Kategorie-Archiv: Cool Tool

Mein Hai geht in Teilzeit

Ich habe schon lange auf den Tag gewartet, da NVDA an meinem Arbeitsplatz das Kommando übernimmt. Nich aus Gehässigkeit gegen die kommerzielle Lösung, sondern es sich schon lange abgezeichnet hat. Folgende Ereignisse haben diesen Tag nun wahr werden lassen:

  • Immer mehr unserer verwendeten Webanwendungen lassen sich besser mit Firefox und damit auch mit NVDA verwenden.
  • Der Zugriff auf das Internet ist nur noch via Firefox möglich – und weil viele Dokus dort liegen, bin ich quasi drauf angewiesen.
  • Ich habe endlich das Problem gelöst, dass NVDA bei der Verwendung von Outlook immer eingefroren ist. “schuld” war eine Software namens advanced security for Outlook, die für Catlok verwendet wird. Das ist eine sehr zugängliche Anwendung um die eigenen und die Termine von Kollegen zu überblicken. Nach deinstallation des “Schuldigen” lief NVDA ohne Probleme und dem ständigen Einsatz stand nichts mehr im Weg.

Allerdings brauche ich JAWS noch zum Debugging in Visualstudio und vermutlich auch noch für andere Anwendungen.

Wie auch immer: Ich bin froh, dass es wirklich gelungen ist, als Softwareentwickler produktiv den ganzen Tag mit NVDA zu arbeiten. Das beste daran: Wenn irgendwas zu klemmen scheint, Drücke ich die NVDA-Kombination und die Software wird durchgestartet.

Ich wünsche mir, dass die kommerzielle Konkurrenz wie JAWS endlich aus den Fehlern lernt und Screenreader baut, die stabil laufen und das Abdecken, was die Anwender brauchen. Ich habe den Eindruck, dass oft Funktionen am Bedarf vorbei eingebaut werden.

Mein Computer komponiert und es klingt auch noch recht gut

“Mein Computer ist ein guter – er komponiert; Ich sitz daneben und warte was passiert”
Das ist ein Zitat aus einem Song der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, der schon einige Jahre alt ist. Aber viel treffender könnte ich es auch nicht nennen.

Ich experimentiere in letzter Zeit mit einigen Anwendungen, die entweder von sich aus Musik erstellen oder dies in kontrolliertem Umfang tun.

Ein ziemlich erstaunliches Programm ist dabei CG Music. Die Software entstand im Rahmen einer Masterarbeit und liefert sehr nette Ergebnisse auf Knopfdruck. Damit nicht genug, man kann einiges anpassen.

Die software gehört (das ist in diesem Genre leider nicht selbstverständlich) zu den halbwegs bedienbaren Anwendungen.

Hier mal eine Beispielausgabe, bei dem ich nur Tempo und Tonart in einigen Teilen etwas verdreht habe.
heikoslatin1.mid

OK, klingt wie irgendwie alle Songs auf dem PC. Das ist nicht erstaunlich, denn es ist eine Midi-Datei und verwendet die Sounds des abspielenden PCs. Dagegen die gleiche Datei über einen sog. Midirenderer in eine MP3-Datei verwandelt.
Der 1. Song von CG Music im erstellt mit dem Arachno Sound font

Die software ist zu finden unter:
http://codeminion.com/blogs/maciek/2008/05/cgmusic-computers-create-music/#comment-9606

Ich habe die Software mit NVDA getestet. ACHTUNG: Bereits am Anfang muss man zum “Load Project” Knopf mit der NVDA-Navigation laufen. Die Anwendung läßt sich am besten mit der Bildschirmdarstellung steuern und man kann mit der Braillezeile auf die zu bearbeitenden Teile klicken.

Ich habe auch noch andere interessante Anwendungen aus diesem Genre gefunden:

  1. Fractal music – eine Anwendung, die ähnlich wie ein gewöhnliches Fraktal aus einer Folge eine Musik baut.
  2. Soundhelix – eine Anwendung, bei der man steuern kann, was zufällig variiert wird und wo feste Noten gespielt werden sollen. Es handelt sich um eine Java-Kommandozeilen-Anwendung.

Eine erfolgreiche Piepshow

Piepshows sind bei mir meistens sehr erfolgreich und zielführend.

die Idee ist wirklich simpel: Beim Programmieren fügt man an bestimmten Stellen Piepstöne ein, um leicht feststellen zu können

  • Wird die Stelle angesprungen und wie oft?
  • Wie lange braucht die Anwendungen im Bereich zwischen zwei Tönen?
  • In welchen Situationen wird die Stelle wie oft ausgeführt?

Dabei erinnere ich mich urück: Es ist schon über 25 Jahre her, dass mir diese einfache Technik den Weg zur Computerei ebnete. Unsere Eltern hatten mir und meinem großen Bruder einen C16 geschenkt (von Sprachausgabe o-ä. war natürlich weit und breit nichts zu sehen). Ich war schnell fasziniert, mein ruder aber nciht. Ohne viel darüber nachzudenken, habe ich mir etwas Basic zusammengeklaubt und angefangen zu experimentieren. Das programm lief von Beginn an bis zum ersten Fehler und blieb dort stecken. Editiert wurde über Zeilennummern – daher brauchte ich nicht wissen, wo der Cursor steht.
Also alle fünf Zeilen einen ton eingebaut, die Töne gezählt und die fünf Zeilen, in denen offenbar ein Fehler war neu eingegeben. Die programme waren winzig, aber die Lösung war damals verwirrend erfolgreich.

Fazit: Manchmal ist es gut, wenn die Umgebung gar nicht lange darüber nachdenkt, ob etwas zugänglich ist. Kinder kommen oft auf Lösungen, die die umstehenden verblüffen.

Interessantes und anspruchsvolles audio Spiel GMA Lander

Die bekannte Firma GMA Games hat ein kostenloses Spiel namens GMA Lander herausgebracht. Es geht dabei darum, ein Raumschiff auf verschiedenen Planeten mit unterschiedlicher Schwerkraft zu landen und zwar mit sehr begrenzten Treibstoffreserven. Für das Spiel braucht man nur die Leertaste. Die englischen Texte sollten auch für Leute ohne größere Englischkenntnisse kein Problem darstellen, weil es sich um einige Zahlen handelt.

Das Spiel zeigt außerdem, wie mehrere Informationen parallel und in Echtzeit über die Audiospur transportiert werden können. Nichts revolutionäres, aber die Intuitivität der Umsetzung ist immer wieder beeindruckend.

OK, aber wo ist nun der Anspruch? Es ist nicht leicht, für jeden Planeten die richtige Mischung aus Bremsschub und freiem Fall zu finden. Entweder geht einem viel zu früh der Schub aus und man fällt zu hart auf den Boden, oder die Bremsung reicht nicht aus – beides kommt auf das gleiche hinaus.

Die Homepage von GMA games findet sich hier:
www.gmagames.com

Schnelltasten verwalten und automatisieren von wiederkehrenden Aufgaben

Vor einiger zeit habe ich ein Programm gesucht, mit dem ich eine Reihe von Tastendrücken automatisiert abspielen konnte. Ich brauchte es, um einen Fehler zu reproduzieren. Die aufgabe war flugs erledigt und das mitgelieferte tutorial hat mich quasi angesteckt.

Es geht um www.autohotkey.com[doesn't exist]. Nun, es gibt viele Skript-Systeme, mit denen man Batchdateien ablösen kann oder kompliziertere dinge tun kann. Visual Basic Script ist nur eines davon. Allerdings können die meisten nicht ohne Weiteres Schnelltasten erstellen oder eingegebene Zeichenketten ersetzen.

Für die Screenreadernutzer mal ein praktisches Beispiel: In einigen Anwendungen wie pgadmin fnktioniert die Anwendungstaste nicht. Man kann also nicht ohne Weiteres ein Kointextmenü aufrufen. Häufig funktioniert Umsch+F10 stattdessen. Man kann sich entweder an diese Kombination gewöhnen, oder mit autohotkey die Anwendungstaste auf sie umlegen. Klar, das kann JAWS auch, aber mit autohotkey ist es ein Dreizeiler und unabhängig von Screenreadern.

Ein anderes Beispiel sind sog. Hotstrings. Wollten Sie nicht schon immer einen längeren Ausdruck schneller schreiben? z.B. Mitfreundlcihen Grüßen …
Das folgende wäre eine Unterschrift in einer Mail für mich:
::mfg:: send Mit freundlichen Grüßen{enter}{enter}Heiko Folkerts
Einfach oder?
Im Endeffekt installiert man die Anwendung und erstellt beliebig viele Skripte. Wenn man ein Skript in den Autostartordner legt, wird es beim Systemstart gestartet und kann Schnelltasten verarbeiten.

Die folgende Zeile in einem solchen Skript sorgt dafür, dass man mit Windows+Leertaste Google aufrufen kann:

#space:: run www.google.de
Die Foren und die Hilfedatei sind allerdings in englischer Sprache gehalten, aber vermutlich gibt es auch schon viele deutschsprachige Seiten dazu.

Nun, am Anfang habe ich gegrübelt, was ich denn zu automatisieren habe – viel ist dabei nicht herausgekommen. Erst später wurde mir klar, dass es auch um die kleinen Dinge s.o. geht, die sich beschleunigen lassen.

Am Ende wächst mein Standardskript Stück für Stück und es finden sich immer mehr kleine Automatisierungen, die in effizientere Arbeit münden.

Ich kann nur jedem empfehlen, es selbst einmal auszuprobieren. Es gibt viele Skripte zum herunterladen und lernen.

Webseite mit vielen interessanten Podcasts

Viele von uns kennen noch die Seite BlindCoolTech Dort erscheinen allerdings seit knapp zwei Jahren keine Podcasts mehr. Eine ähnliche Seite mit vielen Podcasts die aktiv ist kann man unter Blind-Geek-Zone finden. U.a. wird dort die Installation von Windows 7 bzw. die Nutzung einer CD-Version davon ohne sehende Hilfe in zwei Podcasts präsentiert. Die Lösung ist unter www.briansmart.com zu finden. Ich habe sie allerdings nicht ausprobiert.

Einstieg in NVDA für JAWS-Anwender – eine Starthilfe


Einleitung

JAWS war lange Zeit der dominierende Screenreader auf dem Markt. Mit ihm können viele blinde und sehbehinderte Anwender ihren Beruf ausüben oder ihren privaten Interessen am PC nachgehen.

Im Schatten dieser Software und anderen kommerziellen Konkurrenten ist die Open-Source-Alternative NVDA zu einer freien und starken Konkurrenz herangewachsen. War er am Anfang hauptsächlich Vehikel um JAWS wieder flott zu bekommen, ist NVDA jetzt auf Augenhöhe mit der kommerziellen Konkurrenz angekommen.

Grund genug möglichen Anwendern den Einstieg in NVDA durch eine gezielte Anleitung zu erleichtern. Ich spreche bewusst von Ein- und nicht Umstieg, denn die zusätzliche Nutzung von NVDA bedeutet nicht ,dass sie ihr geliebtes JAWS einmotten müssen.

Warum sollte ich NVDA statt JAWS nutzen?

  • Sie können sich evtl. die Lizenzen für die Updates sparen und stattdessen für NVDA spenden, wenn Sie denken, dass dies gerechtfertigt ist. Auch wenn die Kosten der Updates übernommen werden, bleibt immer noch jedes Mal der Papierkrieg.
  • Wenn JAWS Ihnen regelmäßig abstürzt, probieren Sie doch mal einen Screenreader, der sich selbst neu startet, wenn etwas schiefgeht bzw. bei seinem aufruf einen Neustart veranlasst.
  • Sie hoffen bei jeder neuen Version von JAWS, dass Sie am Ende alle Skripte etc. am gewohnten Ort wiederfinden? NVDA wird ihre eigenen Einstellungen unangetastet lassen und auch während der Installation von Updates benutzen.
  • Sie möchten einen Screenreader auf einem USB-Stick haben und ihn z.B. bei Bekannten etc. verwenden, ohne dort eine Installation vornehmen zu müssen.
  • Sie möchten Windows 8 mit einem Touchscreen verwenden? Zugegeben: Das soll auch mit JAWS 15 möglich sein.
  • Sie haben nur eine alte Version Ihres Screenreaders und möchten ein aktuelles Betriebssystem benutzen?

Na, neugierig geworden? Das ganze kostet Sie nur ihre eigene Zeit und ein paar Bytes auf Ihrer Festplatte.

NVDA herunterladen

Sie finden die aktuelle Version von NVDA auf der seite
www.nvda-project.org
Die Seite ist allerdings in Englisch. Alternativ können Sie die Seite
www. http://nvda.handytech.de/
aufrufen. Sie ist in Deutsch und NVDA kann direkt gestartet werden.
Derzeit ist NVDA in Version 2013.2 verfügbar, aber es gibt bereits eine Betaversion von 2013.3. Sie finden den Ankündigungsartikel hier:
http://community.nvda-project.org/blog/NVDA2013.3rc1Released

Absichern des Weges zu JAWS

Sie werden, nach den ersten Erfahrungen in NVDA diesen beenden und JAWS erneut starten wollen – weil Sie sich noch dort besser auskennen. Deshalb sollten Sie zu Beginn JAWS einer Schnelltaste zuweisen. Selektieren Sie dafür den Eintrag JAWS auf dem Desktop und öffnen Sie die Eigenschaften mit Alt+enter. Gehen Sie nun ins Feld “Tastenkombination” und geben Sie Strg+Alt+j ein. Anschließend verlassen Sie den Dialog mit OK. Sie können nun JAWS jederzeit mit Strg+Alt+j starten.

NVDA installieren

NVDA verwendet eine sprechende Installation. Deshalb sollten Sie JAWS direkt vor dem Start der Installation beenden, damit nicht zwei Stimmen mit Ihnen sprechen. Wählen sie nach dem Akzeptieren der Lizenzbedingungen “NVDA auf diesem Computer installieren” aus. Der Rest läuft quasi von selbst und es sind keine besonderen Aktionen notwendig.
ACHTUNG: Falls Sie eine Firewall wie Threadfire verwenden, meldet diese möglicherweise eine Bedrohung, weil sich ein Teil von NVDA im System registriert. Lassen Sie diese Änderung zu. Ggf. brauchen Sie hierfür sehende Hilfe, weil Z.B. Threadfire nur mit erweiterten Funktionen von NVDA bedient werden kann.

Nach der Installation ist NVDA gestartet und hat sich dabei die Tastenkombination Strg+Alt+n zugewiesen. Sie brauchen hier also keine Sicherung einzubauen.

Sprachausgabe und Braillezeile einrichten

Sprachausgabe

Okay, Okay, Sie hatten gehofft, dass diese grauenhafte Stimme nur bei der Installation mit Ihnen spricht, aber sie ist geblieben? Was soll das für ein Screenreader sein, der eine solche Stimme verwendet? Keine Panik! Die eingebaute Sprachausgabe ist nicht auf guten Klang optimiert und ähnlich wie die allseits beliebte Eloquence synthetisch. Damit es etwas erträglicher wird, tun sie folgendes:

  • Öffnen Sie mit Einfügen+n das NVDA-Menü. Analog zur JAWS-Taste wird die Einfügetaste unter NVDA NVDA-Taste genannt.
  • Wählen Sie im Menü Einstellungen den Punkt Stimmeneinstellungen.
  • Gehen Sie in das Feld Variante und probieren Sie die möglichen Stimmvarianten aus.
  • Stellen Sie im Feld Geschwindigkeit die für Sie angenehmste Sprechgeschwindigkeit ein.

Sicher umwerfend sind die Stimmen nicht, aber sie haben alle Vorteile einer synthetischen Sprache. Der Autor hat bei Espeak vor allem Sprachen unterstützen wollen, für die es noch keine Sprachausgabe gab.

Falls Sie bereits eine SAPI 4 oder SAPI 5 Stimme auf dem PC installiert haben, können Sie über das o.g. Menü Einstellungen den Punkt Sprachausgabe aktivieren und dort Microsoft Speech Api Version 4 oder 5 auswählen. Anschließend können Sie über den o.g. Dialog für Stmmeneinstellungen die gewünschte SAPI Stimme auswählen.
Im Gegensatz zu JAWS kann NVDA flüssig mit SAPI-Stimmen sprechen und verzögert das System nicht.

Alternativ kann man auch Eloquence anbinden. Dies ist allerdings illegal sodass ich nicht auf die Einrichtung eingehen werde. Google oder einschlägige Mailinglisten können hier sicher abhilfe schaffen. Ich persönlich finde, das NVDA nicht wie JAWS klingen muss und würde daher die Eloquence nicht verwenden.

Weiterhin kann die Microsoft Speech Platform verwendet werden, die ab Windows 7 verfügbar ist.

Auch NVDA kann die vocalizer-Stimmen verwenden, die mit JAWS ausgeliefert werden. Damit ist ein breites Spektrum an möglichen stimmen verfügbar. Die Details zu den Sprachausgaben finden sie im Benutzerhandbuch.

Braillezeile einbinden

NVDA unterstützt nahezu alle aktuellen Braillezeilen. Da die Installation der Treiber hier sehr geräteabhängig ist, muss ich Sie auf das NVDA-Benutzerhandbuch verweisen. Sie finden die Braillezeilen im Kapitel 12. Das Handbuch erreichen Sie ebenfalls über das NVDA-Menü im Untermenü Hilfe. Es ist vollständig lokalisiert – sprich auf deutsch und passend zur NVDA-Version.

Ist die Braillezeile angebunden, dann können Sie im Menü Einstellungen im Punkt Brailleeinstellungen – wo Sie auch die Zeile eingestellt haben, die Übersetzungstabelle auswählen. Darüber wird auch die Kurzschrift eingeschaltet – es ist nur eine andere Übersetzungstabelle. Der Rest der Einstellungen zur Braillezeile dürfte selbsterklärend sein – sie sind sehr ähnlich zu JAWS.

Noch ein wichtiger Hinweis, der mich viel Zeit gekostet hat. Manchmal scheint es, dass das Cursorrouting der Braillezeile nicht funktioniert. Das hat einen simplen Grund: Sie können die Zeile entweder an die Anzeige – den NVDA-Navigator koppeln (dann geht das Cursorrouting nicht wie erwartet, sondern führt einen Klick aus. Sie können alternativ die Braillezeile an den Fokus koppeln – dann wird der Cursor an die richtige Stelle gerufen.

Das Benutzerhandbuch gibt auch die Tastaturbelegung der Braillezeilen an, damit Sie effizient arbeiten können.

Erste Schritte in NVDA

Die grundlegenden Funktionen sind sehr ähnlich zu JAWS. Das Abrufen von Fenstertiteln, das Abrufen der Uhrzeit funktionieren wie gewohnt. Allerdings gibt es unter NVDA deutlich weniger Tastaturkürzel. Wie bei JAWS können sie mit NVDA+1 (Ziffernleiste) die Tastaturhilfe ein- und ausschalten. Dann können Sie erproben, welche Tastaturkürzel welche Aktion auslösen. Es gibt eine getrennte NVDA-Befehlsreferenz in der die Tastenkombinationen kompakt aufgelistet sind. Sie finden Sie ebenfalls im Menü Hilfe.

NVDA folgt den Systemfokus und kann in vielen Situationen daher intuitiv bedient werden. Das gilt auch für die Navigationstasten im Browser. Auch hier müssen Sie nicht groß umlernen. Allerdings wird Firefox statt Internetexplorer für NVDA empfohlen. Die NVDA-Firefox-Kombination gilt auf modernen Webseiten als leistungsstärker, als die JAWS-Internetexplorer-Kombination.

Unterschiede zu JAWS

Diese Starthilfe wäre unnötig, wenn alles wie in JFW funktionieren würde. Wo müssen Sie also beginnen zu lernen bzw. sich umzustellen?

Der JAWS-Cursor

Die Irritationen fangen an, wenn man versucht, mit dem JAWS-Cursor zu navigieren. NVDA tut überhaupt nicht das, was Sie erwarten. Es gibt allerdings einen NVDA-Cursor und er ist dem JAWS-cursor sehr ähnlich. Er wird über den Nummernblock gesteuert.

  • Die Reihe mit den Nummerntasten 7, 8 und 9 navigiert zeilenweise.
  • die Reihe mit 4, 5 und 6 navigiert wortweise.
  • Die Reihe mit 1, 2 und 3 navigiert zeichenweise.
  • Die linke Taste geht eine Zeile, etc. zurück, die mittlere Taste liest die aktuelle Zeile etc. vor und die rechte Taste entspr. eine Zeile etc. weiter.
  • Mit NVDA+Num7 (Nummernblock) Schalten Sie zum nächsten Darstellungsmodus. Mit NVDA+Num1 schalten Sie einen Darstellungsmodus zurück. Es gibt die Darstellungsmodi
  • Objektdarstellung
  • Dokument
  • Bildschirm

Unter JAWS ist dies JAWS+r und heißt beschränkung. Die Angabe Bildschirm bedeutet hier die gesamte Anwendung.

  • NVDA kennt kein Umschalten zwischen den Cursorn – Sie können jederzeit mit dem NVDA-Cursor navigieren. Er kann vom Systemfokus abgekoppelt werden, falls Sie parallel zum Schreiben einen Bereich lesen möchten.

Der NVDA-Cursor funktioniert leider nicht in allen Situationen so wie man es vom JAWS-Cursor gewohnt ist. In modernen Anwendungen, die Ihre Informationen nur über Schnittstellen wie IAccessible2 etc. herausgeben, kennt NVDA nicht die Darstellung der Anwendung auf dem Bildschirm. JAWS ist hier mit den Grafikinformationen über den eingebrachten Treiber klar im Vorteil.

Anwendungsspezifische Einstellungen

Ab NVDA 2013.3 kann NVDA ähnlich zu JAWS Einstellungen für Anwendungen speichern. Allerdings ist das Konzept hier etwas flexibler. Man kann Profile erstellen in denen sich alle Einstellungen von NVDA ändern lassen und diese Profile entweder manuell aktivieren oder für eine Anwendung aktivieren. Damit können Sie ein Profil für mehrere ähnliche Anwendungen verwenden. Der Ablauf ist in etwa so:

  • Sie aktivieren mit NVDA+Strg+p den Dialog für Konfigurationsprofile. Alternativ finden Sie einen entspr. Punkt direkt im NVDA-Menü.
  • Sie erstellen über den Schalter Neu ein neues Profil und weisen einen Namen zu.
  • Sie weisen einen Auslöser hinzu:

entweder manuelle Aktivierung – Sie schalten es dann ein, wenn Sie es benötigen. Aktuelle Anwendung – wenn Sie für die aktive Anwendung spezielle Einstellungen vornehmen möchten. Alles lesen – wenn Sie z.B. beim Vorlesen langer Texte eine andere Sprachausgabe oder eine andere Geschwindigkeit oder was auch immer wünschen.

  • Sie bestätigen, dass der Auslöser ggf. auf das neue Profil umgelegt wird und aktivieren die Bearbeitung des neuen Profils.
  • Nun stellen Sie das in NVDA ein, was Sie im neuen Profil wünschen – z.B. Espeak statt SAPI.
  • Sie öffnen erneut den Dialog zur Einstellung der Profile und deaktivieren das neue Profil, damit weitere Änderungen nicht im neuen Profil landen.
  • Sie testen den Auslöser.

Versuchen Sie es – Sie werden begeistert sein.

NVDA auf Webseiten

Bis auf Details können Sie mit NVDA genauso auf Webseiten navigieren, wie Sie es von JAWS kennen. Ein paar Unterschiede:

  • NVDA kennt keine Webseitenspezifische Einstellungen
  • NVDA kennt nur eine Liste, in der Schalter, Links und Überschriften aufgelistet werden.
  • Um auf einer Webseite über NVDA zu suchen, müssen Sie Strg+NVDA+f drücken – unter JAWS reicht Strg+f

In Microsoft Office

Das Office-Paket ist mit JAWS sehr gut bedienbar. NVDA bringt hier noch nicht so viel Konfort mit. Allerdings befinden sich gerade in der neuesten Version 2013.3 einige neue Funktionen für Word und Excel, die das Arbeiten deutlich erleichtern.

Die Armee der Hilfsprogramme

NVDA kennt fast keine der in JAWS bekannten Hilfsprogramme. Viele funktionen werden anders umgesetzt:

  • Die Einstellungsverwaltung wird in NVDA durch das Ändern von Einstellungen und die o.g. Konfigurationsprofile umgesetzt. Das gleiche gilt auch für den Sprach- und Soundmanager.
  • Es gibt keinen Skriptmanager. Es gibt zwar Skripte, aber keine mitgelieferte Entwicklungsumgebung. Man kann z.B. Eclipse nutzen, wenn man für NVDA programmiert, aber das ist ein externes Programm und die Skripte können auch mit einem Texteditor erstellt werden. Die Pythonkonsole ist das einzige Entwicklungswerkzeug, das NVDA an Bord hat.
  • Der Tastaturmanager wird in gewisser Weise durch den Einstellungsdialog Eingaben ersetzt. Die Zuweisungen von Tastenkombinationen zu Skripten finden jedoch direkt im Python-Code statt.
  • Es gibt keinen Grafikbezeichner in NVDA. Weder einen manuellen noch einen automatischen. Der Grund dafür ist, dass NVDA keinen Zugriff auf die grafische Darstellung der Anwendung hat und damit Grafiken nicht erkennen kann. Allerdings erkennt NVDA Werkzeugleisten korrekt, wenn sie als einzelne Knöpfe in einer Werkzeugleiste programmiert sind. In diesem Fall kann man die Werkzeuge über die unten beschriebene Navigation erreichen.
  • Um Fensterklassen zuzuweisen, muss man ein wenig Python-Code schreiben. Das ist nicht wirklich schwer, aber nicht ganz so komfortabel wie die Klassenzuweisung in JAWS. Da man solche Zuweisungen in NVDA recht selten braucht, werde ich hier nicht näher darauf eingehen.
  • Es gibt keinen Rahmenbetrachter und auch kein Erstellen von Prompts. Das mit dem Prompts lässt sich vermutlich recht gut über Python-code regeln.
  • Die Aussprache von Wörtern kann ähnlich wie in JAWS über einen Dialog eingestellt werden.
  • Es gibt keine Möglichkeit, Farben in Braille zu markieren.
  • NVDA unterstützt keinen Remotedesktop. Man kann natürlich auf dem entfernten System den Sound aktivieren und dort ein NVDA starten, kann dann aber die Braillezeile nicht verwenden. Auch für Cytrix gibt es derzeit keine Unterstützung.

Die Statuszeile Lesen

Um die Statuszeile auszulesen, betätigt man in NVDA NVDA+Pos-Ende (also beides im sechserblock). Dies funktioniert wie in JAWS nur dann, wenn die Statuszeile als solche kenntlich gemacht ist.

Die Navigation in NVDA

Ich habe jetzt schon mehrfach die geheimnisvolle Navigation in NVDA angesprochen. Was hat es damit auf sich? Sie funktioniert ähnlich dem in JAWS bekannten Home-Row-Modus. Sie kennen Ihn nicht? Nun, er wird unter JAWS meist zum intensiven Erkunden von Anwendungen eingesetzt, um sie skripten zu können. Bei dieser Navigation bewegt man sich durch die Objekte der Anwendung, mit der Sie gerade arbeiten. Das inzwischen bekannte VoiceOver von Apple verwendet einen sehr ähnlichen Ansatz. Statt den ganzen Schirm einer Anwendung zu sehen, bewegt man sich zwischen Objekten, steigt in sie hinab oder aus ihnen heraus. Genauso verhält es sich in NVDA.

Mit NVDA+ Num4 (Nummernblock) gehen sie ein Objekt zurück, mit NVDA+Num6 ein Objekt vorwärts. NVDA+Num5 liest das aktuelle Objekt vor. NVDA+Num8 steigt aus einem Objekt nach oben. NVDA+Num2 steigt in das aktuelle Objekt hinein. Mit NVDA+Numenter (lange senkrechte Taste rechts auf dem Nummernblock) führt die Standardaktion auf dem aktuellen Objekt aus – meistens ein Klick.

Versuchen Sie es und bewegen sich z.B. durch diesen Artikel mit den o.G. Navigationsbefehlen.

NVDA+Numminus (oben rechts auf dem Nummernblock) zieht den Navigator zum Fokus – falls sie sich mal mit dem Navigator verlaufen haben.
NVDA+Numstern (zweite von rechts oben im Numernblock) zieht den Navigator zur Maus. Das kann z.B. hilfreich sein, wenn Ihnen jemand etwas zeigen möchte und die Maus auf die interessante Stelle bewegt hat.
NVDA+Numschrägstrich (direkt neben der Numlocktaste oben im Nummernblock) zieht die Maus zum aktuellen Navigator. Mit NVDA+Numminus und anschließend NVDA+Numschrägstrich können Sie so die Maus zum Fokus navigieren.

Wir können zusammenfassend sagen, dass NVDA ein JAWS mit gleichzeitig aktivem PC-Cursor, JAWS-Cursor und Home-Row-Modus ist.

NVDA skripten und anpassen

Und was ist mit Skripting? NVDA kann wie JAWS mit Skripten an Anwendungen angepasst werden. Die Schwierigkeit liegt dabei weniger in der Sprache Python, die in NVDA verwendet wird als in den Funktionen die NVDA zum Skripting bereitstellt. Hier muss man sich wie in JAWS intensiv einarbeiten. Die Skripte liegen in einem benutzerspezifischen ordner, oder können an einen gemeinsamen Ort für alle Benutzer eines PC erstellt werden. Außerdem gibt es Plugins, die NVDA um allgemeine oder anwendungsspezifische Funktionen erweitern. Auf der Webseite des Projekts finden Sie einen Verweis auf ein Verzeichnis solcher Plugins. Eines davon richtet eine OCR ein, sodass Sie ein grafisches Bild mit Text erkennen lassen können.

Fazit

Es gibt nur relativ wenig Situationen, bei denen NVDA JAWS deutlich unterlegen ist. Dies sind vor allem solche, in denen die grafischen Bildschirminformationen wichtig sind. Z.B. verwenden einige Anwendungen verschiedene Grafiken um den Zustand von Schaltern oder Einträgen darzustellen.
Weiterhin ist NVDA in der Unterstützung für MS Office noch nicht auf dem Stand von JAWS. Aber die grundlegenden Funktionen lassen sich bereits gut nutzen.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich für Spenden an das NVDA-Projekt werben. Eine solche Software ist zwar kostenlos, aber sie zu entwickeln kostet viel Geld und Zeit. Dabei sind auch kleine Spenden hilfreich. Ohne Spenden steht ein solches Projekt vor dem aus und es gäbe keine Alternative zu kommerziellen Screenreadern. Zum Spenden können Dienstleister wie Paypal genutzt werden. Dabei müssen Sie nur den Betrag mit einem Auswahlschalter wählen und sich bei Paypal anmelden. Wer kein Paypal hat oder sich das nicht zutraut, kann sich an einschlägige Mailinglisten für NVDA wenden – manchmal wird dort eine Spendenaktion durchgeführt und sie können das Geld in Deutschland überweisen.

ABC-Notation als Alternative zu Braillenoten

So lange ich mich mit Musik beschäftige, so lange habe ich auch das Problem gehabt, meine Kompositionen nicht recht aufschreiben zu können oder mir Stücke festzuhalten. Natürlich habe ich schon früh von der Braillenotenschrift erfahren, aber es hat immer ein entspr. Lehrer gefehlt, der sie mir beigebracht hätte. Ob die Lehrer im Schulunterricht hätten dies leisten sollen, will ich hier garnicht vertiefen.

Der Versuch mir die Braillenoten anhand eines umfangreichen Gitarrenwerkes in Brailleschrift selbst beizubringen war ein Fiasko. Ich denke schon, dass ich komplexe Kodierungen durchdringen kann, aber das war offenbar zu viel.

Zufällig bin ich dann auf die Seite
abcnotation.com gestoßen. Es handelt sich um einen offenen Standard, in dem Musikstücke ebenfalls textbasiert und linear kodiert werden. Louis Braille, der meines Wissens nach die Braillenotenschrift verfasst hat, hätte diese Kodierung vermutlich sehr gemocht. Sie ist eindeutig, kompakt und systematisch!

Die ABC-Notation Bildet die Noten mit den Buchstaben C, D, E, F, G,A und B ab. Durch Groß- und Kleinschreibung sowie anschließende Zusatzzeichen wird die Oktave einer Note festgelegt.

Neben der ursprünglichen Ausrichtung auf Melodien wurde der Standard mittlerweile so erweitert, dass quasi alle üblichen Eigenschaften eines Stücks kodiert werden können. Dieser Standard heißt dann abcplus und ist in einem langen, aber gut zugänglichen PDF dokumentiert.

Warum unbedingt eine Alternative zu Braillenoten

Richtig, nur weil ich mir nicht die Mühe machen will, Braillenoten zu lernen, wird eine andere Kodierung nicht gleich viel besser. Außerdem sind beide vermutlich bei komplexen Stücken ähnlich kompliziert. Ich gebe der ABC-Notation aus folgenden Gründen den Vorzug:

  • Die ABC-Notation wird von wesentlich mehr Musikern vor allem aus dem folk-Bereich verstanden. Es ist also eine Brücke zwischen blinden und sehenden Musikern, statt eine Insellösung.
  • ABC-Noten lassen sich automatisch über MIDI abspielen und in normale Musiknoten umwandeln.
  • Midi-Daten lassen sich in ABC-Notation umwandeln, sodass ein sonst nur akustisch vorhandenes Stück lesbar wird.
  • Es gibt einen großen Fundus von Noten, die bereits in ABC-Notation vorliegen und damit unmittelbar nutzbar sind.
  • ABC-Noten können direkt in Braille ausgedruckt werden und sind auch jenseits eines PC nutzbar – sie haben also keinen Nachteil gegenüber den Braillenoten.

Ich vermeide es an dieser Stelle Beispiele für die ABC-Notation zu liefern, weil dies schon ausreichend im obigen Link der Fall ist. Google dürfte hier außerdem gezielt Stücke in ABC-Notation finden können. Außerdem bin ich noch nicht in der Lage ein ernsthaftes Beispiel zu liefern, dass ich selbst erstellt und nicht zusammenkopiert habe.

Hier noch ein Link, der die aBC-Notation beschreibt:
http://penzeng.de/Geige/Abc.htm

Es sollte technisch machbar sein einen Konverter zwischen ABC-Notation und Braillenoten in die jeweils andere Richtung zu erstellen.

ABC-Notation als Brücke

Die Funktion als Brücke oder gemeinsame Sprache zwischen blinden und sehenden Musikern kann nicht hoch genug bewertet werden. Möchte Ihnen jemand Noten für ein Lied übermitteln können Sie entweder versuchen die Noten im Netz zu finden, oder bei unbekannteren oder eigenen Stücken um eine Ausgabe in aBC bitten. Das braucht zwar ein wenig Einarbeitung, aber mit den automatischen Werkzeugen, kann der Ersteller prüfen, ob er die Umwandlung korrekt gemacht hat. Umgekehrt kann man ABC-Noten erstellen, diese über MIDI überprüfen und sie anschließend ausdrucken. Eine Kontrolle der grafischen Noten ist sicher notwendig, aber dann geht es nur noch um Details.

Und was kostet das alles? Nichts! Die Dokumentation und die Software zur Verarbeitung von ABC-Noten sind kostenlos erhältlich. Die Dokumentation liegt auf Webseiten bzw. in einem PDF-Dokument im Fall von ABC-Plus vor. Die Software besteht aus Kommandozeilenwerkzeugen, die daher zugänglich sind.

Fazit

Mit ABC-Notation kann ich meine Musik ausdrücken, fremde Noten lesen und mich mit anderen Musikern verständigen. Die Notation leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration blinder Musiker – auch wenn sie dafür nie geschaffen wurde. Die Vorteile der ABC-Notation könnten mit denen der Braillenoten kombiniert werden, falls jemand einen entspr. Konverter erstellt. Ich besitze zwar die notwendigen technischen Fähigkeiten dazu, aber kenne die Notationen nicht gut genug, um so etwas umzusetzen.

Review eines Spezialkopfhörers, der über den Knochen statt über das Trommelfell überträgt


Hintergrund

Ich bin ein begeisterter Anwender eines Ultraschall-Navigationsgerätes, namens K-Sonar mit dem man Hindernisse auf akustische Weise angezeigt bekomt. Damit man die ganze Bandbreite des Geräts nutzen kann, muss man einen Kopfhörer verwenden, weil Details in kleinen Frequenz und Geräuschunterschieden dargestellt werden. Allerdings ist die Verwendung eines klassischen Kopfhörers für einen blinden Menschen im Straßenverkehr sehr gefährlich und beeinträchtigt die übliche akustische Orientierung. Ein Außenlautsprecher hilft nicht wirklich weiter, weil er viele der interessanten Informationen verfälscht oder gar verschluckt.

Deshalb wurde ich hellhörig, als ich von einem neuen Kopfhörer hörte, der die Ohren freiläßt und seine Ausgabe direkt über den Knochen an das Gehör übermittelt.

Es gibt verschiedene Modelle und Bauformen solcher Kopfhörer. Ich habe mich für einen richtigen Kopfhörer mit Nackenbügel entschieden, der nicht so leicht verrutschen soll. Alle Produktdetails finden sich unter Audiobone. Hier ein kurzer Erfahrungsbericht:

Erste Verwendung

Bei meiner Bestellung wurde leider der Artikel vertauscht – ich hatte eine Version mit Verstärker bestellt, erhielt aber die klassische Variante ohne Verstärker. Die Ernüchterung war umgehend zu erleben: Der Kopfhörer ist deutlich leiser als ein klassischer und das Navigationsgerät ist kein Krachwunder. Netterweise hat der Verkäufer mir umgehend und kostenlos einen Verstärker nachgeschickt.

Der Kopfhörer selbst hat einen Nackenbügel und vermeidet damit den Halt am Kopf durch Druck zu erreichen. Er liegt stattdessen locker hinter den Ohren auf. Wie beabsichtigt kommen die Membranen bzw. die Lautsprecher direkt vor dem Ohr bzw. dem Hörgang auf den Rand der Ohrmuschel. Die Wahrnehmung der Umweltgeräusche wird damit nur minimal beeinträchtigt. Eigentlich fühlt es sich nur etwas ungewohnt an. Das Gewicht ist so gering, dass er sich leichct über längere zeit tragen läßt. Für den Transport kann man die Lautsprecher nach innen an den Bügel klappen, wodurch das ganze sehr flach wird.

Leider ist das Anschlusskabel relativ kurz, aber es wird eine Verlängerung mitgeliefert.

Der Verstärker selbst ist rechteckig und hat einen Klipp, um ihn z.B. am Hemd zu befestigen. Er benötigt zwei Mikrozellen. Das Einlegen von Batterien ist etwas tückisch, denn es gibt nur eine dieser Federn, die normalerweise anzeigen, wo die Minuspole hingehören. Man darf sich nicht verwirren lassen: Die Batterien müssen wie fast immer in abwechselnder Richtung eingelegt werden – und die Feder ist denn auch für einen Minuspool der einen Batterie zuständig. Leider reicht das Einlegen alleine nicht aus: Es kommt nichts durch den Verstärker. Auf der glatten Oberfläche lassen sich einige Punkte leicht Eindrücken – jawohl kleine Tasten. Es sind genau zwei, die die Lautstärke regeln. Der Lauter-Knopf dient gleichzeitig als Ein- und Ausschalter, wenn man ihn gedrückt hält. Das ist praktisch, denn der Verstärker schaltet sich nach etwa 30 Sekunden automatisch aus, wenn kein akustisches signal kommt. Das ist sicher etwas ungewohnt, schützt aber vor unnötiger Energieverschwendung.

Zusammen mit dem Verstörker kommt der Kopfhörer fast auf eine normale Lautstärke. Das klingt nicht sonderlich berauschend, aber man darf nicht vergessen, dass hier ein anderer übertragungsweg verwendet wird. Apropos: Das Verwenden der Knochenleitung verändert die gehörten Frequenzen deutlich. Musik, von der man weiß wie sie klingt, hört sich etwas Mitteltonlastiger und etwas flau an. Der Kopfhörer gibt einen Frequenzgang von 50 – 12.000 Herz an – was zumindest bei den Bässen schon mal einiges wegfallen läßt. Due Bässe spürt man dafür als Vibrationen direkt am Wangenknochen. Sobald der Verstörker nicht mehr ausreichend Saft über die Batterien bekommt, wird die Klanqualität deutlich schlechter, sodass ich erst von der Musikqualität etwas enttäuscht war. Mit frischen Batterien klang das aber dann schon wesentlich besser.
Immerhin schlägt der Kopfhörer mit 160 Euro zu Buche, was gegenüber einem normalen Gerät für den gehörgang schon recht teuer ist.

Navigation im Alltag

Nun, ich habe den Kopfhörer für mein Ultraschallgerät und in der Bahn für meinen PTP 1 gekauft und da ist das mit den Frequenzen noch zu verschmerzen. Immerhin lag die Fledermaus monatelang brach zu hause. Durch die kaum veränderte Wahrnehmung der Umwelt, kann ich mich problemlos orientieren und höre dennoch genug Details des K-Sonar. Sofort wird mir wieder der Informationsreichtum bewusst, den das Gerät liefert – unterschiedliche Materialien werden unterschiedlich ausgegeben. Auf bekannten Strecken ergeben sich so nebenbei akustische markante Punkte, die eine entspannte Orientierung sehr unterstützen. Außerdem kommt hier der Effekt zum Tragen, dass der K-Sonar am Stock befestigt wird und das Gehirn nach einiger Zeit Stockwinkel und akustische Information verknüpfen kann. Man weiß irgendwann, wo sich ein Gegenstand befindet und kann einfach dran vorbeigehen. Zusammen mit dem nun offenen Ohr und der Leistung der Fledermaus ergibt sich eine sichere Navigation mit dem vollen Informationsumfang aus Ohr und Ultraschall. Die Sicherheit wird nicht mehr beeinträchtigt, weil man nichts überhören kann – zumindest nicht mehr als ohne Kopfhörer.

Mein Ziel, eine sichere Möglichkeit zum Betrieb des K-Sonars ist damit erreicht und der veränderte Frequenzgang beeinflusst die Ausgabe des Geräts nur in geringem Maße.

Der Daisyspieler hört sich über den Kopfhörer akzeptabel an – man kann einem vorgelesenen Text oder einem Podcast lauschen. Allerdings reicht die Lautstärke schon bei einer etwas lauteren Straßenbahn nicht mehr aus. Außerdem beginnt der Kopfhörer bei voller Lautstärke leicht zu übersteuern. Die Unterschiede in den Frequenzen sind auch hier deutlich zu spüren. Ob ein leistungsfähigerer Verstärker Abhilfe leisten kann und evtl. auch den Frequenzgang so verändern kann, dass man im Endeffekt wieder ähnlich hört wie mit einem klassischen Hörer, kann ich nicht beurteilen.

Fazit

Der Audiobone Kopfhörer ist ohne Verstärker eigentlich nicht zu gebrauchen. Weder meine Stereoanlage, noch mein PC haben einen ausreichenden Ausgangspegel. Nachdem mittlerweile fast alle MP3-Spieler etc. akustisch auf ein vernünftiges maß gedrosselt sind, dürfte das Problem mit fast jedem Abspielgerät auftreten.

Der Kopfhörer eignet sich gut, um Navigationsgeräte oder andere Hilfsmittel im Straßenverkehr zu betreiben, weil die Umweltgeräusche kaum behindert werden. Für Sprachausgaben und andere Signale ist die gehörte Qualität der Audiosignale ausreichend. Für den Musik oder Hörbuchgenuss sollte man allerdings eher einen klassischen Kopfhörer verwenden.

Es muss jeder fürsich entscheiden, ob er 160 Euro oder etwas mehr in diese Vorteile investieren möchte. Für mich hat sich das gelohnt, weil das K-Sonar mir viel Sicherheit gibt und mich vor Verletzungen schützt. Bleibt zu hoffen, dass man die verschluckten Frequenzen über den Knochen irgendwie ausgleichen kann, denn dan wäre auch ein Musikgenuss ohne Schädigung des Trommelfells möglich.

Bookworm – eine Möglichkeit Epub-Bücher online zu lesen ist nicht mehr verfügbar.

Über einen Zuhörer meines Podcast-Artikels über
Bookworm auf
www.blindcooltech.com habe ich erfahren, dass die Seite seit ende März 2012 abgeschaltet ist bzw. das Projekt geschlossen wurde. Damit ist mir nur noch ein Plugin für Firefox namens Epub-Reader bekannt, mit dem man _Epub-Dateien mit einem Screenreader lesen kann.
Angeblich war Bookworm mal opensource, aber ich selbst konnte den Code nicht herunterladen.