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Umschlag und Siegel für Ihre E-Mails auch mit Screenreader

Am 15.08.2014 wurde eine Betaversion von gpg4win veröffentlicht, die mit einem Screenreader genutzt werden kann um E-Mails mit Outlook verschlüsselt zu senden und empfangen. Gehakt hatte es eigentlich nur bei der Auswahl der Schlüssel für Empfänger und des Schlüssels zum Unterschreiben. Hierfür wird nämlich die Zertifikatsverwaltung Kleopatra geöffnet, die bislang nicht für uns zugänglich war.

Die neue Version ist zwar für uns nutzbar, hat allerdings noch ein paar Stolperfallen, die es zu umgehen gilt. Keine Sorge, Sie müssen dazu kein Computerfachmann sein, sondern nur auf ein paar Dinge achten, die ich hier erläutern möchte.

Bevor ich jedoch die Verwendung von gpg4win bzw. GNU Privacy Guard GPG Schritt für Schritt erläutere, versuche ich darzulegen, warum Sie überhaupt sich um die Verschlüsselung Ihrer Korrespondenz kümmern sollten. Um es vorweg zu nehmen: Abgesehen von der Einrichtung und dem Herunterladen eines Schlüssels von jedem Ihrer Korrespondenzpartner müssen Sie nur ein Passwort eingeben und wenige Tasten drücken.

Warum E-Mails verschlüsseln – läuft doch alles ganz gut

In meinem letzten Beitrag hatte ich bereits kurz über die Abhörwut der Staaten und das ausnutzen eigentlich harmloser Inhalte geschrieben. Die Einrichtung von GPG stellt für zukünftige E-Mails nur die Option bereit, sie vor den neugierigen Blicken Dritter zu schützen. eine klassische E-Mail ist so, als würden sie eine Postkarte verschicken. Würden Sie alles, was Sie in Ihren E-Mails schreiben, auf eine Postkarte schreiben und sie ohne Umschlag verschicken? Außerdem sind E-Mails nicht unterschrieben – würden Sie manchmal gerne wissen, ob die E-Mail tatsächlich von einem bestimmten Absender stammt oder eine E-Mail unterschreiben? Es ist ein Kinderspiel eine E-Mail mit dem Absender bundeskanzler@bundestag.de an einen beliebigen Empfänger zu schicken. Die Dinge die sie anderen schreiben können harmlos sein und trotzdem missbraucht werden. Schon zu Zeiten des Amateurfunks sollte man darauf verzichten darüber zu sprechen, wann man sich im Urlaub befindet, um keine ungebetenen Besucher daheim zu haben.
Etwas ähnliches gilt eigentlich auch für unverschlüsselte E-Mails.

Wer könnte mitlesen

Neben der Geheimdienste, die offenbar alles abhören und dafür oft in den Nachrichten stehen, gibt es noch eine Reihe anderer Interessenten für Ihre Post. Da gibt es E-Mail-anbieter wie Googlemail, der sich in den AGBs das Recht herausnimmt, die E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und die Absender oder Empfänger gezielt mit Werbung zu versorgen. Ist es für Sie in Ordnung, wenn jemand alle Briefe öffnen und scannen würde um anschließend gezielt Werbung zu verbreiten? Weiterhin könnte an jeder Stelle, an der die Post zwischen Rechnern ausgetauscht wird leicht mitgehört werden. Es gibt zwar SSL und TLS-Verschlüsselung, aber die scheinen nach den jüngsten Enthüllungen alles andere als sicher. Außerdem darf man nicht vergessen, dass es problemlos möglich ist, E-Mails in großen Massen zu kopieren und damit zu speichern, sie zu manipulieren und einen beliebigen Absender zu verwenden. Das klingt für Sie zu sehr nach Verschwörung und Agentenfilm? Nun, es ist einzig Ihre Sache zu entscheiden, ob Sie Ihre Inhalte für schützenswert halten oder nicht. Wie gesagt: Umschlag und Unterschrift für Ihre elektronische Post liegen zum Greifen nahe – Sie müssen es nur wollen. Gerade weil die elektronische Post für uns viele Vorteile mit sich bringt, tauschen wir in der Blindenselbsthilfe Protokolle und andere Informationen aus, die nicht für Außenstehnde gedacht sind.

Einstieg in GPG

Der Gnu Privacy Guard ist eine freie und quelloffene Software, mit der man Daten gezielt für einen Empfänger verschlüsseln kann, ohne mit diesem ein Passwort auszuhandeln.

Zunächst benötigen Sie die aktuelle Version von gpg4win. Meine Ausführungen beziehen sich hier auf Windows und Outlook, weil dies die am meisten verwendete Kombination ist.
GPG4Win wird vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfohlen und die Entwicklung wird offenbart teilweise auch von dort unterstützt.

Installation

Sie können die zugängliche Version hier herunterladen:
http://files.gpg4win.org/Beta/gpg4win-2.2.2-beta37.exe

Die Installation benötigt Administrationsrechte, was bei vielen Anwendungen üblich ist. Sie können die Einstellungen beibehalten und sich durch die Schritte der Installation hangeln. Hier gibt es eine erste kleine Überraschung: Bei der Auswahl der zu installierenden Komponenten, erscheint GnuPG nicht ausgewählt, aber Sie können das nicht ändern. GnuPG ist der Kern der Anwendung und kann daher nicht an oder abgewählt werden. Gpgol ist die Erweiterung für Outlook 2007, 2010 und 2013. Ob Outlook 2003 noch unterstützt wird, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Thunderbird unterstützt meines Wissens unterstützt auch das E-Mail-Programm Thunderbird GPG. GPG4Win liefert auch eine Unterstützung für Eudora mit. Allerdings habe ich selbst diese E-Mail-Programme nicht getestet. Gpgex ist die Erweiterung um Dateien über den Explorer zu Ver- und Entschlüsseln und sollte angehakt werden bzw. sein. Gpa ist ein alternativer Zertifikatsmanager zu Kleopatra und meines Wissens nach nicht mit Screenreadern bedienbar. Kleopatra sollte auf jeden Fall angehakt bleiben, weil gpgol die Anwendung aufrufen wird und es genau die Anwendung ist, die nun für uns zugänglich geworden ist. Am Ende der Installation ist GPG4Win eingerichtet und Sie sind dem Ziel einen großen Schritt näher gekommen.

Erstellen Ihres Schlüsselpaares

Ich will versuchen, so weit wie möglich auf technisches Fachchinesisch zu verzichten. Trotzdem ist es notwendig die Funktionsweise zu erläutern, damit Sie Ihre E-Mails schützen können.

GPG arbeitet mit dem Verfahren von öffentlichen und privaten Schlüsseln. Dabei gehört jeweils ein öffentlicher Schlüssel zu einem privaten oder geheimen Schlüssel – ähnlich wie zwei Schlüssel, die zum Öffnen eines Bankschließfachs benötigt werden. Der öffentliche Schlüssel kann nur zum Verschlüsseln von Daten benutzt werden, aber er kann keine Daten entschlüsseln. Das Entschlüsseln kann NUR mit dem privaten Schlüssel vorgenommen werden. Das bedeutet, dass jeder, der Ihnen eine E-Mail schicken möchte, die verschlüsselt sein soll, Ihren öffentlichen Schlüssel braucht. Sie benötigen umgekehrt die öffentlichen Schlüssel aller Leute, denen Sie wiederum Nachrichten verschlüsselt schicken möchten.

Oh ja! das klingt alles furchtbar kompliziert. Keine Sorge, in der Praxis haben sie relativ wenig damit zu tun.

Damit Sie beginnen können, sollten sie sich ein sog. Schlüsselpaar erstellen. Hierfür gibt es zwei Wege, die zum gleichen Ergebnis führen:

  • Erstellen der Schlüssel über die Anwendung Kleopatra (hierbei werden Sie ähnlich wie bei der Installation einer Anwendung durch die Schritte geführt)
  • Verwenden der Kommandozeile von gpg (Hier fühlen sich DOS-Fans sicher sehr heimisch und man hat mit der Kommandozeile alle Optionen, die GPG bietet)

In jedem Fall sollten Sie ihren tatsächlichen Namen und die E-Mail-Adresse angeben, von der aus Sie E-Mails versenden und empfangen. Sie ersparen sich damit das Korrigieren und zurückziehen von Testschlüsseln.

Erstellen der Schlüssel mit Kleopatra

Wenn Kleopatra nun zugänglich ist, können wir es auch verwenden. Starten Sie die Anwendung Namens Kleopatra, so wie sie auch andere Anwendungen starten. Die Anwendung wurde im Ordner gnupg installiert. Ab Windows 7 können sie im Startmenü “Kleopatra” eingeben um nach ihr zu suchen.

Ist die Anwendung gestartet, dann können Sie über das Menü Datei und “Neues Zertifikat” die Schlüsselerzeugung starten. Ein Zertifikat ist nichts weiter als der Verbund aus privatem und öffentlichem Schlüssel. Sollten Sie nicht auf den Menüpunkt #datei zugreifen können, dann könnte es sein, das Ihr Screenreader nicht mit Kleopatra zusammenarbeitet. Aha! Die Anwendung soll doch zugänglich sein! Das ist sie auch, allerdings muss auch der Screenreader seinen Teil beisteuern. Kleopatra verwendet QT 4.8 und gibt alle Informationen für den Screenreader über IAcccessible2 heraus. Leider haben sich in der Vergangenheit nicht alle Screenreader um die Korrekte Nutzung von IAccessible2 gekümmert. In einigen JAWS-Versionen werden die Steuerelemente nicht oder nur teilweise vorgelesen. Leider kann die Anwendung nicht mehr tun, als sich an das Protokoll für Zugänglichkeit (nämlich IAccessible2) zu halten. NVDA verwendet IAccessible2 und andere ähnliche Protokolle schon von Beginn an und Kleopatra wird von NVDA gut vorgelesen. Falls Sie also eine Version eines Screenreaders haben, die Kleopatra nicht korrekt vorliest, dann würde ich mich über einen Hinweis freuen und andere Leser sicher auch.

Im Ersten Schritt müssen Sie zunächst das Feld “Persönliches OpenPGP-Schlüsselpaar erzeugen” aktivieren. mit Tab kommen Sie dann in Eingabefelder für Namen, E-Mailadresse und Kommentar. Leider sind diese eingabefelder eine Stolperfalle. Sie können nicht wie gewohnt in ihnen editieren und nur beim Hineinspringen mit Tab wird Ihnen der gesamte Text vorgelesen. So so, zugänglich soll das also sein! Ich habe diese Probleme auch beim Test moniert und alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass ein solches programmverhalten eigentlich ein Knockout-Kriterium wäre. Glücklicherweise ist dies fast die einzige Stelle, an der Sie in Kleopatra Text eingeben müssen. Das Eingeben Ihres Namens und der E-Mail-Adresse sollte auch im Blindflug gelingen. Den Kommentar sollten Sie am besten leer lassen, denn später kann man die Eingaben dort nur noch umständlich korrigieren und eine Angabe wie “Testzertifikat” ist auf Dauer lästig.

Warum kann man das Verhalten der Eingabefelder nicht ändern? Der Fehler liegt in QT 4.8. Eingabefelder werden leider erst mit QT 5 korrekt für Screenreader bereitgestellt. Eine Umstellung von Kleopatra auf QT 5 war derzeit nicht ohne weiteres möglich, weil andere verwendete Bibliotheken noch QT 4.8 verwenden. Um es kurz zu machen: So ärgerlich das Programmverhalten auch ist, derzeit gab es keine technische Möglichkeit es zu korrigieren ohne den Rahmen zu sprengen. Die Entwickler sind über das problem informiert und werden Kleopatra auf QT 5 umstellen, sobald dies möglich ist.

Wenn Sie nun auf Weiter klicken, dann bekommen Sie eine Art zusammenfassung und können den den Schalter “Schlüssel erzeugen” aktivieren. Nun öffnet sich ein sog. Pinentry – ein Eingabefeld für ein langes Passwort. Da Ihr neuer Schlüssel nichts anderes als eine spezielle Datei ist, die ein unbefugter von Ihrem PC kopieren könnte, muss der Schlüssel selbst geschützt – quasi verschlossen werden. dies sollte mit einem möglichst langen Passwort geschehen, dass auch Sonderzeichen und zahlen enthält. sie können dieses passwort später ändern. Sobald Sie es vergessen haben, können sie den Schlüssel nicht mehr benutzen. Ein vorschlag aus dem GPG-Handbuch besteht darin, aus einem Satz, den man sich gut merken kann, jeden dritten Buchstaben zu verwenden. Auch unsere Kurzschrift könnte hier hilfreich sein.

Sie müssen das Passwort zweimal hintereinander eingeben – also jedes mal mit OK bzw. Enter bestätigen. Wenn das Fenster mit dem Titel Pinentry nicht von selbst in den Fordergrund kommt, suchen Sie es mit alt+Tab. Die Eingabe der zwei Passwörter muss in ca einer Minute abgeschlossen sein.

Damit haben Sie schon alle Klippen gemeistert. Je nach Geschwindigkeit des Rechners dauert die Schlüsselerzeugung ein wenig. Ihre Schlüssel sind nun einsatzbereit.

Erstellen der Schlüssel über die Kommandozeile

Starten Sie eine eingabeaufforderung und geben Sie folgendes ein:
gpg –gen-key
Darauf werden Sie ähnlich dem Assistenten in Kleopatra nach den gleichen Daten gefragt:

  • Lönge des Schlüssels (Standard von 2048 Bits ist ausreichend)
  • Name und E-Mail-Adresse
  • Einen optionalen Kommentar, der am besten leer bleibt, weil er sonst leicht lästig wird und später nur noch schwer entfernt werden kann.
  • Ein möglichst langes Passwort möglichst mit Zahlen und Sonderzeichen.

Auch hier kommt wieder der Pinentry zum Einsatz und Sie müssen das Passwort zweimal eingeben.
Damit ist die Schlüsselerstellung abgeschlossen und sie werden über die Ergebnisse in der Kommandozeile informiert.

Eine testnachricht

Bevor Sie verschlüsselte Nachrichten schreiben können, müssen sie sicherstellen, dass Outlook als format “Nur Text” verwendet. Unter Outlook 2010 können Sie dies über den menüpunkt Datei und Optionen und dort unter E-Mail einstellen. Nur Text ist immer eine gute Idee, weil dadurch viele Probleme, die mit HTML-Mails auftreten können, gar nicht erst entstehen.

Nun wird es Zeit, die Verschlüsselung an sich selbst zu erproben. Öffnen Sie Outlook und erstellen sie eine Nachricht an sich selbst. So etwas haben Sie vermutlich bereits gemacht, als Sie Ihre E-Mail-Adresse eingerichtet haben. Bevor Sie die Nachricht verschicken, führen sie aber folgende Schritte durch:

  1. Gehen Sie mit Alt in das Menü und wählen den Punkt gpgol aus.
  2. Springen Sie zweimal mit Tab zum Punkt Verschlüsseln
  3. Es öffnet sich nun ein Dialog in Kleopatra in dem sie die Empfängerschlüssel auswählen können. Evtl. müssen Sie den auswahlschalter für OpenPGP Zertifikate aktivieren. Ihr eigener Schlüssel sollte bereits ausgewählt sein und Sie können den Dialog mit OK verlassen. In diesem dialog gibt es auch eine experimentelle Option, die dafür sorgt, das der Dialog nur dann angezeigt wird, wenn der Schlüssel für en Empfänger der E-Mail nicht eindeutig gefunden werden kann. In den meisten Fällen erscheint er daraufhin gar nicht mehr und die Verschlüsselung ist umgehend durchgeführt.

Aus Ihrer E-Mail ist ein Salat aus Buchstaben und Sonderzeichen geworden, der am Anfang mit einer Zeile wie der folgenden beginnt:
—–BEGIN PGP MESSAGE—–
Version: GnuPG v2

Senden Sie nun diese Nachricht ab ohne Änderungen am Text vorzunehmen.

Nach kurzer Zeit erhalten Sie eine neue E-Mail – nein Ihre eigene. Wenn sie sie öffnen, finden Sie die gleichen Kopfzeilen und darunter den Buchstabensalat aus der verschickten Nachricht wieder. Wählen sie nun im Menü Gpgol und dann mit Tab den Punkt entschlüsseln. Es erscheint wieder der Pinentry und hier müssen sie das Passwort von vorhin eingeben. Wenn Sie dies erledigt haben, erscheint Kleopatra mit einem Dialog in dem das Ergebnis der Entschlüsselung angezeigt wird – nicht den entschlüsselten Text, sondern nur ob der Vorgang erfolgreich war. Wenn Sie ihn Schließen, dann finden sie ihren ursprünglichen Text in der E-Mail wieder.

Herzlichen Glückwunsch, sie haben erfolgreich verschlüsselt kommuniziert. Ob Sie nun an sich selbst schreiben oder an jemand anderen, macht keinen wirklichen unterschied, denn solange genau ein Schlüssel auf die Adresse des Empfängers passt, brauchen sie nichts auszuwählen.

OK, werden Sie sagen, und wie erhalte ich die Schlüssel meiner E-Mail-Kontakte? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, die ich in den nächsten Abschnitten kurz erläutere.

Austauschen von öffentlichen schlüsseln

Es gibt zwei Wege, mit denen sie die öffentlichen Schlüssel mit anderen Korrespondenzpartnern austauschen können:

  • Die Schlüssel werden auf einen Schlüsselserver hochgeladen.
  • Die Schlüssel werden per E-Mail verschickt oder per USB-Stick etc. ausgetauscht.

Die erste Option ist sicher die bequemste und einfachste. In Kleopatra werden alle Zertifikate (Ihr eigenes und die Schlüssel Ihrer Partner) angezeigt. Über ein Auswahlfeld legen Sie fest, welche Sie davon sehen wollen. Standardmäßig ist hier “Meine Zertifikate” ausgewählt. Springen sie Mit Tab bis auf die Baumansicht. Dort finden sie das Zertifikat, das Sie vorhin erstellt haben. Wählen sie aus dem Kontextmenü den Punkt “Zertifikate zu einem Server exportieren”. Es erscheint eine Warnung, dass noch kein Schlüsselserver eingestellt ist und das deshalb der Standard verwendet wird. Das ist vollkommen ausreichend. Schlüsselserver sind untereinander synchronisiert und es reicht aus, dass einer Ihr Zertifikat bekommt. Nach ein paar Tagen liegt es auf allen Servern bereit. Ist das nicht gefährlich? Nein, der öffentliche Teil ihres Schlüssels ist unkritisch und zur Weitergabe bestimmt – so wie Sie auch anderen Ihre E-Mail-Adresse nennen.

Wenn Sie jemandem eine E-Mail schreiben möchten, von dem Sie vermuten oder wissen, dass er PGP benutzt, dann können sie seinen Schlüssel auf einem Server suchen. Dazu verwenden Sie den Menüpunkt Datei Zertifikate auf Server suchen. Geben sie möglichst die E-Mail-Adresse an, die Sie verwenden möchten, um alle passenden Schlüssel aufgelistet zu bekommen. Falls mehrere Schlüssel gefunden werden, sollten Sie sich die Schlüsseldetails anzeigen lassen, um den passenden auszuwählen. Es könnte z.B. sein, das Schlüssel aufgelistet werden, die zurückgezogen wurden oder bereits verfallen sind. Haben Sie den richtigen Schlüssel gefunden, dann können Sie ihn über den Schalter “Importieren” herunterladen und an Ihren Schlüsselring hängen. Kleopatra berichtet dabei über den Erfolg der Operation.

Falls Sie Ihren Schlüssel nicht einem Schlüsselserver anvertrauen möchten oder einen Schlüssel als Datei erhalten haben, dann können Sie ihn einfach importieren. Dazu können sie im Dateiexplorer das Kontextmenü auf der Datei öffnen und unter dem menüpunkt “Mehr GPG-Optionen” den Import von Zertifikaten auswählen. Auch hier werden sie über das Ergebnis informiert. Umgekehrt können sie in Kleopatra über das Kontextmenü auf einem Schlüssel diesen in eine Datei exportieren. Dabei wird nur der öffentliche Schlüssel exportiert. Für das Exportieren geheimer Schlüssel gibt es einen gesonderten menüpunkt, der mit Bedacht gewählt werden sollte.

Für die Freunde der Kommandozeile gibt es auch einen Weg um Zertifikate von einem Server zu holen bzw. sie dorthin zu senden:
gpg –search-keys “heiko@hfolkerts.de”
würde z.B. nach den Schlüsseln für meine E-Mail-adresse suchen. Wird die Anwendung fündig, werden die weiteren Optionen angezeigt. Zum Senden eines Schlüssels muss zunächst die sog. Schlüssel-ID ermittelt werden – das ist eine achtstellige Buchstaben und Zahlenfolge, die den Schlüssel identifiziert:
gpg –list-keys
oder gpg –list-keys heiko@hfolkerts.de
zeigt die gespeicherten Schlüssel mit ihrer ID an. Dann kann er gesendet werden
gpg –send-key B5F8D556
würde dabei meinen öffentlichen Schlüssel zu einem Schlüsselserver schicken und ihn ggf. dort einfügen oder aktualisieren.

Was hat es mit dem unterschreiben auf sich

Stellen Sie sich vor, dass in einer Sitzung ein Protokoll erstellt wurde, das nicht bei allen Lesern und Verantwortlichen auf Gegenliebe stößt. Das Protokoll wird bei uns normalerweise als Word-Datei weitergegeben und es wäre leicht, unbequeme oder aus der Sicht einiger falsche Passagen zu streichen, sie zu ersetzen oder Text einzufügen. Wenn ein Leser nicht das Original kennt, kann er den Unterschied nicht erkennen und er kann sich nicht sicher sein, welches vom Vorsitzenden unterschrieben wurde.

Hier kann gpg helfen. Eine digitale Signatur ist eine Art Quersumme über den Inhalt einer Nachricht oder Datei. Wird auch nur ein Zeichen in der Nachricht oder der Datei verändert, dann ist die Signatur ungültig. Der Verantwortliche Protokollführer könnte das Protokoll unterschreiben, in dem er es in einer separaten Datei signiert und beide Dateien verschickt. Verändert unser Querulant nun den Inhalt des Dokuments, dann ist die Signatur gebrochen und ein Leser kann die Manipulation erkennen. Darüber hinaus kann die Signatur auch nicht vom einem anderen als dem Inhaber des geheimen Schlüssels erstellt werden – der Kritiker des protokolls könnte es höchstens mit seinem eigenen Schlüssel unterschreiben, wodurch offenbar würde, wer das Protokoll verändert hat. Auch mehrere Signaturen in getrennten Dateien sind möglich, falls ein ganzer Vorstand unterschreiben soll.

Zum Signieren einer E-Mail kann der entspr. Punkt im Menü gpgpol gewält werden. Sie werden dafür wieder Ihr Passwort eingeben müssen – zumindest beim ersten Mal in der laufenden Sitzung mit outlook. E-Mails die verschlüsselt und signiert werden sollen, sollten zuerst signiert und anschließend verschlüsselt werden.

Das Signieren von Dateien kann über das Kontextmenü im Dateiexplorer erledigt werden. Über die Kommandoziele schreiben Sie
Gpg –sign dateiname

Fazit

Das Versenden und Empfangen von verschlüsselten Nachrichten ist Unter Outlook mit einem Screenreader möglich. Die Verwendung von GPG ist dabei zwar zugänglich, aber keineswegs barrierefrei. Für alle die, denen eine verschlüsselte Kommunikation wichtig ist, sollten die Hürden niedrig genug sein, um es zu versuchen. Falls screenreader Kleopatra nicht korrekt vorlesen, liegt dies an deren mangelnder Nutzung von IAccessible2. Im Ergebnis kommt das zwar auf das gleiche hinaus, aber da NVDA frei verfügbar ist, kann die hier vorgestellte Lösung verwendet werden.

Ich hoffe, dass ich helfen konnte, die angst vor Verschlüsselung und komplizierten Abläufen zu nehmen. Ich füge hier meinen Schlüssel aus dem letzten Beitrag nicht erneut an, aber Sie können gerne unter der oben angegebenen Schlüssel-ID meinen Schlüssel von einem Schlüsselserver laden und mir eine entspr. verschlüsselte Nachricht schicken.

Noch ein Hinweis um die vielen Kürzel: GPG ist der Gnu Privacy guard und eine Implementierung des Open PGP Standards. PGP steht dabei für Pritty good Privacy und ist zugleich der Name eines kommerziellen Produkts mit Verschlüsselungsfunktion.