Kategorie-Archiv: Softwaretests

Anwendung zum elektronischen Personalausweis hat kein BITV-Zertifikat

= Worum geht’s =
In Deutschland wurde im November letzten Jahres der neue elektronische Personalausweis eingeführt. Für den Ausweis wurde eine Anwendung entwickelt, um das Dokument über das Internet nutzen zu können. Es handelt sich dabei um die sog. Ausweis-App. Nach geltendem Recht müssen Anwendungen, die von staattlichen Stellen bereitgestellt werden die Barrierefreie IT-Verordnung BITV einhalten. Dabei soll sichergestellt werden, dass die Anwendung auch für behinderte Menschen zugänglich ist. Hierfür muss die Anwendung gegenüber der BITV als konform zertifiziert werden. Genau ein solches Zertifikat liegt allerdings derzeit nicht vor.
= Details =
Der Hersteller der Ausweis-App OpenLimit [[http://www.openlimit.com]] hat mir in einer E-Mail mitgeteilt, dass es derzeit kein Zertifikat auf BITV-Konformität der Ausweis-App gibt. Es ist erst eines für die nächste Entwicklungsstufe geplant. Letztendlich kann deshalb keine Aussage über die Zugänglichkeit der Anwendung getroffen werden. Aus der Selbsthilfe wurden bislang eher Probleme als Erfolge gemeldet. Die Einsatzgebiete der Ausweis-App sind derzeit sehr eingeschränkt, was aber nichts an der Rechtslage ändert.
Ich habe die Entwicklung der Ausweis-App über nun mehr als ein Jahr begleitet und zu jedem Zeitpunkt auf Einhaltung der BITV gedrungen. Trotzdem wurde offenbar noch keine Zertifizierung angefordert.

Freies Blindenspiel mit richtig Action

= Blind Computer spielen – wie geht das? =
Sie fragen sich, wie man denn blind Computerspiele nutzen kann. Soll man etwa einfach draufholzen und hoffen, dass man einen Gegner trifft? Nein, so schlimm ist es nicht. Die meisten geeigneten Spiele sind speziell für blinde Menschen programmiert. Allerdings ist es durchaus Möglich, ein Spiel für alle nutzbar zu machen. Im folgenden erkläre ich kurz worauf es ankommt und stelle anschließend aus meiner Sicht gute Spiele vor.
= Was braucht ein blinder Anwender zum Spielen? =
Ohne sicht auf den Schirm muss die gesamte Orientierung über Geräusche erfolgen. Viele Spiele setzen zwar bereits Sourroundsound für Objekte und Gegner ein, allerdings eher als Dekoration denn als Hauptorientierungsmittel. Folgende Punkte sollten bei der Ausgestaltung berücksichtigt werden:
* Alle relevanten Objekte – auch Wände etc. müssen sich irgendwie eindeutig hörbar machen. Das kann auch durch Manipulation anderer Geräusche geschehen – z.B. wenn das Laufgeräusch gedämpft wird etc.
* Unterschiedliche Objekte brauchen unterschiedliche Geräusche. Es müssen nicht alle Instanzen unterschiedliche Geräusche haben, aber die einzelnen Klassen – also Wände, Türen, Schlüssel etc.
* Die Objekte im Fokus z.B. ein Gegner sollte auch akustisch im Fokus stehen – es macht keinen Sinn das die Tür hinter dem Monster laut ruft, man aber zuerst das Monster lokalisieren und töten muss.
* Geräusche, die hinter dem Spieler von Objekten erzeugt werden, müssen ggf. anders dargestellt werden z.B. mit einem unterlegten Trommeln. Es hat sich ein Stereokopfhörer als beste Möglichkeit zur Wahrnehmung erwiesen. Also lieber Stereosound mit Anpassungen für Vorn und hinten als reiner Sourroundsound.

Viele Spiele werden gerade durch die Action in Echtzeit erst interessant. Für blinde Spieler gilt das genauso. Mit kleinen Einschränkungen ist echtzeitaction kein Problem:
* Müssen Objekte oder Ziele aus einer größeren Liste ausgewählt werden, was optisch schnell erledigt ist, hat es sich als hilfreich erwiesen die Uhr im Spiel während der Auswahl oder des Studiums feindlicher Objekte anzuhalten. Es wird also der Zeitverlust beim Erfassen der komplexen Situation ausgeglichen. Bei einem Multiplayerspiel ist dies freilich keine Option. Im Zweifelsfall: Bildschirm aus und selbst ausprobieren.
In einigen Situationen werden blinden Spielern zusätzliche Hilfsmittel angeboten z.B. bei der angepassten Quakevariante. Allerdings geht es auch hier darum den Nachteil auszugleichen und nicht darum Vorteile herauszuholen.
= Gute Beispiele =
Die mir bekannten Beispiele stammen leider ausschließlich aus der englischsprachigen Scene. Allerdings sollte das Anwender ohne komplexe Englischkenntnisse nicht abschrecken. Oft werden nur wenige Begriffe gebraucht und Anleitungen kann man übersetzen lassen.
== Eine große Auswahl an freien Spielen ==
Jim Kitchen, selbst ein blinder Programmierer, verbringt offenbar einen sehr großen Teil seiner Zeit damit Spiele zu programmieren. Die Tatsache, dass er sich sehr viel Mühe z.B. bei den Sounds etc. gibt, spricht für seinen Spaß. Damit nicht genug sind alle seine Spiele freeware und auf eine einfache Art zu installieren. Er bietet denn auch ein eigenes Startmenü für alle seine Spiele an, sodass man leicht von Spiel zu Spiel wechseln kann. Seine Webseite ist unter [[http://www.kitchensinc.net]] zu finden. Als einer der wenigen Anbieter hat er auch Erwachsenenspiele mit erotischen Anstrichen im Programm.
== Kommerziell zu vernünftigen Preisen ==
David Greenwood ist mit seiner Firma gmagames [[http://www.gmagames.com]] schon lange dabei. Seine Spiele sind zu Preisen ähnlich normaler Computerspiele zu haben. Sie zeichnen sich durch komplexe und anspruchsvolle Action und Handlung aus – man braucht einiges an Zeit um sein Geld zu verspielen. Von dort stammt auch eine Freeware, die als Pendant zum bekannten und beliebten Minesweeper fungiert.
== Weitere Links ==
Es gibt och diverse Links mit Computerspielen und die Scene ist stets im Wandel. Ein guter Überblick ist unter [[http://www.pcsgames.net/game-co.htm]] zu finden.
= Jump-And-Run mit Action =
Nun aber zum Spiel, dass mich bewog, einen Artikel in meinen Blog zu schreiben: Jim Kitchen hat jüngst Authm erstellt. Dabei befindet man sich in einem klassischem Jump-And-Run und bereits das erste Level hat’s ordentlich in sich. Es ist faszinierend mit welchen einfachen Mitteln ein forderndes Spiel geschaffen werden kann.

Softwaretest: Easyedit

Unter EasyEdit
kann die hier getestete Software heruntergeladen werden. Es handelt sich um kommerzielle Software, weshalb ich auch entspr. Anforderungen an die Software stelle.

Die Installation

Die Installation fällt durch zwei Punkte negativ auf:

  • Das Programm schlägt als Installationsort ernsthaft c:\easyedit und nicht wie eigentlich mittlerweile ´standard c:\programme\easyedit vor. Es ist faszinierend, dass sich Anwendungsentwickler immer noch nicht an diese Gepflogenheiten halten wollen.
  • Die Anwendung wird ungefragt auch mit einem Desktop-Icon installiert.

Beide Punkte würden bei meinem Arbeitgeber sofort zu einem Bugeintrag führen.

Erster Eindruck

Die erste Überraschung erlebe ich, als ich nach dem Erkunden der Menüzeile nicht nur einmal, sondern gleich zweimal die Escapetaste drücke. Schwups, ist die Anwendung weg. Nanu! Da hat ja jemand “Escape” zu wörtlich genommen. Wenigstens eine Abfrage, ob das Programm wirklich beendet werden soll wäre doch wohl möglich gewesen!
Am oberen und Unteren Rand des Textes gibt das Programm den von Windows wohlbekannten “Ding”-Sound aus. ganz nett – auf dauer evtl. etwas anstrengend?

Es gibt keine Statusanzeige, die z.B. die aktuelle Zeilennummer verraten würde. Wie man die wohl herausbekommt? Beim Erkunden des Fensters mit dem JAWS-Cursor fällt auf, dass bei jedem Pfeilrunter-Druck – ich stehe mit dem Cursor ganz unten im Text, das Ding ertönt. Da wurde also die Taste abgefangen und nicht die Textcursorbewegung. Arghhh!
Bevor ich mich für Zeilennummer etc. interessiere, will ich lieber meinen Testtext speichern. Huch! Was ist das! Eine Anwendung, die keinen klassischen Speichern-Unter-Dialog verwendet? Stattdessen nur die Felder Dateiname, OK und Cancel *grmph* Aber EasyEdit ist ja auch ein englischer Titel – da darf auch schon mal ein einzelner Knopf in englisch beschriftet sein!
Während ich diesen Artikel schreibe, ist EasyEdit offen und nervt ständig mit der Demomeldung, auch wenn die Anwendung nicht den Fokus hat.
Es gibt offenbar keine Möglichkeit, die aktuelle Position – also Zeile und Spalte beim Schreiben zu verfolgen. Das dürfte den Editor für sehende Menschen unbrauchbar machen. Die Funktionen, die das Programm ansonsten aufweist sind sagen wir mal anders und speziell. Das ist für eine selbstentwickelte Anwendung OK, und wenn jemand damit arbeiten kann ist das OK.

Fazit

EasyEdit überzeugt durch seine Entwicklung an den üblichen Standards vorbei. Sowohl das Escape-Verhalten und das Fehlen des üblichen Speichern-Unter-Dialogs sei hier erwähnt. Es fehlen Toolbar und Statuszeile – letztere gab’s sogar schon unter DOS.

Falls jemand die beworbenen Funktionen benötigt, und sie nicht mit anderen Mitteln in anderen Editoren ausgleichen kann, ist er vielleicht gut mit dem Editor bedient. Ich persönlich würde die Software nicht einmal dann verwenden, wenn sie Freeware wäre. Zu eigenwillig die Dialoge und zu eingeschränkt die Funktionen auf andere Weise. Im Vergleich habe ich da z.B. den freien Editor PsPad, Notepad++ oder um es mal auf die Spitze zu treiben VI Improved aka. VIM im Kopf.
Das Programm ist übrigens keine Textverarbeitung – solche Anwendungen kümmern sich nämlich auch um Formatierung, Rechtschreibung, Inhaltsverzeichnisse etc.