Kategorie-Archiv: Softwaretests

Die langen Schatten der Zukunft werfen ein helles Licht

enstern Dialogen und Menüs auch nach zwei Jahren immer noch nicht ernsthafte Schwachstellen in Puncto Barrierefreiheit offenbart, dann ist das schon bemerkenswert. Wenn der Screenreader eigentlich kaum mehr zu tun hat, als dem Systemfokus zu verfolgen und keine Tricks mit Skripten, virtuellen Ansichten der Anwendung oder dem Training von Werkzeugleisten notwendig sind, dann ist das wohl mustergültig.

Es ist ein Déjà-vu für mich, dass eine Entwicklungsumgebung barrierefreier ist, als fast alle anderen Anwendungen. Damals war es Visualstudio 4.2. Recht gut mit Protalk benutzbar, während nicht einmal die Eingabeaufforderung mit dem Screenreader ausgelesen werden konnte.

Die Schatten aus der Zukunft heißen Eclipse – denn eclipse heißt eigentlich Verfinsterung. Es wäre natürlich viel passender unter einem solchen Namen eine Anwendung ordentlich zu zerpflücken und sich über die Unzulänglichkeiten auszulassen. Aber in diesem Fall habe ich weder Chance noch Grund.

ich habe schon mal über die Nutzung von Eclipse mit Screenreadern geschrieben, aber diesesmal geht es mir eher um das, was die Zugänglichkeit ausmacht und was gut auf andere Anwendungen übertragbar ist.

Von der Oberfläche aus betrachtet geht es bei Eclipse darum viele verschiedene Aspekte einer Arbeitsumgebung so darzustellen, wie es ein Anwender gerade benötigt. Wenn man, warum auch immer, gleichzeitig Fehler beheben und etwas grafisch modellieren möchte, während man gleichzeitig Einstellungen in der Steuerdatei bearbeitet, die dafür sorgt, das ein ganzes Team einheitlich arbeiten kann, dann zeigt das die Flexibilität von Eclipse auf. Nun könnte man annehmen, dass so verschiedene Aufgaben mindestens in unterschiedlich aussehenden Dialogen mit eigenen Hotkeys etc. stattfinden, aber dem ist interessanterweise eher nicht so. Die Menge an benötigten Tastenkombinationen hängt eher davon ab, ob man sich die Mühe macht die Umgebung auf die aktuell benötigten Ansichten zu reduzieren. Anders gesagt, der effizienten Benutzung ob nun mit oder ohne Screenreader steht nur die eigene Arbeitsweise im Weg.

Es gibt unzählige Beispiele für Anwendungen mit ähnlich hoher Komplexität:

  • Digital Audio Workstations (DAW)
  • Fachanwendunen wie sie in Servicecentern zum Einsatz kommen um die verschiedenen Anwendungsfälle und Aspekte zu bearbeiten, die durch Anrufer etc. ausgelöst werden.
  • CMS, CRM und andere Werkzeuge um Kontakte und deren Metadaten zu verwalten

Wendet man die guten Lösungen aus der Finsternis auf solche Anwendungen an, erhält man sowohl eine gute Ergonomie für alle Anwender und eine barrierefreie Anwendung. Welche Art von Prozessen, Organisation etc. die Anwendung konkret umsetzt, ist dabei eigentlich nebensächlich. Worin besteht also der Trick bei Eclipse?

  • Alle Elemente der Oberfläche sind per Tastatur erreichbar. Das gilt auch für Elemente die keine Interaktion erlauben, als auch für Werkzeugleisten. Man kann Teile per Hotkey aktivieren, aber sie sind ebenso über das Menü oder andere Wege erreichbar – sich Tastenfolgen zu merken ist zwar schneller, aber kein Ausschluss Kriterium.
  • Die Ansichten folgen immer einem ähnlichen Schema

    • Werkzeugleisten Menüs Navigationselement
    • Details
  • Eine Ansicht oder Gruppe von Ansichten kann schnell geschlossen und wieder geöffnet werden.
  • Werkzeugleisten sind vollständig mit den Pfeiltasten navigierbar und auch deaktivierte Elemente werden dabei angesprungen.
  • Zusatzinformationen, die am Rand notiert werden und nicht per Cursor erreicht werden können, sind über eine eigene Navigation erreichbar und die Details können in einem Dialog angezeigt werden. Ein Benutzer eines Screenreaders kann dadurch entscheiden, ob er sich für die ‘Details einer Infoblase interessiert oder nicht.
  • Deutlich mehr Tastenkombinationen als in vielen anderen Anwendungen.
  • Dialoge mit einer Textbox, über die man die Menge der angezeigten Einträge reduzieren kann. Wenn Sie z.B. nicht wissen, wo sich irgendeine Maven-Einstellung verbirgt, dann beginnen Sie gar nicht erst lange mit der Suche, sondern geben maven in die fikterbox ein. Schon wird aus dem 10-Seiten-Dialog ein übersichtlicher Dialog mit wenigen Einträgen.

Darüber hinaus werden Fachanwendungen etc. immer spezielle dialoge oder Interaktionen mit dem anwender haben, bei denen Barrieren vorprogrammiert sind. Kurven können nicht mit der Maus gemalt werden und Objekte auf einer Oberfläche Platzieren sind nahezu unmöglich. Aber s wäre gut, wenn sich die Hindernisse auf solche Dinge beschränken ließen, denn dann könnte das Wissen um mögliche Lösungen effizienter Barrieren beseitigen, als die gleichen Probleme wieder und wieder lösen bzhw. Wiederholen zu müssen.

Die Beseitigung einer Barriere (sei sie so banal wie eine fehlende Beschriftung oder ein Hotkey) ist mittlerweile ein komplexer Prozess. Anwendungen bestehen aus vielen Teilen verschiedener Autoren und es gilt zu identifizieren, welcher Teil der Anwendung für die Barriere verantwortlich ist. Wenn beispielsweise das Sbuclipse-Plugin in Eclipse nicht zugänglich ist, hat das nichts mit Eclipse selbst zu tun und man müsste die Autoren des Plugins ansprechen. Egal wie schnell hier eine Lösung wäre: Man müsste stets eine Aktualisierung abwarten.

Fazit: Die Entwickler sollten sich an ihrem Lieblingswerkzeug orientieren und ihren Anwendungen genau das beibringen, was ihr eigenes Entwicklungswerkzeug für sie tut. Dummerweise stehen hier oft die Meinung der Anwender und Anforderer im Weg. Für diese ist eine Ausstattung mit Tastenkombinationen und Menüs schnell ein nettes Feature das gerne dem Rotstift weicht. Eine vollständige Zugänglichkeit per Tastatur und die konsequente Verwendung von Standarddialogen bzw. einem einheitlichen Look-And-Fel einer anwendung sollte Bestandteil in einer Norm für gurte und professionelle Software sein.

IPhone 5 antwortet nicht

Das IPhone hat sich mittlerweile fest als sehr gut zugängliches Smartphone für blinde Menschen behauptet. Allerdings gibt es ein paar Dinge, die wirklich seltsam anmuten.

So gut die sprachausgabe und Unterstützung durch Voiceover auch sein mögen, so irritierend ist es, dass man nur schwer in der Lage ist, ein Telefongespräch zu beenden. Man sollte meinen, dass dies eine Kernfunktion eines Mobiltelefons ist. Wahrscheinlich gibt es hierfür eine einfache Lösung, aber ich habe sie beim besten Willen noch nicht gefunden. das Doppeltippen mit zwei fingern sorgt jedenfalls nicht dafür, dass das Gespräch zuverlössig beendet wird. Also sollten besser Sie auflegen, wenn sie mit einem IPhone-Neuling mit voiceover gesprochen haben!

Eine zweite skurile Verknüpfung besteht darin, dass das Einschalten eines Weckers über Siri automatisch das Telefon auf “nicht stören” schaltet. Wehe jemand versucht sie danach anzurufen. Erkenntnis daraus: Es ist immer eine blöde Idee, wenn die Software schlauer sein will, als der Anwender. Besser man verwendet einen Schnöden Wecker jenseits des Apfeltelefons.

Zuletzt sei noch der Schalter über der Lautstärkeregelung erwähnt, der in einer Stellung das telefon nicht klingeln läßt – egal was Sie in den Menüs eingestellt haben. Das Telefon vibriert, wenn diese funktion eingeschaltet – das Handy also lautlos wird.

Wer übrigens versucht, seinen Account im appstore selbst einzurichten wird vermutlich über die Telefonnummer im Bereich der Rechnungsdaten stolpern. Hier werden zwei nicht richtig zugängliche Steuerelemente verwendet nämlich für Vorwahl und Telefonnummer. Damit klappt dann die Einrichtung des Appstores nicht und das ist ein echter Showstopper.

Microsoft Office Online offenbar gut mit Screenreadern zugänglich

Microsoft hat ja schon länger eine Office-version, die über das Web funktioniert. Also eine sog. Cloud-Anwendung. Frühere Versuche einen solchen dienst mit NVDA & Co. zu nutzen waren immer recht kläglich gescheitert – zumindest als ich das mal probiert habe. Auch www.projectplace.de war überhaupt nicht zugänglich – letztlich ist das auch eine Webanwendung zur Bearbeitung von projektdokumenten.

Auf http://www.blind-geek-zone.net/ wurde nun in einem audiobeitrag Microsofts Onedrive www.onedrive.live.com vorgestellt. Die Bedienung erfolgt eigentlich wie bei einer normalen Webseite bzw. Webanwendung – man wählt menüs, Schalter etc. Im Fall von Onedrive macht der autor sich die Umschaltmöglichkeit von NVDA zwischen Brows mode (dort kann man mit h zu einer Überschrift springen etc.) und dem focus mode (dann werden alle Tasten an die Anwendung durchgereicht) zunutze. Durch das Umschalten, kann man dabei Auswahlen etc. bewusst an Onedrive weitergeben.

Bislang habe ich nur einen kurzen Test gemacht. Die Ergebnisse finde ich erstaunlich:

  • Das Eingeben von Text in Word Online ist wie in einem normalen Mehrzeiligen Textfeld. Allerdings reagiert Word im Web etwas träger und es wird Absatz bearbeitbar vorgelesen, wenn man mit den Pfeiltasten rauf und runter geht.
  • Das nachträgliche Kursivsetzen eines Textbereichs war intuitiv möglich – Text markieren, Focus mode verlassen und den Schalter für kursiv suchen. Das Ergebnis kann anschließend mit NVDA überprüft werden, in dem man die Schriftinformationen auf dem Text abruft (NVDA+f).
  • Eine Rechtschreibprüfung konnte ich durchführen. Allerdings habe ich nicht klar überblicken können, welches Wort genau gemeint war und welche Vorschläge gemacht wurden. Aber das mag an meiner mangelnden Erfharung mit Word Online zusammenhängen – es war eben der allererste Versuch.
  • In Excel werden die Texte zusammen mit den Zellen ähnlich vorgelesen, wie im klassischen Excel – allerdings auch hier verzögert. Ein detaillierter Test steht allerdings noch aus.

Auch wenn ich nur an der oberfläche gekrazt habe, kann man wohl sagen, dass Onedrive eine wirklich nutzbare Onlineversion von Office für Screenreadernutzer ist. ich habe NVDA verwendet, aber andere Screenreader, die die entspr. Zugänglichkeitsstandards einhalten – eine Umschaltung zwischen Browsen und Fokus bieten sie hoffentlich an.

Es ist schön, das Microsoft hier ohne langes Ringen mit Selbsthilfeverbänden etc. eine zugängliche Version für Screenreader erstellt hat. Das ist weit mehr, als man oft anderen Anbietern bei Anwendungen abringen kann. Auch wenn nicht alles leicht bedienbar und reibungslos ist, so ist die technische Machbarkeit doch gezeigt. Rausreden kann sich also nun keiner mehr.

Umschlag und Siegel für Ihre E-Mails auch mit Screenreader

Am 15.08.2014 wurde eine Betaversion von gpg4win veröffentlicht, die mit einem Screenreader genutzt werden kann um E-Mails mit Outlook verschlüsselt zu senden und empfangen. Gehakt hatte es eigentlich nur bei der Auswahl der Schlüssel für Empfänger und des Schlüssels zum Unterschreiben. Hierfür wird nämlich die Zertifikatsverwaltung Kleopatra geöffnet, die bislang nicht für uns zugänglich war.

Die neue Version ist zwar für uns nutzbar, hat allerdings noch ein paar Stolperfallen, die es zu umgehen gilt. Keine Sorge, Sie müssen dazu kein Computerfachmann sein, sondern nur auf ein paar Dinge achten, die ich hier erläutern möchte.

Bevor ich jedoch die Verwendung von gpg4win bzw. GNU Privacy Guard GPG Schritt für Schritt erläutere, versuche ich darzulegen, warum Sie überhaupt sich um die Verschlüsselung Ihrer Korrespondenz kümmern sollten. Um es vorweg zu nehmen: Abgesehen von der Einrichtung und dem Herunterladen eines Schlüssels von jedem Ihrer Korrespondenzpartner müssen Sie nur ein Passwort eingeben und wenige Tasten drücken.

Warum E-Mails verschlüsseln – läuft doch alles ganz gut

In meinem letzten Beitrag hatte ich bereits kurz über die Abhörwut der Staaten und das ausnutzen eigentlich harmloser Inhalte geschrieben. Die Einrichtung von GPG stellt für zukünftige E-Mails nur die Option bereit, sie vor den neugierigen Blicken Dritter zu schützen. eine klassische E-Mail ist so, als würden sie eine Postkarte verschicken. Würden Sie alles, was Sie in Ihren E-Mails schreiben, auf eine Postkarte schreiben und sie ohne Umschlag verschicken? Außerdem sind E-Mails nicht unterschrieben – würden Sie manchmal gerne wissen, ob die E-Mail tatsächlich von einem bestimmten Absender stammt oder eine E-Mail unterschreiben? Es ist ein Kinderspiel eine E-Mail mit dem Absender bundeskanzler@bundestag.de an einen beliebigen Empfänger zu schicken. Die Dinge die sie anderen schreiben können harmlos sein und trotzdem missbraucht werden. Schon zu Zeiten des Amateurfunks sollte man darauf verzichten darüber zu sprechen, wann man sich im Urlaub befindet, um keine ungebetenen Besucher daheim zu haben.
Etwas ähnliches gilt eigentlich auch für unverschlüsselte E-Mails.

Wer könnte mitlesen

Neben der Geheimdienste, die offenbar alles abhören und dafür oft in den Nachrichten stehen, gibt es noch eine Reihe anderer Interessenten für Ihre Post. Da gibt es E-Mail-anbieter wie Googlemail, der sich in den AGBs das Recht herausnimmt, die E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und die Absender oder Empfänger gezielt mit Werbung zu versorgen. Ist es für Sie in Ordnung, wenn jemand alle Briefe öffnen und scannen würde um anschließend gezielt Werbung zu verbreiten? Weiterhin könnte an jeder Stelle, an der die Post zwischen Rechnern ausgetauscht wird leicht mitgehört werden. Es gibt zwar SSL und TLS-Verschlüsselung, aber die scheinen nach den jüngsten Enthüllungen alles andere als sicher. Außerdem darf man nicht vergessen, dass es problemlos möglich ist, E-Mails in großen Massen zu kopieren und damit zu speichern, sie zu manipulieren und einen beliebigen Absender zu verwenden. Das klingt für Sie zu sehr nach Verschwörung und Agentenfilm? Nun, es ist einzig Ihre Sache zu entscheiden, ob Sie Ihre Inhalte für schützenswert halten oder nicht. Wie gesagt: Umschlag und Unterschrift für Ihre elektronische Post liegen zum Greifen nahe – Sie müssen es nur wollen. Gerade weil die elektronische Post für uns viele Vorteile mit sich bringt, tauschen wir in der Blindenselbsthilfe Protokolle und andere Informationen aus, die nicht für Außenstehnde gedacht sind.

Einstieg in GPG

Der Gnu Privacy Guard ist eine freie und quelloffene Software, mit der man Daten gezielt für einen Empfänger verschlüsseln kann, ohne mit diesem ein Passwort auszuhandeln.

Zunächst benötigen Sie die aktuelle Version von gpg4win. Meine Ausführungen beziehen sich hier auf Windows und Outlook, weil dies die am meisten verwendete Kombination ist.
GPG4Win wird vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfohlen und die Entwicklung wird offenbart teilweise auch von dort unterstützt.

Installation

Sie können die zugängliche Version hier herunterladen:
http://files.gpg4win.org/Beta/gpg4win-2.2.2-beta37.exe

Die Installation benötigt Administrationsrechte, was bei vielen Anwendungen üblich ist. Sie können die Einstellungen beibehalten und sich durch die Schritte der Installation hangeln. Hier gibt es eine erste kleine Überraschung: Bei der Auswahl der zu installierenden Komponenten, erscheint GnuPG nicht ausgewählt, aber Sie können das nicht ändern. GnuPG ist der Kern der Anwendung und kann daher nicht an oder abgewählt werden. Gpgol ist die Erweiterung für Outlook 2007, 2010 und 2013. Ob Outlook 2003 noch unterstützt wird, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Thunderbird unterstützt meines Wissens unterstützt auch das E-Mail-Programm Thunderbird GPG. GPG4Win liefert auch eine Unterstützung für Eudora mit. Allerdings habe ich selbst diese E-Mail-Programme nicht getestet. Gpgex ist die Erweiterung um Dateien über den Explorer zu Ver- und Entschlüsseln und sollte angehakt werden bzw. sein. Gpa ist ein alternativer Zertifikatsmanager zu Kleopatra und meines Wissens nach nicht mit Screenreadern bedienbar. Kleopatra sollte auf jeden Fall angehakt bleiben, weil gpgol die Anwendung aufrufen wird und es genau die Anwendung ist, die nun für uns zugänglich geworden ist. Am Ende der Installation ist GPG4Win eingerichtet und Sie sind dem Ziel einen großen Schritt näher gekommen.

Erstellen Ihres Schlüsselpaares

Ich will versuchen, so weit wie möglich auf technisches Fachchinesisch zu verzichten. Trotzdem ist es notwendig die Funktionsweise zu erläutern, damit Sie Ihre E-Mails schützen können.

GPG arbeitet mit dem Verfahren von öffentlichen und privaten Schlüsseln. Dabei gehört jeweils ein öffentlicher Schlüssel zu einem privaten oder geheimen Schlüssel – ähnlich wie zwei Schlüssel, die zum Öffnen eines Bankschließfachs benötigt werden. Der öffentliche Schlüssel kann nur zum Verschlüsseln von Daten benutzt werden, aber er kann keine Daten entschlüsseln. Das Entschlüsseln kann NUR mit dem privaten Schlüssel vorgenommen werden. Das bedeutet, dass jeder, der Ihnen eine E-Mail schicken möchte, die verschlüsselt sein soll, Ihren öffentlichen Schlüssel braucht. Sie benötigen umgekehrt die öffentlichen Schlüssel aller Leute, denen Sie wiederum Nachrichten verschlüsselt schicken möchten.

Oh ja! das klingt alles furchtbar kompliziert. Keine Sorge, in der Praxis haben sie relativ wenig damit zu tun.

Damit Sie beginnen können, sollten sie sich ein sog. Schlüsselpaar erstellen. Hierfür gibt es zwei Wege, die zum gleichen Ergebnis führen:

  • Erstellen der Schlüssel über die Anwendung Kleopatra (hierbei werden Sie ähnlich wie bei der Installation einer Anwendung durch die Schritte geführt)
  • Verwenden der Kommandozeile von gpg (Hier fühlen sich DOS-Fans sicher sehr heimisch und man hat mit der Kommandozeile alle Optionen, die GPG bietet)

In jedem Fall sollten Sie ihren tatsächlichen Namen und die E-Mail-Adresse angeben, von der aus Sie E-Mails versenden und empfangen. Sie ersparen sich damit das Korrigieren und zurückziehen von Testschlüsseln.

Erstellen der Schlüssel mit Kleopatra

Wenn Kleopatra nun zugänglich ist, können wir es auch verwenden. Starten Sie die Anwendung Namens Kleopatra, so wie sie auch andere Anwendungen starten. Die Anwendung wurde im Ordner gnupg installiert. Ab Windows 7 können sie im Startmenü “Kleopatra” eingeben um nach ihr zu suchen.

Ist die Anwendung gestartet, dann können Sie über das Menü Datei und “Neues Zertifikat” die Schlüsselerzeugung starten. Ein Zertifikat ist nichts weiter als der Verbund aus privatem und öffentlichem Schlüssel. Sollten Sie nicht auf den Menüpunkt #datei zugreifen können, dann könnte es sein, das Ihr Screenreader nicht mit Kleopatra zusammenarbeitet. Aha! Die Anwendung soll doch zugänglich sein! Das ist sie auch, allerdings muss auch der Screenreader seinen Teil beisteuern. Kleopatra verwendet QT 4.8 und gibt alle Informationen für den Screenreader über IAcccessible2 heraus. Leider haben sich in der Vergangenheit nicht alle Screenreader um die Korrekte Nutzung von IAccessible2 gekümmert. In einigen JAWS-Versionen werden die Steuerelemente nicht oder nur teilweise vorgelesen. Leider kann die Anwendung nicht mehr tun, als sich an das Protokoll für Zugänglichkeit (nämlich IAccessible2) zu halten. NVDA verwendet IAccessible2 und andere ähnliche Protokolle schon von Beginn an und Kleopatra wird von NVDA gut vorgelesen. Falls Sie also eine Version eines Screenreaders haben, die Kleopatra nicht korrekt vorliest, dann würde ich mich über einen Hinweis freuen und andere Leser sicher auch.

Im Ersten Schritt müssen Sie zunächst das Feld “Persönliches OpenPGP-Schlüsselpaar erzeugen” aktivieren. mit Tab kommen Sie dann in Eingabefelder für Namen, E-Mailadresse und Kommentar. Leider sind diese eingabefelder eine Stolperfalle. Sie können nicht wie gewohnt in ihnen editieren und nur beim Hineinspringen mit Tab wird Ihnen der gesamte Text vorgelesen. So so, zugänglich soll das also sein! Ich habe diese Probleme auch beim Test moniert und alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass ein solches programmverhalten eigentlich ein Knockout-Kriterium wäre. Glücklicherweise ist dies fast die einzige Stelle, an der Sie in Kleopatra Text eingeben müssen. Das Eingeben Ihres Namens und der E-Mail-Adresse sollte auch im Blindflug gelingen. Den Kommentar sollten Sie am besten leer lassen, denn später kann man die Eingaben dort nur noch umständlich korrigieren und eine Angabe wie “Testzertifikat” ist auf Dauer lästig.

Warum kann man das Verhalten der Eingabefelder nicht ändern? Der Fehler liegt in QT 4.8. Eingabefelder werden leider erst mit QT 5 korrekt für Screenreader bereitgestellt. Eine Umstellung von Kleopatra auf QT 5 war derzeit nicht ohne weiteres möglich, weil andere verwendete Bibliotheken noch QT 4.8 verwenden. Um es kurz zu machen: So ärgerlich das Programmverhalten auch ist, derzeit gab es keine technische Möglichkeit es zu korrigieren ohne den Rahmen zu sprengen. Die Entwickler sind über das problem informiert und werden Kleopatra auf QT 5 umstellen, sobald dies möglich ist.

Wenn Sie nun auf Weiter klicken, dann bekommen Sie eine Art zusammenfassung und können den den Schalter “Schlüssel erzeugen” aktivieren. Nun öffnet sich ein sog. Pinentry – ein Eingabefeld für ein langes Passwort. Da Ihr neuer Schlüssel nichts anderes als eine spezielle Datei ist, die ein unbefugter von Ihrem PC kopieren könnte, muss der Schlüssel selbst geschützt – quasi verschlossen werden. dies sollte mit einem möglichst langen Passwort geschehen, dass auch Sonderzeichen und zahlen enthält. sie können dieses passwort später ändern. Sobald Sie es vergessen haben, können sie den Schlüssel nicht mehr benutzen. Ein vorschlag aus dem GPG-Handbuch besteht darin, aus einem Satz, den man sich gut merken kann, jeden dritten Buchstaben zu verwenden. Auch unsere Kurzschrift könnte hier hilfreich sein.

Sie müssen das Passwort zweimal hintereinander eingeben – also jedes mal mit OK bzw. Enter bestätigen. Wenn das Fenster mit dem Titel Pinentry nicht von selbst in den Fordergrund kommt, suchen Sie es mit alt+Tab. Die Eingabe der zwei Passwörter muss in ca einer Minute abgeschlossen sein.

Damit haben Sie schon alle Klippen gemeistert. Je nach Geschwindigkeit des Rechners dauert die Schlüsselerzeugung ein wenig. Ihre Schlüssel sind nun einsatzbereit.

Erstellen der Schlüssel über die Kommandozeile

Starten Sie eine eingabeaufforderung und geben Sie folgendes ein:
gpg –gen-key
Darauf werden Sie ähnlich dem Assistenten in Kleopatra nach den gleichen Daten gefragt:

  • Lönge des Schlüssels (Standard von 2048 Bits ist ausreichend)
  • Name und E-Mail-Adresse
  • Einen optionalen Kommentar, der am besten leer bleibt, weil er sonst leicht lästig wird und später nur noch schwer entfernt werden kann.
  • Ein möglichst langes Passwort möglichst mit Zahlen und Sonderzeichen.

Auch hier kommt wieder der Pinentry zum Einsatz und Sie müssen das Passwort zweimal eingeben.
Damit ist die Schlüsselerstellung abgeschlossen und sie werden über die Ergebnisse in der Kommandozeile informiert.

Eine testnachricht

Bevor Sie verschlüsselte Nachrichten schreiben können, müssen sie sicherstellen, dass Outlook als format “Nur Text” verwendet. Unter Outlook 2010 können Sie dies über den menüpunkt Datei und Optionen und dort unter E-Mail einstellen. Nur Text ist immer eine gute Idee, weil dadurch viele Probleme, die mit HTML-Mails auftreten können, gar nicht erst entstehen.

Nun wird es Zeit, die Verschlüsselung an sich selbst zu erproben. Öffnen Sie Outlook und erstellen sie eine Nachricht an sich selbst. So etwas haben Sie vermutlich bereits gemacht, als Sie Ihre E-Mail-Adresse eingerichtet haben. Bevor Sie die Nachricht verschicken, führen sie aber folgende Schritte durch:

  1. Gehen Sie mit Alt in das Menü und wählen den Punkt gpgol aus.
  2. Springen Sie zweimal mit Tab zum Punkt Verschlüsseln
  3. Es öffnet sich nun ein Dialog in Kleopatra in dem sie die Empfängerschlüssel auswählen können. Evtl. müssen Sie den auswahlschalter für OpenPGP Zertifikate aktivieren. Ihr eigener Schlüssel sollte bereits ausgewählt sein und Sie können den Dialog mit OK verlassen. In diesem dialog gibt es auch eine experimentelle Option, die dafür sorgt, das der Dialog nur dann angezeigt wird, wenn der Schlüssel für en Empfänger der E-Mail nicht eindeutig gefunden werden kann. In den meisten Fällen erscheint er daraufhin gar nicht mehr und die Verschlüsselung ist umgehend durchgeführt.

Aus Ihrer E-Mail ist ein Salat aus Buchstaben und Sonderzeichen geworden, der am Anfang mit einer Zeile wie der folgenden beginnt:
—–BEGIN PGP MESSAGE—–
Version: GnuPG v2

Senden Sie nun diese Nachricht ab ohne Änderungen am Text vorzunehmen.

Nach kurzer Zeit erhalten Sie eine neue E-Mail – nein Ihre eigene. Wenn sie sie öffnen, finden Sie die gleichen Kopfzeilen und darunter den Buchstabensalat aus der verschickten Nachricht wieder. Wählen sie nun im Menü Gpgol und dann mit Tab den Punkt entschlüsseln. Es erscheint wieder der Pinentry und hier müssen sie das Passwort von vorhin eingeben. Wenn Sie dies erledigt haben, erscheint Kleopatra mit einem Dialog in dem das Ergebnis der Entschlüsselung angezeigt wird – nicht den entschlüsselten Text, sondern nur ob der Vorgang erfolgreich war. Wenn Sie ihn Schließen, dann finden sie ihren ursprünglichen Text in der E-Mail wieder.

Herzlichen Glückwunsch, sie haben erfolgreich verschlüsselt kommuniziert. Ob Sie nun an sich selbst schreiben oder an jemand anderen, macht keinen wirklichen unterschied, denn solange genau ein Schlüssel auf die Adresse des Empfängers passt, brauchen sie nichts auszuwählen.

OK, werden Sie sagen, und wie erhalte ich die Schlüssel meiner E-Mail-Kontakte? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, die ich in den nächsten Abschnitten kurz erläutere.

Austauschen von öffentlichen schlüsseln

Es gibt zwei Wege, mit denen sie die öffentlichen Schlüssel mit anderen Korrespondenzpartnern austauschen können:

  • Die Schlüssel werden auf einen Schlüsselserver hochgeladen.
  • Die Schlüssel werden per E-Mail verschickt oder per USB-Stick etc. ausgetauscht.

Die erste Option ist sicher die bequemste und einfachste. In Kleopatra werden alle Zertifikate (Ihr eigenes und die Schlüssel Ihrer Partner) angezeigt. Über ein Auswahlfeld legen Sie fest, welche Sie davon sehen wollen. Standardmäßig ist hier “Meine Zertifikate” ausgewählt. Springen sie Mit Tab bis auf die Baumansicht. Dort finden sie das Zertifikat, das Sie vorhin erstellt haben. Wählen sie aus dem Kontextmenü den Punkt “Zertifikate zu einem Server exportieren”. Es erscheint eine Warnung, dass noch kein Schlüsselserver eingestellt ist und das deshalb der Standard verwendet wird. Das ist vollkommen ausreichend. Schlüsselserver sind untereinander synchronisiert und es reicht aus, dass einer Ihr Zertifikat bekommt. Nach ein paar Tagen liegt es auf allen Servern bereit. Ist das nicht gefährlich? Nein, der öffentliche Teil ihres Schlüssels ist unkritisch und zur Weitergabe bestimmt – so wie Sie auch anderen Ihre E-Mail-Adresse nennen.

Wenn Sie jemandem eine E-Mail schreiben möchten, von dem Sie vermuten oder wissen, dass er PGP benutzt, dann können sie seinen Schlüssel auf einem Server suchen. Dazu verwenden Sie den Menüpunkt Datei Zertifikate auf Server suchen. Geben sie möglichst die E-Mail-Adresse an, die Sie verwenden möchten, um alle passenden Schlüssel aufgelistet zu bekommen. Falls mehrere Schlüssel gefunden werden, sollten Sie sich die Schlüsseldetails anzeigen lassen, um den passenden auszuwählen. Es könnte z.B. sein, das Schlüssel aufgelistet werden, die zurückgezogen wurden oder bereits verfallen sind. Haben Sie den richtigen Schlüssel gefunden, dann können Sie ihn über den Schalter “Importieren” herunterladen und an Ihren Schlüsselring hängen. Kleopatra berichtet dabei über den Erfolg der Operation.

Falls Sie Ihren Schlüssel nicht einem Schlüsselserver anvertrauen möchten oder einen Schlüssel als Datei erhalten haben, dann können Sie ihn einfach importieren. Dazu können sie im Dateiexplorer das Kontextmenü auf der Datei öffnen und unter dem menüpunkt “Mehr GPG-Optionen” den Import von Zertifikaten auswählen. Auch hier werden sie über das Ergebnis informiert. Umgekehrt können sie in Kleopatra über das Kontextmenü auf einem Schlüssel diesen in eine Datei exportieren. Dabei wird nur der öffentliche Schlüssel exportiert. Für das Exportieren geheimer Schlüssel gibt es einen gesonderten menüpunkt, der mit Bedacht gewählt werden sollte.

Für die Freunde der Kommandozeile gibt es auch einen Weg um Zertifikate von einem Server zu holen bzw. sie dorthin zu senden:
gpg –search-keys “heiko@hfolkerts.de”
würde z.B. nach den Schlüsseln für meine E-Mail-adresse suchen. Wird die Anwendung fündig, werden die weiteren Optionen angezeigt. Zum Senden eines Schlüssels muss zunächst die sog. Schlüssel-ID ermittelt werden – das ist eine achtstellige Buchstaben und Zahlenfolge, die den Schlüssel identifiziert:
gpg –list-keys
oder gpg –list-keys heiko@hfolkerts.de
zeigt die gespeicherten Schlüssel mit ihrer ID an. Dann kann er gesendet werden
gpg –send-key B5F8D556
würde dabei meinen öffentlichen Schlüssel zu einem Schlüsselserver schicken und ihn ggf. dort einfügen oder aktualisieren.

Was hat es mit dem unterschreiben auf sich

Stellen Sie sich vor, dass in einer Sitzung ein Protokoll erstellt wurde, das nicht bei allen Lesern und Verantwortlichen auf Gegenliebe stößt. Das Protokoll wird bei uns normalerweise als Word-Datei weitergegeben und es wäre leicht, unbequeme oder aus der Sicht einiger falsche Passagen zu streichen, sie zu ersetzen oder Text einzufügen. Wenn ein Leser nicht das Original kennt, kann er den Unterschied nicht erkennen und er kann sich nicht sicher sein, welches vom Vorsitzenden unterschrieben wurde.

Hier kann gpg helfen. Eine digitale Signatur ist eine Art Quersumme über den Inhalt einer Nachricht oder Datei. Wird auch nur ein Zeichen in der Nachricht oder der Datei verändert, dann ist die Signatur ungültig. Der Verantwortliche Protokollführer könnte das Protokoll unterschreiben, in dem er es in einer separaten Datei signiert und beide Dateien verschickt. Verändert unser Querulant nun den Inhalt des Dokuments, dann ist die Signatur gebrochen und ein Leser kann die Manipulation erkennen. Darüber hinaus kann die Signatur auch nicht vom einem anderen als dem Inhaber des geheimen Schlüssels erstellt werden – der Kritiker des protokolls könnte es höchstens mit seinem eigenen Schlüssel unterschreiben, wodurch offenbar würde, wer das Protokoll verändert hat. Auch mehrere Signaturen in getrennten Dateien sind möglich, falls ein ganzer Vorstand unterschreiben soll.

Zum Signieren einer E-Mail kann der entspr. Punkt im Menü gpgpol gewält werden. Sie werden dafür wieder Ihr Passwort eingeben müssen – zumindest beim ersten Mal in der laufenden Sitzung mit outlook. E-Mails die verschlüsselt und signiert werden sollen, sollten zuerst signiert und anschließend verschlüsselt werden.

Das Signieren von Dateien kann über das Kontextmenü im Dateiexplorer erledigt werden. Über die Kommandoziele schreiben Sie
Gpg –sign dateiname

Fazit

Das Versenden und Empfangen von verschlüsselten Nachrichten ist Unter Outlook mit einem Screenreader möglich. Die Verwendung von GPG ist dabei zwar zugänglich, aber keineswegs barrierefrei. Für alle die, denen eine verschlüsselte Kommunikation wichtig ist, sollten die Hürden niedrig genug sein, um es zu versuchen. Falls screenreader Kleopatra nicht korrekt vorlesen, liegt dies an deren mangelnder Nutzung von IAccessible2. Im Ergebnis kommt das zwar auf das gleiche hinaus, aber da NVDA frei verfügbar ist, kann die hier vorgestellte Lösung verwendet werden.

Ich hoffe, dass ich helfen konnte, die angst vor Verschlüsselung und komplizierten Abläufen zu nehmen. Ich füge hier meinen Schlüssel aus dem letzten Beitrag nicht erneut an, aber Sie können gerne unter der oben angegebenen Schlüssel-ID meinen Schlüssel von einem Schlüsselserver laden und mir eine entspr. verschlüsselte Nachricht schicken.

Noch ein Hinweis um die vielen Kürzel: GPG ist der Gnu Privacy guard und eine Implementierung des Open PGP Standards. PGP steht dabei für Pritty good Privacy und ist zugleich der Name eines kommerziellen Produkts mit Verschlüsselungsfunktion.

Lebewohl Kaiser Nero

Über viele jahre war Nero Burning Rom das Werkzeug um unter Windows CDS zu brennen. Ich habe einige zeit damit verbracht einige der im Paket enthaltenen anwendungen zu testen. Das ist schon eine Weile her und eine wirkliche Verbesserung hat sich nicht ergeben.

Nun ist diese Suite von Anwendungen sicher noch für sehr viele Aufgaben gut ausgerüstet, aber für mich persönlich reichen Bordmittel von Windows.

Dateien z.B. MP3s oder was auch immer kann man schlicht auf das Laufwerk kopieren und (das war für mich neu) es ist einfach möglich aus einem Stapel MP3-Dateien eine klassische Musik-CD zu brennen – soll ja noch reine CD-Spieler geben.#

Man kopiert die Dateien auf das Laufwerk und startet den Assistenten zum Schreiben der Daten auf die CD – im Kontextmenü des Laufwerks. Dort wählt man die Option Musik-CD (ich hoffe ich gebe das korrekt wieder, aber es war selbsterklärend). Daraufhin öffnet sich der Media-Player. In der ersten Liste erscheinen dann zum Schreck des Screenreader-Zuhörers ganz andere Dateien. Keine Panik! Springt man weiter, gibt es eine Brennliste und dort sind die richtigen Dateien. Man muss lediglich auf den Schalter Brennen klicken und warten, bis die CD ausgeworfen wird.

Eine Kleinigkeit, aber genauso sollte ein PC sich verjhalten: ohne langes Tamtam uns bei Aufgaben helfen.

Gute Berufsmöglichkeiten für blinde Java-Entwickler

In den vergangenen Wochen habe ich mich intensiv in die Entwicklung komplexer Anwendungen mit Java eingearbeitet. Das man mit einem Editor und den Kommandowerkzeugen javac und java gut mit einem Screenreader arbeiten kann, ist nichts Neues.
Die Entwicklungsumgebung Eclipse ist auch schon lange für seine gute Zugänglichkeit bekannt. Wo ist hier also die Überraschung?

Bei der Entwicklung von Mehrschicht-anwendungen sind eine ganze Reihe von Editoren und Werkzeugen notwendig, die nicht automatisch bei der Entwicklung kleinerer Desktop-anwendungen benutzt werden müssen. Da es nur wenige blinde Java-Entwickler gibt, war nicht klar, ob alle diese Werkzeuge genauso gut zugänglich sind, wie man es von den Standardansichten in Eclipse gewohnt ist. Die gute Zugänglichkeit von Eclipse basiert zum Großteil darauf, dass keine Swing-Steuerelemente verwendet werden, sondern native Steuerelemente des Betriebssystems. Dadurch verhält sich das ganze wie jede andere Windows-Anwendung auch. Allerdings ist die Zugänglichkeit genau dann vorbei, wenn es notwendig ist, ein Steuerelement mit anderen Mitteln zu realisieren – z.B. weil es kein entspr. natives Steuerelement auf allen Plattformen gibt. Wie uns auf einer Tagung der BFG IT vor Jahren kompetent erläutert wurde, ist es in solchen Fällen sehr schwer und aufwendig, die Zugänglichkeit einzubauen. Tatsächlich zeigte sich relativ früh ein solches Objekt. Beim Generieren von Entitätsklassen aus den Tabellen einer Datenbank kann man die Spalten und deren Eigenschaften nicht ändern. Glücklicherweise kann man wenigstens alles übernehmen und im Nachhinein im Code bearbeiten.

Ein weiteres Problem tritt auf, wenn man Unittests ausführen will. Hier werden die Ergebnisse (erfolgreich oder fehlgeschlagen) über Icons im Baum angezeigt. JAWS-Anwender können hier die Grafiken beschriften, aber NVDA-Benutzer sehen diese Icons nicht. Das gilt übrigens für alle Icons, die an Bäumen in Swing-Anwendungen hängen. Im Gegensatz zu Eclipse sind sie in Swing-Anwendungen auch für JAWS nicht mehr auslesbar. Hier wäre es wohl notwendig, die Zugänglichkeitsschnittstellen so zu erweitern, dass Objekte zusätzlich zu den Status wie angehakt, ausgewählt etc. auch anwendungsspezifische Status haben können. In Java kann man hierfür jedem Bild einen Alternativtext geben, der als Statustext verwendet werden könnte.

In einigen Projekten ist es notwendig eine ältere Version von Eclipse z.B. Eclipse Juno zu verwenden. Hier fällt auf, dass beim Navigieren im Baum zunächst immer der zuvor ausgewählte Eintrag vorgelesen wird und anschließend der nun selektierte. daran kann man sich zwar gewöhnen, es kostet auf die Dauer aber viel Zeit. Die Lösung für das Problem war verblüffend einfach. Bei neuen Versionen von Eclipse tritt das Problem nicht auf, aber dafür in allen Java-Anwendungen, die einen Baum verwenden. Es fiel auf, dass NVDA für die ältere Eclipse-Version wie für die Java-Anwendungen javaw.exe als Anwendungsnamen identifiziert, während es in der aktuellen Eclipse-Version eclipse.exe ist. für Eclipse gibt es im NVDA-Quellcode eine eclipse.py die mit wenigen Zeilen Code die erste Meldung ausschaltet und damit den Fehler, der eigentlich in der Java-Zugänglichkeitsschnittstelle steckt ausbügelt. Das Kopieren dieser Datei in javaw.py in eigenen Erweiterungsverzeichnis von NVDA behebt das Problem für das alte Eclipse und alle Java-Anwendungen. Herausgefunden habe ich das nicht alleine, sondern durch den Austausch mit James Teh dem zweiten NVDA-Hauptentwickler.

Der Vorfall zeigt auf, dass für Java die bisherigen Konzepte zur Erweiterung von Anwendungen nicht mehr greifen, denn die haben sich immer am Anwendungsnamen orientiert – und dieser ist für alle Java-Anwendungen java.exe oder javaw.exe.

Das Debuggen in Client und Server inkl. dem Verfolgen des Callstacks oder das Inspizieren von Objekten war leicht möglich. Durch die Tastenkürzel für die üblichen Schritt- und Haltepunktaktionen kann man schnell und effizient arbeiten.

Eine echte Barriere war der Installer des Glassfish-Servers, der vollkommen unzugänglich ist. Zum Glück kann man den Server auch als Zip-Datei herunterladen. Das Oracle es nicht schafft, einen zugänglichen Installer bereitzustellen spricht allerdings für sich.

Alles in Allem ist die Erprobung mit verblüffend wenig Hindernissen verbunden gewesen. Dinge wie die oben beschriebenen Steuerelemente und Statusbilder sind zwar ärgerlich, aber keine wirkliche Barriere. Da die Applicationserver wie Glassfish oder Websphere alle über eine Weboberfläche zur Administration verfügen und die verwendeten Plugins in Eclipse sich in den meisten Fällen aus den bereits verwendeten Steuerelementen bedienen, treten auch hier relativ wenig Probleme auf. Ein Hindernis war z.B. das Bedienen des Subversion-Plugins mit dem man den Code gegen die Versionsverwaltung synchronisiert. Vermutlich wird man sich Änderungen und Konflikte über den klassischen Subversion-Client ansehen müssen.

Die Erprobung wurde vollständig mit NVDA durchgeführt. JAWS dürfte wohl ähnliche Ergebnisse liefern, weil spätestens bei Swing-Anwendungen die Zugänglichkeitsschnittstelle in Java das Nadelöhr ist. Was sie nicht liefert sieht keiner der Screenreader und das auslesen der angelieferten Attribute ist keine Herausforderung für einen Screenreader. Ein Offscreenmodell, wie es in Windows-Anwendungen sonst üblich ist, müssten sich die Reader hier mühsam anhand der gemeldeten Positionsangaben der Zugänglichkeitsobjekte zusammenbauen. Bis dahin ist man auf die Tastaturnavigation der Anwendung festgenagelt, oder man muss sich durch den Objektbaum hangeln. Wehe, wenn ein wichtiges Steuerelement für die Arbeit keinen Hotkey oder Menübefehl hat. Apropos: Eclipse ist u.a. deshalb so gut zugänglich, weil es tonnenweise Tastenkürzel gibt.

OK, und was ist, wenn ein Projekt nicht mit Eclipse entwickelt wird? Das kann sehr unterschiedlich sein. Da gibt es z.B. IntelliJ von www.jetbrains.com. Die Anwendung ist vollkommen unzugänglich – man kann NICHTS lesen. Auf eine Supportanfrage wurde ich mit “It is a known issue” auf einen Bugeintrag verwiesen. Der Inhalt ist rasch erklärt: Der Autor ist mir über die NVDA-Entwicklerliste bekannt und er hat alles versucht um nach Kräften zu unterstützen, aber seit dem der Fehler vor einem Jahr angelegt wurde, sind keine Kommentare des Herstellers eingefügt worden. Selbst wenn es einen Fix gäbe, würde s wohl noch lange dauern, bis eine solche Umgebung hinreichend zugänglich ist.

Als dritte IDE gibt es noch NetBeans von www.netbeans.org. Hier fällt positiv auf, dass Zugänglichkeit dort ein Thema ist, dass auf den Seiten diskutiert wird. Das Stichwort heißt hier A11Y. Ein Schnelltest zeigte zwar, dass die Menüs und Editoren zwar grundsätzlich zugänglich sind, aber dass es doch noch an vielen Stellen hakt. Z.B. wird beim Navigieren in einem Java-Editor der Screenreader in einen Baum gerufen, während der Fokus im Editor verbleibt. Beim Versuch die Anwendung im Detail zu justieren, konnte ich den Optionen-Dialog nicht öffnen. Ich vermute aber, dass es sich hier um Details handelt, die man mit dem Hersteller klären könnte.

Fazit

Die Entwicklung komplexer Mehrschicht-Anwendungen ist für blinde Menschen im professionellen Umfeld gut möglich. Es gibt zwar einige Hindernisse und Stolperfallen, aber die sind bei der Komplexität der Anwendungen wohl normal. Es kommt wie immer auf die Details an, ob der Einsatz in allen Projektbereichen möglich ist. Da das Eis wie beschrieben sehr dünn sein kann, habe ich den Rettungsanker schon bereitgelegt: Ich arbeite mich in Python und das Objektmodell von NVDA ein, um im Notfall die benötigten Änderungen umsetzen oder zumindest initiieren zu können. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich aktiv den Weg freiprogrammieren muss.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel anderen blinden Entwicklern ein paar hilfreiche Erfahrungen mitgeben konnte.

Mein Computer komponiert und es klingt auch noch recht gut

“Mein Computer ist ein guter – er komponiert; Ich sitz daneben und warte was passiert”
Das ist ein Zitat aus einem Song der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, der schon einige Jahre alt ist. Aber viel treffender könnte ich es auch nicht nennen.

Ich experimentiere in letzter Zeit mit einigen Anwendungen, die entweder von sich aus Musik erstellen oder dies in kontrolliertem Umfang tun.

Ein ziemlich erstaunliches Programm ist dabei CG Music. Die Software entstand im Rahmen einer Masterarbeit und liefert sehr nette Ergebnisse auf Knopfdruck. Damit nicht genug, man kann einiges anpassen.

Die software gehört (das ist in diesem Genre leider nicht selbstverständlich) zu den halbwegs bedienbaren Anwendungen.

Hier mal eine Beispielausgabe, bei dem ich nur Tempo und Tonart in einigen Teilen etwas verdreht habe.
heikoslatin1.mid

OK, klingt wie irgendwie alle Songs auf dem PC. Das ist nicht erstaunlich, denn es ist eine Midi-Datei und verwendet die Sounds des abspielenden PCs. Dagegen die gleiche Datei über einen sog. Midirenderer in eine MP3-Datei verwandelt.
Der 1. Song von CG Music im erstellt mit dem Arachno Sound font

Die software ist zu finden unter:
http://codeminion.com/blogs/maciek/2008/05/cgmusic-computers-create-music/#comment-9606

Ich habe die Software mit NVDA getestet. ACHTUNG: Bereits am Anfang muss man zum “Load Project” Knopf mit der NVDA-Navigation laufen. Die Anwendung läßt sich am besten mit der Bildschirmdarstellung steuern und man kann mit der Braillezeile auf die zu bearbeitenden Teile klicken.

Ich habe auch noch andere interessante Anwendungen aus diesem Genre gefunden:

  1. Fractal music – eine Anwendung, die ähnlich wie ein gewöhnliches Fraktal aus einer Folge eine Musik baut.
  2. Soundhelix – eine Anwendung, bei der man steuern kann, was zufällig variiert wird und wo feste Noten gespielt werden sollen. Es handelt sich um eine Java-Kommandozeilen-Anwendung.

Interessantes und anspruchsvolles audio Spiel GMA Lander

Die bekannte Firma GMA Games hat ein kostenloses Spiel namens GMA Lander herausgebracht. Es geht dabei darum, ein Raumschiff auf verschiedenen Planeten mit unterschiedlicher Schwerkraft zu landen und zwar mit sehr begrenzten Treibstoffreserven. Für das Spiel braucht man nur die Leertaste. Die englischen Texte sollten auch für Leute ohne größere Englischkenntnisse kein Problem darstellen, weil es sich um einige Zahlen handelt.

Das Spiel zeigt außerdem, wie mehrere Informationen parallel und in Echtzeit über die Audiospur transportiert werden können. Nichts revolutionäres, aber die Intuitivität der Umsetzung ist immer wieder beeindruckend.

OK, aber wo ist nun der Anspruch? Es ist nicht leicht, für jeden Planeten die richtige Mischung aus Bremsschub und freiem Fall zu finden. Entweder geht einem viel zu früh der Schub aus und man fällt zu hart auf den Boden, oder die Bremsung reicht nicht aus – beides kommt auf das gleiche hinaus.

Die Homepage von GMA games findet sich hier:
www.gmagames.com

Schnelltasten verwalten und automatisieren von wiederkehrenden Aufgaben

Vor einiger zeit habe ich ein Programm gesucht, mit dem ich eine Reihe von Tastendrücken automatisiert abspielen konnte. Ich brauchte es, um einen Fehler zu reproduzieren. Die aufgabe war flugs erledigt und das mitgelieferte tutorial hat mich quasi angesteckt.

Es geht um www.autohotkey.com[doesn't exist]. Nun, es gibt viele Skript-Systeme, mit denen man Batchdateien ablösen kann oder kompliziertere dinge tun kann. Visual Basic Script ist nur eines davon. Allerdings können die meisten nicht ohne Weiteres Schnelltasten erstellen oder eingegebene Zeichenketten ersetzen.

Für die Screenreadernutzer mal ein praktisches Beispiel: In einigen Anwendungen wie pgadmin fnktioniert die Anwendungstaste nicht. Man kann also nicht ohne Weiteres ein Kointextmenü aufrufen. Häufig funktioniert Umsch+F10 stattdessen. Man kann sich entweder an diese Kombination gewöhnen, oder mit autohotkey die Anwendungstaste auf sie umlegen. Klar, das kann JAWS auch, aber mit autohotkey ist es ein Dreizeiler und unabhängig von Screenreadern.

Ein anderes Beispiel sind sog. Hotstrings. Wollten Sie nicht schon immer einen längeren Ausdruck schneller schreiben? z.B. Mitfreundlcihen Grüßen …
Das folgende wäre eine Unterschrift in einer Mail für mich:
::mfg:: send Mit freundlichen Grüßen{enter}{enter}Heiko Folkerts
Einfach oder?
Im Endeffekt installiert man die Anwendung und erstellt beliebig viele Skripte. Wenn man ein Skript in den Autostartordner legt, wird es beim Systemstart gestartet und kann Schnelltasten verarbeiten.

Die folgende Zeile in einem solchen Skript sorgt dafür, dass man mit Windows+Leertaste Google aufrufen kann:

#space:: run www.google.de
Die Foren und die Hilfedatei sind allerdings in englischer Sprache gehalten, aber vermutlich gibt es auch schon viele deutschsprachige Seiten dazu.

Nun, am Anfang habe ich gegrübelt, was ich denn zu automatisieren habe – viel ist dabei nicht herausgekommen. Erst später wurde mir klar, dass es auch um die kleinen Dinge s.o. geht, die sich beschleunigen lassen.

Am Ende wächst mein Standardskript Stück für Stück und es finden sich immer mehr kleine Automatisierungen, die in effizientere Arbeit münden.

Ich kann nur jedem empfehlen, es selbst einmal auszuprobieren. Es gibt viele Skripte zum herunterladen und lernen.