabsichtigt kommen die Membranen bzw. die Lautsprecher direkt vor dem Ohr bzw. dem Hörgang auf den Rand der Ohrmuschel. Die Wahrnehmung der Umweltgeräusche wird damit nur minimal beeinträchtigt. Eigentlich fühlt es sich nur etwas ungewohnt an. Das Gewicht ist so gering, dass er sich leichct über längere zeit tragen läßt. Für den Transport kann man die Lautsprecher nach innen an den Bügel klappen, wodurch das ganze sehr flach wird.

Leider ist das Anschlusskabel relativ kurz, aber es wird eine Verlängerung mitgeliefert.

Der Verstärker selbst ist rechteckig und hat einen Klipp, um ihn z.B. am Hemd zu befestigen. Er benötigt zwei Mikrozellen. Das Einlegen von Batterien ist etwas tückisch, denn es gibt nur eine dieser Federn, die normalerweise anzeigen, wo die Minuspole hingehören. Man darf sich nicht verwirren lassen: Die Batterien müssen wie fast immer in abwechselnder Richtung eingelegt werden – und die Feder ist denn auch für einen Minuspool der einen Batterie zuständig. Leider reicht das Einlegen alleine nicht aus: Es kommt nichts durch den Verstärker. Auf der glatten Oberfläche lassen sich einige Punkte leicht Eindrücken – jawohl kleine Tasten. Es sind genau zwei, die die Lautstärke regeln. Der Lauter-Knopf dient gleichzeitig als Ein- und Ausschalter, wenn man ihn gedrückt hält. Das ist praktisch, denn der Verstärker schaltet sich nach etwa 30 Sekunden automatisch aus, wenn kein akustisches signal kommt. Das ist sicher etwas ungewohnt, schützt aber vor unnötiger Energieverschwendung.

Zusammen mit dem Verstörker kommt der Kopfhörer fast auf eine normale Lautstärke. Das klingt nicht sonderlich berauschend, aber man darf nicht vergessen, dass hier ein anderer übertragungsweg verwendet wird. Apropos: Das Verwenden der Knochenleitung verändert die gehörten Frequenzen deutlich. Musik, von der man weiß wie sie klingt, hört sich etwas Mitteltonlastiger und etwas flau an. Der Kopfhörer gibt einen Frequenzgang von 50 – 12.000 Herz an – was zumindest bei den Bässen schon mal einiges wegfallen läßt. Due Bässe spürt man dafür als Vibrationen direkt am Wangenknochen. Sobald der Verstörker nicht mehr ausreichend Saft über die Batterien bekommt, wird die Klanqualität deutlich schlechter, sodass ich erst von der Musikqualität etwas enttäuscht war. Mit frischen Batterien klang das aber dann schon wesentlich besser.
Immerhin schlägt der Kopfhörer mit 160 Euro zu Buche, was gegenüber einem normalen Gerät für den gehörgang schon recht teuer ist.

Navigation im Alltag

Nun, ich habe den Kopfhörer für mein Ultraschallgerät und in der Bahn für meinen PTP 1 gekauft und da ist das mit den Frequenzen noch zu verschmerzen. Immerhin lag die Fledermaus monatelang brach zu hause. Durch die kaum veränderte Wahrnehmung der Umwelt, kann ich mich problemlos orientieren und höre dennoch genug Details des K-Sonar. Sofort wird mir wieder der Informationsreichtum bewusst, den das Gerät liefert – unterschiedliche Materialien werden unterschiedlich ausgegeben. Auf bekannten Strecken ergeben sich so nebenbei akustische markante Punkte, die eine entspannte Orientierung sehr unterstützen. Außerdem kommt hier der Effekt zum Tragen, dass der K-Sonar am Stock befestigt wird und das Gehirn nach einiger Zeit Stockwinkel und akustische Information verknüpfen kann. Man weiß irgendwann, wo sich ein Gegenstand befindet und kann einfach dran vorbeigehen. Zusammen mit dem nun offenen Ohr und der Leistung der Fledermaus ergibt sich eine sichere Navigation mit dem vollen Informationsumfang aus Ohr und Ultraschall. Die Sicherheit wird nicht mehr beeinträchtigt, weil man nichts überhören kann – zumindest nicht mehr als ohne Kopfhörer.

Mein Ziel, eine sichere Möglichkeit zum Betrieb des K-Sonars ist damit erreicht und der veränderte Frequenzgang beeinflusst die Ausgabe des Geräts nur in geringem Maße.

Der Daisyspieler hört sich über den Kopfhörer akzeptabel an – man kann einem vorgelesenen Text oder einem Podcast lauschen. Allerdings reicht die Lautstärke schon bei einer etwas lauteren Straßenbahn nicht mehr aus. Außerdem beginnt der Kopfhörer bei voller Lautstärke leicht zu übersteuern. Die Unterschiede in den Frequenzen sind auch hier deutlich zu spüren. Ob ein leistungsfähigerer Verstärker Abhilfe leisten kann und evtl. auch den Frequenzgang so verändern kann, dass man im Endeffekt wieder ähnlich hört wie mit einem klassischen Hörer, kann ich nicht beurteilen.

Fazit

Der Audiobone Kopfhörer ist ohne Verstärker eigentlich nicht zu gebrauchen. Weder meine Stereoanlage, noch mein PC haben einen ausreichenden Ausgangspegel. Nachdem mittlerweile fast alle MP3-Spieler etc. akustisch auf ein vernünftiges maß gedrosselt sind, dürfte das Problem mit fast jedem Abspielgerät auftreten.

Der Kopfhörer eignet sich gut, um Navigationsgeräte oder andere Hilfsmittel im Straßenverkehr zu betreiben, weil die Umweltgeräusche kaum behindert werden. Für Sprachausgaben und andere Signale ist die gehörte Qualität der Audiosignale ausreichend. Für den Musik oder Hörbuchgenuss sollte man allerdings eher einen klassischen Kopfhörer verwenden.

Es muss jeder fürsich entscheiden, ob er 160 Euro oder etwas mehr in diese Vorteile investieren möchte. Für mich hat sich das gelohnt, weil das K-Sonar mir viel Sicherheit gibt und mich vor Verletzungen schützt. Bleibt zu hoffen, dass man die verschluckten Frequenzen über den Knochen irgendwie ausgleichen kann, denn dan wäre auch ein Musikgenuss ohne Schädigung des Trommelfells möglich.

Der Hai schlägt zurück – Rache für das Fremdgehen mit NVDA?

In einem meiner Artiekl habe ich berichtet, dass ich immer öfter mit NVDA statt mit JAWS meine Arbeiten am PC erledige. Das gilt für mich nicht nur zuhause, wo JAWS mittlerweile eher faul auf der Platte abhängt, sondern auch im Büro. Dort habe ich dem Hai eine zweite Chance gegeben, weil mir einige Darstellungen in NVDA zu ausfühlich und damit zu langsam beim Vorlesen sind. Z.B. wird bei E-Mails der gesamte Status etc. vorgelesen. Bei vielen Mails, ist das etwas zäh.

Wie auch immer JAWS hat mich während meiner Entwicklung unter Visual C++ begleitet und hat sich prompt am Visualstudio festgebissen. In dieser Anwendung gibt es eine spezielle Anischt, die sich Klassenansicht nennt und es ermöglicht schnell durch Quellen zu navigieren. Damit das klappt, baut sich VS eine Art Cache auf, den man manuell löscht, wenn er aus dem Tritt gerät. Beim Start des Projekts im Visualstudio wird der Cache dann neu aufgebaut – wenn JAWS nicht seine Kiefer dazwischen hauen würde.

Das ganze hat mich einige Stunden Arbeitszeit gekostet. Ohne die Ansicht läßt sich nur sehr bedingt arbeiten und das Sharky seine Beißerchen im Spiel hatte, habe ich als allerletztes vermutet. Kaum war JAWS aus und VS mit NVDA gestartet, wurde der Cache aktualisiert bzw. aufgebaut, was das Känguru feixend mit der Ausgabe des Fortschrittsbalkens kommentiert hat.

Fazit: Sicher ist das Behaken von JAWS und Visualstudio ein unglückliches Zusammenspiel und so etwas passiert nun einmal. Es zeigt aber auch, das Screenreader, die sehr tief im System verwurzelt sind immer die Gefahr mit sich tragen andere Dinge signifikant zu beeinflussen.

Java Access bridge in JRE integriert.

Auf der Mailingliste für die Zugänglichkeit von Java wurde berichtet, das Oracle daran arbeitet, die Accessbridge in die Laufzeitumgebung (JRE) zu integrieren. Das ist auch überfällig. Installation und Aktualisierung sind für Fachleute schon kompliziert, für Endanwender nahezu unmöglich.

 

Gestern wurde nun auf der Mailingliste berichtet, dass die Integration in die JRE mit Version 7 Update 6 stattgefunden hat.

 

Die Versionen der JRE (Laufzeitumgebung) und JDK (Entwicklungskit) können von der folgenden Seite heruntergeladen werden:

http://www.oracle.com/technetwork/java/javase/downloads/jre7-downloads-1637588.html

 

Anschließend muss man, laut einem Post auf der Mailingliste über die Zugänglichkeitsoptionen (Windows+u) die Accessbridge aktivieren.

 

Ich glaube, dass die Integration ein großer Schritt in die richtige Richtung ist, weil sie vielen Anwendern Argbeit und Fehlersuche abnimmt. Außerdem kann Oracle so besser sicherstellen, dass Accessbridge und JRE kompatibel sind.

Bei den Screenreadern muss man darauf achten ob sie 32bit oder 64bit Anwendungen sind und die passende Java runtime installieren, sonst klappt es nicht.