Kategorie-Archiv: Allgemein

Den Staatstrojanern und Lauschangriffen Schutzlos ausgeliefert?

Heute wurde gemeldet, dass das BKA einen neuen Staatstrojaner entwickelt hat und dieser einsatzbereit ist. Er darf (laut Gericht) nur bei Verdacht auf schweren Straftaten eingesetzt werden:

Installieren Sie diesen Trojaner nur, wenn Sie wissen, dass eine schwere Straftat besteht – geben Sie hierfür bitte das Aktenzeichen des zukünftigen urteils an …

Gleichzeitig ^hören sich alle Länder gegenseitig ab. Offenbar kann man sich nicht darauf verlassen, was vollmundig von der Politik behauptet wird.

Bei solchen Meldungen bin ich mir wieder sicher, dass uns die eigene Regierung für dumm verkaufen will. Wer Terror oder Mord plant, wird klug genug sein, entspr. Gegenmaßnahmen einzuleiten. Falls man mit dem Trojaner tatsächlich verdächtige Kommunikation aufspürt, dann würde man den Täter wohl auch wegen anderer Ungeschicklichkeiten leicht überführen können. Statt aktiv Maßnahmen gegen die Massenüberwachung einzuleiten wird ein wenig der Zeigefinger geschüttelt.

Für alle ,denen die eigene Privatsphöre wichtig ist, oder die Killer oder Terrorist werden wollen, gebe ich einen kleinen Schnelleinstieg, wie man sich gegen die Staatsüberwachung zur Wehr setzen kann:

1. Verwenden Sie eine Live-CD mit einem Linux oder einem anderen Betriebssystem. Trojaner sind dabei hübsch ausgesperrt, solange sie nicht online über das netz eindringen können. Verwenden sie auf einer solchen Installation möglichst ein geschütztes Konto um zu browsen und E-Mails zu schreiben. Speichern Sie nichts auf der Festplatte, denn damit könnten Würmer oder Trojaner sich festsetzen.
2. Verwenden Sie den Gnu Privacy Guard www.gnupg.de um Ihre E-Mails zu verschlüsseln und zu signieren. Damit kann nur ihr Kommunikationspartner die für ihn bestimmten mails lesen und sicherstellen, dass niemand die übermittelten Anschlagsdetails verändert hat. Die Verschlüsselung kann offenbar auch von der NSA noch nicht recht geknackt werden.
3. Verschlüsseln Sie alle Festplatten mit TrueCrypt und lagern Sie alle Skizzen und geheime Details auf ein verstecktes TrueCrypt Laufwerk aus. Wenn Sie ein gutes Passwort wählen, würde es viele jahre dauern, diese Daten zu knacken und gegen Sie zu verwenden.

Will ich allen Ernstes der Kriminalität Vorschub leisten? Nein, sicher nicht. Was ich umrissen habe ist längst bekannt und es dürfte deutlich ausgefeiltere Pläne geben. Meine ausführungen gelten eigentlich für alle, denen die eigenen Daten und Kommunikation wichtig sind – egal ob Sie etwas zu verbergen haben oder nicht. Vieles von dem, was uns unwichtig erscheint, könnte leicht gegen einen als Druckmittel verwendet werden – und wer möchte schon als Agent gegen einen Bekannten eingesetzt werden, nur weil man einen Seitensprung in einer E-Mail verraten hat? Anders gesagt: Die Inhalte der Kommunikation gehen keinen dritten etwas an!

Das ist Gemein! Diskriminierung! ruft der gemeine blinde Profikiller. Nur weil ich einen Screenreader benutzen muss, kann ich meine Mails nicht verschlüsseln und werde deshalb geschnappt. Ruhig Blut. Seit gestern gibt es eine Betaversion vom GPG, die zumindest mit NVDA gut benutzt werden kann.
http://files.gpg4win.org/Beta/gpg4win-2.2.2-beta37.exe

Es gibt zwar noch ein paar kleine Stolperfallen, aber keine wirkliche Barriere. Ich werde in den nächsten Tagen einen ausführlichen Artikel inkl. Schritt-Für-Schritt-Anleitung hier im Blog erstellen.

Wer’s nicht abwarten kann, kann es selbst ausprobieren und mir eine verschlüsselte Nachricht schicken. Mein Schlüssel liegt auf den Keyservern bereit (bitte den vom august 2014 und NICHT den vom Januar 2014e verwenden).

Hier können Sie ihn außerdem direkt herunterladen:
Mein öffentlicher PGP-Schlüssel

Lebewohl Kaiser Nero

Über viele jahre war Nero Burning Rom das Werkzeug um unter Windows CDS zu brennen. Ich habe einige zeit damit verbracht einige der im Paket enthaltenen anwendungen zu testen. Das ist schon eine Weile her und eine wirkliche Verbesserung hat sich nicht ergeben.

Nun ist diese Suite von Anwendungen sicher noch für sehr viele Aufgaben gut ausgerüstet, aber für mich persönlich reichen Bordmittel von Windows.

Dateien z.B. MP3s oder was auch immer kann man schlicht auf das Laufwerk kopieren und (das war für mich neu) es ist einfach möglich aus einem Stapel MP3-Dateien eine klassische Musik-CD zu brennen – soll ja noch reine CD-Spieler geben.#

Man kopiert die Dateien auf das Laufwerk und startet den Assistenten zum Schreiben der Daten auf die CD – im Kontextmenü des Laufwerks. Dort wählt man die Option Musik-CD (ich hoffe ich gebe das korrekt wieder, aber es war selbsterklärend). Daraufhin öffnet sich der Media-Player. In der ersten Liste erscheinen dann zum Schreck des Screenreader-Zuhörers ganz andere Dateien. Keine Panik! Springt man weiter, gibt es eine Brennliste und dort sind die richtigen Dateien. Man muss lediglich auf den Schalter Brennen klicken und warten, bis die CD ausgeworfen wird.

Eine Kleinigkeit, aber genauso sollte ein PC sich verjhalten: ohne langes Tamtam uns bei Aufgaben helfen.

Gute Berufsmöglichkeiten für blinde Java-Entwickler

In den vergangenen Wochen habe ich mich intensiv in die Entwicklung komplexer Anwendungen mit Java eingearbeitet. Das man mit einem Editor und den Kommandowerkzeugen javac und java gut mit einem Screenreader arbeiten kann, ist nichts Neues.
Die Entwicklungsumgebung Eclipse ist auch schon lange für seine gute Zugänglichkeit bekannt. Wo ist hier also die Überraschung?

Bei der Entwicklung von Mehrschicht-anwendungen sind eine ganze Reihe von Editoren und Werkzeugen notwendig, die nicht automatisch bei der Entwicklung kleinerer Desktop-anwendungen benutzt werden müssen. Da es nur wenige blinde Java-Entwickler gibt, war nicht klar, ob alle diese Werkzeuge genauso gut zugänglich sind, wie man es von den Standardansichten in Eclipse gewohnt ist. Die gute Zugänglichkeit von Eclipse basiert zum Großteil darauf, dass keine Swing-Steuerelemente verwendet werden, sondern native Steuerelemente des Betriebssystems. Dadurch verhält sich das ganze wie jede andere Windows-Anwendung auch. Allerdings ist die Zugänglichkeit genau dann vorbei, wenn es notwendig ist, ein Steuerelement mit anderen Mitteln zu realisieren – z.B. weil es kein entspr. natives Steuerelement auf allen Plattformen gibt. Wie uns auf einer Tagung der BFG IT vor Jahren kompetent erläutert wurde, ist es in solchen Fällen sehr schwer und aufwendig, die Zugänglichkeit einzubauen. Tatsächlich zeigte sich relativ früh ein solches Objekt. Beim Generieren von Entitätsklassen aus den Tabellen einer Datenbank kann man die Spalten und deren Eigenschaften nicht ändern. Glücklicherweise kann man wenigstens alles übernehmen und im Nachhinein im Code bearbeiten.

Ein weiteres Problem tritt auf, wenn man Unittests ausführen will. Hier werden die Ergebnisse (erfolgreich oder fehlgeschlagen) über Icons im Baum angezeigt. JAWS-Anwender können hier die Grafiken beschriften, aber NVDA-Benutzer sehen diese Icons nicht. Das gilt übrigens für alle Icons, die an Bäumen in Swing-Anwendungen hängen. Im Gegensatz zu Eclipse sind sie in Swing-Anwendungen auch für JAWS nicht mehr auslesbar. Hier wäre es wohl notwendig, die Zugänglichkeitsschnittstellen so zu erweitern, dass Objekte zusätzlich zu den Status wie angehakt, ausgewählt etc. auch anwendungsspezifische Status haben können. In Java kann man hierfür jedem Bild einen Alternativtext geben, der als Statustext verwendet werden könnte.

In einigen Projekten ist es notwendig eine ältere Version von Eclipse z.B. Eclipse Juno zu verwenden. Hier fällt auf, dass beim Navigieren im Baum zunächst immer der zuvor ausgewählte Eintrag vorgelesen wird und anschließend der nun selektierte. daran kann man sich zwar gewöhnen, es kostet auf die Dauer aber viel Zeit. Die Lösung für das Problem war verblüffend einfach. Bei neuen Versionen von Eclipse tritt das Problem nicht auf, aber dafür in allen Java-Anwendungen, die einen Baum verwenden. Es fiel auf, dass NVDA für die ältere Eclipse-Version wie für die Java-Anwendungen javaw.exe als Anwendungsnamen identifiziert, während es in der aktuellen Eclipse-Version eclipse.exe ist. für Eclipse gibt es im NVDA-Quellcode eine eclipse.py die mit wenigen Zeilen Code die erste Meldung ausschaltet und damit den Fehler, der eigentlich in der Java-Zugänglichkeitsschnittstelle steckt ausbügelt. Das Kopieren dieser Datei in javaw.py in eigenen Erweiterungsverzeichnis von NVDA behebt das Problem für das alte Eclipse und alle Java-Anwendungen. Herausgefunden habe ich das nicht alleine, sondern durch den Austausch mit James Teh dem zweiten NVDA-Hauptentwickler.

Der Vorfall zeigt auf, dass für Java die bisherigen Konzepte zur Erweiterung von Anwendungen nicht mehr greifen, denn die haben sich immer am Anwendungsnamen orientiert – und dieser ist für alle Java-Anwendungen java.exe oder javaw.exe.

Das Debuggen in Client und Server inkl. dem Verfolgen des Callstacks oder das Inspizieren von Objekten war leicht möglich. Durch die Tastenkürzel für die üblichen Schritt- und Haltepunktaktionen kann man schnell und effizient arbeiten.

Eine echte Barriere war der Installer des Glassfish-Servers, der vollkommen unzugänglich ist. Zum Glück kann man den Server auch als Zip-Datei herunterladen. Das Oracle es nicht schafft, einen zugänglichen Installer bereitzustellen spricht allerdings für sich.

Alles in Allem ist die Erprobung mit verblüffend wenig Hindernissen verbunden gewesen. Dinge wie die oben beschriebenen Steuerelemente und Statusbilder sind zwar ärgerlich, aber keine wirkliche Barriere. Da die Applicationserver wie Glassfish oder Websphere alle über eine Weboberfläche zur Administration verfügen und die verwendeten Plugins in Eclipse sich in den meisten Fällen aus den bereits verwendeten Steuerelementen bedienen, treten auch hier relativ wenig Probleme auf. Ein Hindernis war z.B. das Bedienen des Subversion-Plugins mit dem man den Code gegen die Versionsverwaltung synchronisiert. Vermutlich wird man sich Änderungen und Konflikte über den klassischen Subversion-Client ansehen müssen.

Die Erprobung wurde vollständig mit NVDA durchgeführt. JAWS dürfte wohl ähnliche Ergebnisse liefern, weil spätestens bei Swing-Anwendungen die Zugänglichkeitsschnittstelle in Java das Nadelöhr ist. Was sie nicht liefert sieht keiner der Screenreader und das auslesen der angelieferten Attribute ist keine Herausforderung für einen Screenreader. Ein Offscreenmodell, wie es in Windows-Anwendungen sonst üblich ist, müssten sich die Reader hier mühsam anhand der gemeldeten Positionsangaben der Zugänglichkeitsobjekte zusammenbauen. Bis dahin ist man auf die Tastaturnavigation der Anwendung festgenagelt, oder man muss sich durch den Objektbaum hangeln. Wehe, wenn ein wichtiges Steuerelement für die Arbeit keinen Hotkey oder Menübefehl hat. Apropos: Eclipse ist u.a. deshalb so gut zugänglich, weil es tonnenweise Tastenkürzel gibt.

OK, und was ist, wenn ein Projekt nicht mit Eclipse entwickelt wird? Das kann sehr unterschiedlich sein. Da gibt es z.B. IntelliJ von www.jetbrains.com. Die Anwendung ist vollkommen unzugänglich – man kann NICHTS lesen. Auf eine Supportanfrage wurde ich mit “It is a known issue” auf einen Bugeintrag verwiesen. Der Inhalt ist rasch erklärt: Der Autor ist mir über die NVDA-Entwicklerliste bekannt und er hat alles versucht um nach Kräften zu unterstützen, aber seit dem der Fehler vor einem Jahr angelegt wurde, sind keine Kommentare des Herstellers eingefügt worden. Selbst wenn es einen Fix gäbe, würde s wohl noch lange dauern, bis eine solche Umgebung hinreichend zugänglich ist.

Als dritte IDE gibt es noch NetBeans von www.netbeans.org. Hier fällt positiv auf, dass Zugänglichkeit dort ein Thema ist, dass auf den Seiten diskutiert wird. Das Stichwort heißt hier A11Y. Ein Schnelltest zeigte zwar, dass die Menüs und Editoren zwar grundsätzlich zugänglich sind, aber dass es doch noch an vielen Stellen hakt. Z.B. wird beim Navigieren in einem Java-Editor der Screenreader in einen Baum gerufen, während der Fokus im Editor verbleibt. Beim Versuch die Anwendung im Detail zu justieren, konnte ich den Optionen-Dialog nicht öffnen. Ich vermute aber, dass es sich hier um Details handelt, die man mit dem Hersteller klären könnte.

Fazit

Die Entwicklung komplexer Mehrschicht-Anwendungen ist für blinde Menschen im professionellen Umfeld gut möglich. Es gibt zwar einige Hindernisse und Stolperfallen, aber die sind bei der Komplexität der Anwendungen wohl normal. Es kommt wie immer auf die Details an, ob der Einsatz in allen Projektbereichen möglich ist. Da das Eis wie beschrieben sehr dünn sein kann, habe ich den Rettungsanker schon bereitgelegt: Ich arbeite mich in Python und das Objektmodell von NVDA ein, um im Notfall die benötigten Änderungen umsetzen oder zumindest initiieren zu können. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich aktiv den Weg freiprogrammieren muss.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel anderen blinden Entwicklern ein paar hilfreiche Erfahrungen mitgeben konnte.

Weltweite Konferenz zu NVDA

Am letzten Wochenende fand die zweite NVDA user conference statt. Dafür musste man weder ein Hotel buchen oder verreisen. Es genügte eine leicht zu bedienende Chatsoftware.

Aufgrund der Beteiligung rund um den Globus fand die Konferenz ab 18:00 bis ca 03:00 früh statt.

Neben Informationen und Fragen zur weiteren entwicklung von NVDA stand auch eine Session zur Entwicklung von Erweiterungen bzw. anpassungen auf dem Programm. Eine dritte Sitzung wurde den Umsteigern von JAWS gewidmet.

OK, schön das ich über Vergangenes berichte. Was haben Sie nun davon? Die Konferenz wurde aufgezeichnet und alle Informationen sind unter folgendem Link zu finden:
http://www.nvda-kr.org/en/nvdacon.php

Link

Wer selbst eine Behinderung hat oder ein Kind, dass behindert ist, fragt sich sicher of, warum dieses Schicksal. Ist das nicht ungerecht? Ich denke, dass es oft notwendig ist, dass bestimmte Leute eine Behinderung haben, um den Lauf der dinge zu beeinflussen. Louis Braille musste sich verletzen, damit später alle blinden Menschen eine gute und effiziente Schrift nutzen konnten und können.

Außerdem ist es immer gut, für seine Ziele zu kämpfen und so selbständig wie möglich zu sein.

Der folgende Link unterstreicht dies sehr beeindruckend:
http://www.anderssehen.at/portrait/lbraille.shtml

Wie bin ich eigentlich hierher geraten

Gerade habe ich mich in die Entwicklung komplexer Dreischicht-Applikationen mit Java eingearbeitet. Feststeht: Es gibt zwar wie immer hier und da Probleme mit der Zugänglichkeit, aber im Großen und Ganzen funktioniert es erstaunlich gut. Ich bin sicher nicht der einzige blinde Entwickler auf diesem Gebiet, aber viele sind es wohl nicht – ich selbst kenne bislang niemanden.

Andererseits gibt es in der IT quasi keinen Nachwuchs unter den blinden und sehbehinderten. Das hat mich lange verwirrt und es schien, als hätte ich als einziger ein großes und für alle sichtbares Schild übersehen, auf dem die richtige Straße angezeigt wurde. Ich bin vielleicht nicht auf den Kopf gefallen, aber ich denke nicht, dass ich mich so stark von meinen Schul- und Internatskameraden unterscheide, um das zu erklären. OK, IT ist tatsächlich nicht jedermanns Ding, aber die Berufsfelder, die für uns in Frage kommen, waren noch immer an zwei Händen abzuzählen und es war eher die Frage, welche Optionen es überhaupt gibt. Ist die IT vielleicht gar nicht erst als mögliche Option bekannt? Sind die Voraussetzungen wirklich so schwer zu erreichen?

Ich verurteile hier niemanden und will mich vor allem erst recht nicht über andere erheben.

Was also hat mich auf diesen anderen Weg gebracht? Beginnen wir systematisch und an Anfang

Starthilfe

Ich hatte das große Glück, dass meine Eltern selbst blind bzw. sehbehindert sind. Außenstehende finden, dies sei doppeltes Unglück. Aber für mich als Kind war es, als wenn man ein Computerspiel mit einem erfahrenen Kumpel durchspielt, der über die Hindernisse weiß und gute Ratschläge gibt.

Um mich nicht bereits mit sechs Jahren auf ein Internat geben zu müssen, rangen sie den Behörden die Erlaubnis ab, mich am Wohnort integrativ beschulen zu lassen. Die Grundschule stimmte zu und meine Eltern kümmerten sich in Eigenregie um die blindenspezifischen Hilfsmittel und Techniken wie Blindenschrift. Sie haben mir nie vorgehalten, was sie alles für diesen Schulbesuch unternahmen, aber es wurde auch nicht versteckt. Z.B. mussten alle Texte, die evtl. in der Schule verwendet werden würden manuell in Blindenschrift abgetippt werden. Das hat viele Vormittage gekostet und wenn ich schulfrei hatte, konnte ich das ganze direkt erleben. Man könnte sagen, dass ich in gewissem Sinne auf dieses Niveau kalibriert wurde. Durch die Unterstützung durch die Lehrer und die offenen Mitschüler ist die Integration gut gelungen. Mir hat es ein soziales Umfeld am Wohnort gegeben und ich bin im Bewusstsein aufgewachsen anders zu sein als die anderen.

Internat und Schule in Hamburg

1986 war noch kein erschwingliches System zur Übertragung von Normal- in Blindenschrift verfügbar. Dadurch war eine Beschulung am Wohnort ohne noch viel größeren Aufwand nicht mehr zu leisten. Ich war ein wenig zu früh dran – heutzutage sind die technischen Möglichkeiten völlig anders. Also ging ich auf das Internat und wurde dort integrativ in der Heinrich-Herz-Schule unterrichtet. Der Unterricht selbst war ähnlich wie zu hause – alleine in einer Klasse aus sehenden Schülern. Allerdings gab es dort Lehrer, die die Klassenarbeiten von Blinden- in Normalschrift übersetzten und sich um das notwendige Unterrichtsmaterial kümmerten. In der Grundschule hatten meine Lehrer selbst Blindenschrift gelernt, um meine Arbeiten etc. kontrollieren zu können. Am Ende habe ich neun Jahre meiner Schulzeit integrativ verbracht. Das ich anschließend noch fünf Jahre in einer Blindenschule verbrachte hing nur damit zusammen, dass es keine integrative Realschule gab und man der Meinung war, mir würden gewisse blindentechnische Grundlagen fehlen. Genau, ich flog mit mangelhaften Sprachkenntnissen vom Gymnasium! Der Bildungsunterschied zwischen dem integrativen Gymnasium und der Blindenrealschule war eklatant. Dadurch konnte ich mich in Ruhe reorganisieren und fand den Spaß am Lernen wieder.

Ein prägendes Erlebnis

Irgendwann kurz vor meiner Teenagerzeit bekam ich gemeinsam mit meinem Bruder einen Homecomputer zu Weihnachten. Natürlich gab es hier keinerlei Sprachausgaben und ich konnte keinerlei Schrift erkennen. Unsere Eltern haben darüber wohl nicht viel nachgedacht, sonst hätten sie vielleicht vermutet, dass ich damit gar nichts anfangen konnte. Dummerweise war mein Interesse für das Ding größer als bei meinem Bruder, sodass ich mich irgendwie damit beschäftigte. Irgendwie habe ich mir eine Grundlage in Basic zugelegt und meine Programme durch Einbetten von Tönen überprüft. In einem früheren Artikel habe ich das bereits erwähnt. Das hat mich in gewissem Sinne angefixt und da die Berufsmöglichkeiten für blinde Menschen eh begrenzt sind, sollte sich später daraus eine Art logische Konsequenz ergeben. Die Programme, die ich erstellt hatte waren natürlich winzig, aber im Kern hatte ich mir eine Lösung erarbeitet und dabei viel Spaß gehabt.

Ein wirklich guter Rat und warm up

Als ich 1992 zur Erprobung für die Programmiererausbildung in Heidelberg war, riet mir einer der dortigen Azubis, mir vor der Ausbildung einen eigenen Computer inkl. Braillezeile anzuschaffen, um dort unabhängig von der anderen Technik arbeiten zu können. Damals haben sie dort noch Großrechner und Terminals verwendet. So kam es, dass ich 1993 meinen ersten Computer inkl. Braillezeile privat finanzierte. Das System sollte später noch ein zentraler Baustein in meiner Ausrüstung und Unabhängigkeit sein.
Ich konnte die nächsten Jahre nutzen, um mich in Ruhe und ohne Zeitdruck mit der Technik vertraut zu machen und meine ersten Gehversuche in der Pascal-Programmierung zu wagen. Neben den Vorteilen für den EDV-Unterricht in der Schule lief ich mich (freilich ohne es zu wissen) für die nächsten aufgaben warm. Für mich war es nichts anderes, als ein Hobby auszuüben.

Die Feuertaufe

Leider wurde die Ausbildung, die ich nach wie vor anstrebte, für ein Jahr in Heidelberg wegen Umstrukturierungen ausgesetzt. Ich hätte also nach der höheren Handelsschule ein Jahr Leerlauf gehabt. Deshalb suchte ich nach einem Praktikumsplatz, um zusammen mit dem Schulabschluss dadurch die Fachhochschulreife zu erwerben. Das war ziemlich schwierig und ich habe viele Absagen erhalten. Zum Glück arbeitete einer meiner Judokameraden in einer kleinen Werbeagentur und hat meine Bewerbung dort vorgelegt. Ich erhielt eine Chance – und was für eine.
Der Betrieb verwendete ein Windows-NT-Netzwerk und im Steinzeitalter der Windows-Screenreader gab es nur eine verfügbare Software namens Protalk. Um auszuloten, welche Aufgaben ich übernehmen könnte, haben wir einen Tag lang die im Unternehmen verwendete Software mit Protalk getestet. Mit dabei war Torsten Brand, der damals Protalk in Deutschland vertrieben hat und seinerzeit den Symbian Handys das Sprechen lehrte. Die Katastrophe hätte nicht größer ausfallen können – sämtliche irgendwie für das Unternehmen relevanten Anwendungen bestanden den Test nicht! Nur eine einzige Anwendung hielt stand – Microsofts Visualstudio 4.2! Wieso die Agentur eine VS-Lizenz hatte, was ich nicht. Da beim Test auch die Dosbox durchgefallen war, gab es technisch nur eine einzige Möglichkeit, mich sinnvoll zu beschäftigen: Programmieren von Windowsprogrammen mit C++.
Für das Praktikum habe ich meine private Braillezeile verwendet und habe somit den Kampf um Hilfsmittel für ein Praktikum umgangen – abgesehen von protalk natürlich. Wieder war ich wohl etwas zu früh dran, denn JAWS war für Windows-NT noch nicht verfügbar und die protalk-Installation war so instabil, das alle zwei Wochen der Rechner vollständig neu installiert werden musste. Erst mit besserer Hardware und mehr Speicher lief das System etwas stabiler.
Ohne jede Kenntnis von C oder C++, von Objektorientierung oder Windowsprogrammierung arbeitete ich mich ein und erhielt den Auftrag Daten aus einer Datenbank abzurufen und grafisch darzustellen.
Es hat fast das ganze Jahr gedauert, und ich habe wohl alle Fehler gemacht, die möglich waren, aber am Ende war die Anwendung umgesetzt und lief. Viel passender hätte ein Praktikum mich kaum auf den nächsten Schritt vorbereiten können.

Zurück zu den Wurzeln

Ungefähr nach der Hälfte des Praktikums habe ich Kontakt zur Ausbildungseinrichtung aufgenommen – das Praktikum sollte ja nur eine Warteschleife sein. Nachdem ich kurz über meine Aktivität im Praktikum berichtet hatte, meinte der Ausbildungsleiter, dass ich bei Ihnen leider falsch wäre. mehr als ein Crashkurs in ein paar Wochen könnten Sie mir nicht anbieten – Visualstudio war als letzter Baustein in der Ausbildung vorgesehen. Und was jetzt? Einzige Möglichkeit: Studieren!
Zunächst versuchte ich, mich in Dresden zu bewerben, weil dort ein Studienzentrum für Sehbehinderte und Blinde Menschen vorhanden war. Weil mir aber das Abitur fehlte, hätte ich an der FH studieren und von der Uni betreut werden müssen. Alles ziemlich kompliziert, und nach dem mein Privater Antrieb nach ‘Dresdn zu gehen entfallen war, stellte sich die Frage, wohin? Vom Zentrum in Gießen wusste ich nichts und so fragte ich bei der lokalen FH in Emden an. Dort war man generell offen für einen blinden IT-Studenten und bereit es zu wagen. Also wieder die Integration in Eigenregie in Ostfriesland!

Durch das Praktikum und der früheren Integration war ich quasi auf Betriebstemperatur. Mit 21 Jahren hatte ich die notwendige Energie und meine Hilfsmittel beherrschte ich in allen Funktionen. Damit waren alle Voraussetzungen gegeben, mich um meine eigene Integration im Studium zu kümmern – Alternativen gab es ja ohnehin nicht.

Meine Bewaffnung bestand neben dem bereits erwähnten Laptop, das mit Braillezeile über sieben Kilo wog, aus einem Braille’n Speak 2000 und einem Sharp MD-Player mit zusätzlichem Krawattenmikrofon. Alles war darauf ausgerichtet, möglichst mobil und portabel zu sein. Das Mikrofon ließ es zu irgendwo im Hörsaal zu sitzen und nicht an bestimmte Plätze gebunden zu sein. Mobilität und lange Netzunabhängigkeit waren für mich die Kernvoraussetzungen, die ich an meine Hilfsmittel gestellt habe. Ich wollte nicht an bestimmte Plätze gebunden sein und dadurch den Kontakt zu denen verlieren, mit denen ich vor einer Vorlesung gesprochen hatte. Das bedeutete auch, dass ich keine speziellen Bedürfnisse hatte, in welchen Räumen Veranstaltung für mich stattfinden konnten.

Vor Studienbeginn hatte ich einen einwöchigen Crashkurs im Mobilitätstraining für die Gegebenheiten in der FH – damit ich also zur Mensa etc. finden konnte. Auch dies war unerläßlich um alleine und eigenständig die wichtigsten Wege bewältigen zu können. Die FH war zum Glück recht klein, sodass sich alles relativ schnell einprägte.

Damit ich gar nicht erst eine Sonderstellung hatte und “der Blinde mit der Begleitung” wurde, besuchte ich die Einführungsveranstaltung bewusst alleine. Bei der anschließenden Rally hat mich dann jemand der Kommulitonen mitgenommen. Schon am nächsten Tag sollte ich die ‘Gelegenheit erhalten, meinen Mut und Willen unter Beweis zu stellen. Die Erste Vorlesung: Mathe! Nach kurzer Einführung begann Prof. Engelmann schweigend an die Tafel zu schreiben. Mist! Natürlich konnte er nicht wissen, dass er mich damit abhängte. Also bin ich direkt nach der Vorlesung zu ihm gegangen und habe das Problem erläutert. Gleichzeitig schaltete ich quasi in den abgesicherten Modus und nahm alle Mathevorlesungen mit dem MD-Player auf. Zum lernen wären die Aufnahmen ungeeignet gewesen. Deshalb musste ich sie zuhause in für mich lesbare Blindenschrift (Mathe ist bei dem begrenzten Zeichensatz schnell kryptisch) abschreiben. Das hat noch einmal die doppelte Zeit gekostet, sodass aus 10 Stunden Mathe 30 im ersten Semester wurden. Dazu kamen natürlich noch die anderen Vorlesungen und Übungen.

Über das gesamte Studium verteilt gab es eine Reihe von Hürden, bei denen ich mit den Dozenten Lösungen finden musste. Natürlich musste vor allem ich die Lösungsidee entwickeln, denn die Probleme und möglichen Alternativen waren ihnen nicht bekannt. Das war mir von Beginn an bewusst und habe deshalb versucht möglichst frühzeitig die Hindernisse zu beseitigen.

Ein alltägliches Problem bestand im Einlesen von Aufgaben und Übungen. Alles, was Formeln enthält, läßt sich nicht mit OCR erfassen und so war ich auf meine Kommulitonen angewiesen. Für sie war es keine Mühe etwas vorzulesen, aber dafür musste ich eine Art Gegenleistung bringen. Im Großen und Ganzen ist mir das mit Einsatz in allen Bereichen in denen ich helfen konnte gelungen – es geht bei solchen Gegenleistungen ja nicht um die Quantität, sondern den Willen das mögliche zu tun.

Aber auch die Professoren haben viel dazu beigetragen, indem sie sich bemühten Lösungen zu finden und Mathematikunterlagen als Latex-Skripte bereitstellten. Es gab natürlich auch Widerstände, aber diese wurden von Jahr zu Jahr geringer. Einmal wollte ein Laboringenieur nicht gelten lassen, dass ich mich rein mental an einer Programmierarbeit in Prolog beteiligte. Das hatte technische Gründe, denn es war ein System unter X11 unter Linux zu verwenden, das nicht zugänglich war. Nachdem ich gezeigt hatte, das ich die 1000 Zeilen Prolog-code sehr gut im Kopf hatte und sehr wohl wusste, was wo zu programmieren war, hatte sich das Problem erledigt.
Als Abschluss absolvierte ich mein Praxissemester und die Diplomarbeit im DLR in Braunschweig. Also auch hier keine Sonderrolle im Schutz der Hochschule.

Berufseinstieg

2001 begann ich meine Berufstätigkeit bei der DAVID Software GmbH. Beim Arbeitsantritt war ich nicht ganz sicher, ob ich alle notwendigen Werkzeuge bedienen konnte – ist Visualstudio nach wie vor zugänglich? Welche anderen Tools und Anwendungen mussten verwendet werden? Nun, es hat eigentlich recht problemlos geklappt. Mit JAWS und der aktuellen Hardware gab es auch keine instabilen Konstellationen.

Fazit

Vermutlich war es die Summe aus vielen Entscheidungen und Chancen, die mich hierhergebracht haben. Die oft steinigen Wege haben am Ende hierher geführt und mich geprägt. Wenn ich heute an einer Aufgabe tüftele, dann weiß ich um die Hindernisse, die ich bereits überwunden habe und der Ausdauer, die das ermöglicht hat. Ich glaube, das gute Teamfähigkeit und der Willen anderen wo möglich zu helfen für uns entscheidend ist, um uns integrieren zu können. Natürlich braucht es die Chancen zum richtigen Zeitpunkt; Diese müssen dann allerdings auch erkannt und genutzt werden. Selbst wenn sich einmal eine Chance nicht ergibt, so ist es doch beruhigend vor sich selbst sagen zu können, dass man alles probiert hat, was für einen selbst möglich war.

Ein neues Wiki für Tipps und Resourcen rund um Behinderungen

Vor kurzem habe ich zusammen mit anderen begonnen, ein Wiki einzurichten (und vor allem mit Inhalt zu füllen), dass als Informationsquelle für alle möglichen Behinderungen fungieren soll. Foren gibt es viele, aber wenn man gezielt nach Infos sucht udn nicht lange Threads durchlesen möchte, dann ist man oft aufgeschmissen. Für uns ist das Wiki auch eine Art Informationsablage.

Das Wiki befindet sich hier: www.besonderetipps.de
Wir sind über jede konstruktive Mithilfe froh. Helft mit, damit wir eine große Sammlung wertvoller Infos zusammen bekommen.

Mein Computer komponiert und es klingt auch noch recht gut

“Mein Computer ist ein guter – er komponiert; Ich sitz daneben und warte was passiert”
Das ist ein Zitat aus einem Song der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, der schon einige Jahre alt ist. Aber viel treffender könnte ich es auch nicht nennen.

Ich experimentiere in letzter Zeit mit einigen Anwendungen, die entweder von sich aus Musik erstellen oder dies in kontrolliertem Umfang tun.

Ein ziemlich erstaunliches Programm ist dabei CG Music. Die Software entstand im Rahmen einer Masterarbeit und liefert sehr nette Ergebnisse auf Knopfdruck. Damit nicht genug, man kann einiges anpassen.

Die software gehört (das ist in diesem Genre leider nicht selbstverständlich) zu den halbwegs bedienbaren Anwendungen.

Hier mal eine Beispielausgabe, bei dem ich nur Tempo und Tonart in einigen Teilen etwas verdreht habe.
heikoslatin1.mid

OK, klingt wie irgendwie alle Songs auf dem PC. Das ist nicht erstaunlich, denn es ist eine Midi-Datei und verwendet die Sounds des abspielenden PCs. Dagegen die gleiche Datei über einen sog. Midirenderer in eine MP3-Datei verwandelt.
Der 1. Song von CG Music im erstellt mit dem Arachno Sound font

Die software ist zu finden unter:
http://codeminion.com/blogs/maciek/2008/05/cgmusic-computers-create-music/#comment-9606

Ich habe die Software mit NVDA getestet. ACHTUNG: Bereits am Anfang muss man zum “Load Project” Knopf mit der NVDA-Navigation laufen. Die Anwendung läßt sich am besten mit der Bildschirmdarstellung steuern und man kann mit der Braillezeile auf die zu bearbeitenden Teile klicken.

Ich habe auch noch andere interessante Anwendungen aus diesem Genre gefunden:

  1. Fractal music – eine Anwendung, die ähnlich wie ein gewöhnliches Fraktal aus einer Folge eine Musik baut.
  2. Soundhelix – eine Anwendung, bei der man steuern kann, was zufällig variiert wird und wo feste Noten gespielt werden sollen. Es handelt sich um eine Java-Kommandozeilen-Anwendung.

Vor der eigenen Tür kehren

Nun, bislang hat sich noch kaum jemand beklagt, dass meine Seite schlecht zugänglich wäre. OK, die Themen sind sicher recht speziell, aber gerade deshalb, sollte ich es eigentlich vormachen. Nun, es ist mir natürlich nicht egal, aber ich habe gerade erst über die WordPress-Nachrichten von eine Plugin erfahren, dass einige Probleme bei der Zugänglichkeit löst. Ich habe zwar noch kein Theme, bei dem ich sicher bin, das es als accessibel ready markiert ist, aberdas werde ich bald nachholen. Das Plugin ist jedenfalls aktiviert und hier ist der Artikel, der mir geholfen hat:
http://torquemag.io/making-your-wordpress-site-accessible-to-everyone/

Dolphin Guide – das Handbuch des Grauens

Gestern habe ich vom Dolphin Guide erfahren. Das ist eine Anwendung für ungeübte Computerbenutzer, um ihnen viele Tastenkombinationen zu ersparen.

Für mich wäre das natürlich nichts, aber grundsätzlich finde ich solche Werkzeuge gut. Mit WinGuido gibt es etwas ähnliches kostenlos, aber Dolphin Guide kostet mehrere hundert Euro.

Eine Beschreibung des Produkts findet sich unter http://www.dolphinguide.de/

Nach einer gescheiterten Installation des so viel umworbenen Window-Eyes auf meinem PC bin ich vorsichtig und lese erstmal das Handbuch bevor ich darüber nachdenke die Demoversion durchzuspielen.

Das Handbuch ist der Hammer! In schnodderigem Denglisch werden die kapitel oberflächlich angerissen. Zum Thema Installation auf einem mehrbenutzer-PC heißt es in den Anleitungen: Schlagen sie Im Kapitel 7 nach. dort wird nur besprochen, das man die Anwendung unbedingt als Admin installieren muss (PCs mit Mehrbenutzerbetrieb seien nur was in der Öffentlichkeit und am Arbeitsplatz). Dann mus man noch alle Stimmen sabbeln lassen, damit ein anderer Benutzer arbeiten kann.

Der Guide wie er genannt wird, hat wohl auch eine Rechtschreibprüfung. Entwerder haben die Autoren das eigene handbuch damit nicht überprüft, oder die Prüfung ist nichts Wert. Beim Überfliegen habe ich mindestens 10 Schreibfehler gefunden.

Oh, man stellt das handbuch als PDF bereit, aber weder getagged noch mit vernünftigen Auszeichnungen von überschriften oder gar Links im Inhaltsverzeichnis.

Die Befehle, die ein Anwender eingeben muss sind englisch und die Tastenkombinationen wurden so gewählt, dass ein Screenreadernutzer sich wirklich nicht zurecht findet. Auf Webseiten bewegt man sich mit Pfeiltasten durch die Elemente – aber mit links und rechts – nicht wie sonst üblich.

Wenn man den Guide nicht automatisch starten möchte, dann muss man ihn laut Handbuch mit Strg+Umsch+g starten, aber bitte mit Strg und Umsch auf der linken Seite. Haben die Leute die Tasten jemans selbst gedrückt?

Das ganze wirkt wie ein zusammengestampftes Projekt, bei dem die Interessen der Hauptzielgruppe – ältere unerfahrene Menschen mit Füßen getreten werden.

  • Wie wäre es mit klarer deutscher Sprache?
  • Deutschen Kommandos in der Adressbox des Webbrowsers?
  • eingebürgerten Tastenkombinationen wie Strg+s zum speichern statt strg+w?
  • Eine ausführliche und fehlerbeschreibende Anleitung? Z.B. heißt es bei den E-Mail- und Webeinstellungen: Diese erhalten Sie von ihrem Internetanbieter. Übrigens kenne ich die Anwendung nur, weil man mich gefragt hat, was die Person beim Pop-Server eingeben sollte. Natürlich kennt der Hersteller nicht die persönlichen Zugangsdaten, aber man hätte doch versuchen können, eine Liste mit den gängigsten anbietern beizulegen, oder die Daten gar aus der Mailadresse abzuleiten. Das wäre dann wirklich mal clever gewesen!

Wegen der Kosten scheinen einige Anbieter zu versuchen, die Anwendung als Lesesystem den Krankenkassen zu verkaufen. auf der o.g. Seite gibt es allerdings keinen entspr. Hinweis. Will sagen: Das wäre in der Verantwortung des Verkäufers.

Ich gehe jede Wette ein, dass ich innerhalb kurzer Zeit gravierende Fehler in der Anwendung finden würde. Wer ein solches handbuch produziert, kann nur schwer eine wirklich stabile Anwendung erstellen. Vielleicht traue ich mich ja, und installiere die Anwendung zum Test.

Ich bin ehrlich gesagt entsetzt darüber, dass solche Produkte existieren und sie innerhalb der Blindenselbsthilfe beworben werden. Da darf sich dann auch keiner über die wütenden Anrufe beschweren.