Einstieg in NVDA für JAWS-Anwender – eine Starthilfe

== Einleitung ==
JAWS war lange Zeit der dominierende Screenreader auf dem Markt. Mit ihm können viele blinde und sehbehinderte Anwender ihren Beruf ausüben oder ihren privaten Interessen am PC nachgehen.

Im Schatten dieser Software und anderen kommerziellen Konkurrenten ist die Open-Source-Alternative NVDA zu einer freien und starken Konkurrenz herangewachsen. War er am Anfang hauptsächlich Vehikel um JAWS wieder flott zu bekommen, ist NVDA jetzt auf Augenhöhe mit der kommerziellen Konkurrenz angekommen.

Grund genug möglichen Anwendern den Einstieg in NVDA durch eine gezielte Anleitung zu erleichtern. Ich spreche bewusst von Ein- und nicht Umstieg, denn die zusätzliche Nutzung von NVDA bedeutet nicht ,dass sie ihr geliebtes JAWS einmotten müssen.

== Warum sollte ich NVDA statt JAWS nutzen? ==
* Sie können sich evtl. die Lizenzen für die Updates sparen und stattdessen für NVDA spenden, wenn Sie denken, dass dies gerechtfertigt ist. Auch wenn die Kosten der Updates übernommen werden, bleibt immer noch jedes Mal der Papierkrieg.
* Wenn JAWS Ihnen regelmäßig abstürzt, probieren Sie doch mal einen Screenreader, der sich selbst neu startet, wenn etwas schiefgeht bzw. bei seinem aufruf einen Neustart veranlasst.
* Sie hoffen bei jeder neuen Version von JAWS, dass Sie am Ende alle Skripte etc. am gewohnten Ort wiederfinden? NVDA wird ihre eigenen Einstellungen unangetastet lassen und auch während der Installation von Updates benutzen.
* Sie möchten einen Screenreader auf einem USB-Stick haben und ihn z.B. bei Bekannten etc. verwenden, ohne dort eine Installation vornehmen zu müssen.
* Sie möchten Windows 8 mit einem Touchscreen verwenden? Zugegeben: Das soll auch mit JAWS 15 möglich sein.
* Sie haben nur eine alte Version Ihres Screenreaders und möchten ein aktuelles Betriebssystem benutzen?
* …

Na, neugierig geworden? Das ganze kostet Sie nur ihre eigene Zeit und ein paar Bytes auf Ihrer Festplatte.

== NVDA herunterladen ==
Sie finden die aktuelle Version von NVDA auf der seite
http://www.nvda-project.org
Die Seite ist allerdings in Englisch. Alternativ können Sie die Seite
http://www. http://nvda.handytech.de/
aufrufen. Sie ist in Deutsch und NVDA kann direkt gestartet werden.
Derzeit ist NVDA in Version 2013.2 verfügbar, aber es gibt bereits eine Betaversion von 2013.3. Sie finden den Ankündigungsartikel hier:
http://community.nvda-project.org/blog/NVDA2013.3rc1Released

== Absichern des Weges zu JAWS ==
Sie werden, nach den ersten Erfahrungen in NVDA diesen beenden und JAWS erneut starten wollen – weil Sie sich noch dort besser auskennen. Deshalb sollten Sie zu Beginn JAWS einer Schnelltaste zuweisen. Selektieren Sie dafür den Eintrag JAWS auf dem Desktop und öffnen Sie die Eigenschaften mit Alt+enter. Gehen Sie nun ins Feld “Tastenkombination” und geben Sie Strg+Alt+j ein. Anschließend verlassen Sie den Dialog mit OK. Sie können nun JAWS jederzeit mit Strg+Alt+j starten.

== NVDA installieren ==
NVDA verwendet eine sprechende Installation. Deshalb sollten Sie JAWS direkt vor dem Start der Installation beenden, damit nicht zwei Stimmen mit Ihnen sprechen. Wählen sie nach dem Akzeptieren der Lizenzbedingungen “NVDA auf diesem Computer installieren” aus. Der Rest läuft quasi von selbst und es sind keine besonderen Aktionen notwendig.
ACHTUNG: Falls Sie eine Firewall wie Threadfire verwenden, meldet diese möglicherweise eine Bedrohung, weil sich ein Teil von NVDA im System registriert. Lassen Sie diese Änderung zu. Ggf. brauchen Sie hierfür sehende Hilfe, weil Z.B. Threadfire nur mit erweiterten Funktionen von NVDA bedient werden kann.

Nach der Installation ist NVDA gestartet und hat sich dabei die Tastenkombination Strg+Alt+n zugewiesen. Sie brauchen hier also keine Sicherung einzubauen.

== Sprachausgabe und Braillezeile einrichten ==
=== Sprachausgabe ===
Okay, Okay, Sie hatten gehofft, dass diese grauenhafte Stimme nur bei der Installation mit Ihnen spricht, aber sie ist geblieben? Was soll das für ein Screenreader sein, der eine solche Stimme verwendet? Keine Panik! Die eingebaute Sprachausgabe ist nicht auf guten Klang optimiert und ähnlich wie die allseits beliebte Eloquence synthetisch. Damit es etwas erträglicher wird, tun sie folgendes:
* Öffnen Sie mit Einfügen+n das NVDA-Menü. Analog zur JAWS-Taste wird die Einfügetaste unter NVDA NVDA-Taste genannt.
* Wählen Sie im Menü Einstellungen den Punkt Stimmeneinstellungen.
* Gehen Sie in das Feld Variante und probieren Sie die möglichen Stimmvarianten aus.
* Stellen Sie im Feld Geschwindigkeit die für Sie angenehmste Sprechgeschwindigkeit ein.

Sicher umwerfend sind die Stimmen nicht, aber sie haben alle Vorteile einer synthetischen Sprache. Der Autor hat bei Espeak vor allem Sprachen unterstützen wollen, für die es noch keine Sprachausgabe gab.

Falls Sie bereits eine SAPI 4 oder SAPI 5 Stimme auf dem PC installiert haben, können Sie über das o.g. Menü Einstellungen den Punkt Sprachausgabe aktivieren und dort Microsoft Speech Api Version 4 oder 5 auswählen. Anschließend können Sie über den o.g. Dialog für Stmmeneinstellungen die gewünschte SAPI Stimme auswählen.
Im Gegensatz zu JAWS kann NVDA flüssig mit SAPI-Stimmen sprechen und verzögert das System nicht.

Alternativ kann man auch Eloquence anbinden. Dies ist allerdings illegal sodass ich nicht auf die Einrichtung eingehen werde. Google oder einschlägige Mailinglisten können hier sicher abhilfe schaffen. Ich persönlich finde, das NVDA nicht wie JAWS klingen muss und würde daher die Eloquence nicht verwenden.

Weiterhin kann die Microsoft Speech Platform verwendet werden, die ab Windows 7 verfügbar ist.

Auch NVDA kann die vocalizer-Stimmen verwenden, die mit JAWS ausgeliefert werden. Damit ist ein breites Spektrum an möglichen stimmen verfügbar. Die Details zu den Sprachausgaben finden sie im Benutzerhandbuch.

=== Braillezeile einbinden ===
NVDA unterstützt nahezu alle aktuellen Braillezeilen. Da die Installation der Treiber hier sehr geräteabhängig ist, muss ich Sie auf das NVDA-Benutzerhandbuch verweisen. Sie finden die Braillezeilen im Kapitel 12. Das Handbuch erreichen Sie ebenfalls über das NVDA-Menü im Untermenü Hilfe. Es ist vollständig lokalisiert – sprich auf deutsch und passend zur NVDA-Version.

Ist die Braillezeile angebunden, dann können Sie im Menü Einstellungen im Punkt Brailleeinstellungen – wo Sie auch die Zeile eingestellt haben, die Übersetzungstabelle auswählen. Darüber wird auch die Kurzschrift eingeschaltet – es ist nur eine andere Übersetzungstabelle. Der Rest der Einstellungen zur Braillezeile dürfte selbsterklärend sein – sie sind sehr ähnlich zu JAWS.

Noch ein wichtiger Hinweis, der mich viel Zeit gekostet hat. Manchmal scheint es, dass das Cursorrouting der Braillezeile nicht funktioniert. Das hat einen simplen Grund: Sie können die Zeile entweder an die Anzeige – den NVDA-Navigator koppeln (dann geht das Cursorrouting nicht wie erwartet, sondern führt einen Klick aus. Sie können alternativ die Braillezeile an den Fokus koppeln – dann wird der Cursor an die richtige Stelle gerufen.

Das Benutzerhandbuch gibt auch die Tastaturbelegung der Braillezeilen an, damit Sie effizient arbeiten können.

== Erste Schritte in NVDA ==
Die grundlegenden Funktionen sind sehr ähnlich zu JAWS. Das Abrufen von Fenstertiteln, das Abrufen der Uhrzeit funktionieren wie gewohnt. Allerdings gibt es unter NVDA deutlich weniger Tastaturkürzel. Wie bei JAWS können sie mit NVDA+1 (Ziffernleiste) die Tastaturhilfe ein- und ausschalten. Dann können Sie erproben, welche Tastaturkürzel welche Aktion auslösen. Es gibt eine getrennte NVDA-Befehlsreferenz in der die Tastenkombinationen kompakt aufgelistet sind. Sie finden Sie ebenfalls im Menü Hilfe.

NVDA folgt den Systemfokus und kann in vielen Situationen daher intuitiv bedient werden. Das gilt auch für die Navigationstasten im Browser. Auch hier müssen Sie nicht groß umlernen. Allerdings wird Firefox statt Internetexplorer für NVDA empfohlen. Die NVDA-Firefox-Kombination gilt auf modernen Webseiten als leistungsstärker, als die JAWS-Internetexplorer-Kombination.
== Unterschiede zu JAWS ==
Diese Starthilfe wäre unnötig, wenn alles wie in JFW funktionieren würde. Wo müssen Sie also beginnen zu lernen bzw. sich umzustellen?

=== Der JAWS-Cursor ===
Die Irritationen fangen an, wenn man versucht, mit dem JAWS-Cursor zu navigieren. NVDA tut überhaupt nicht das, was Sie erwarten. Es gibt allerdings einen NVDA-Cursor und er ist dem JAWS-cursor sehr ähnlich. Er wird über den Nummernblock gesteuert.
* Die Reihe mit den Nummerntasten 7, 8 und 9 navigiert zeilenweise.
* die Reihe mit 4, 5 und 6 navigiert wortweise.
* Die Reihe mit 1, 2 und 3 navigiert zeichenweise.
* Die linke Taste geht eine Zeile, etc. zurück, die mittlere Taste liest die aktuelle Zeile etc. vor und die rechte Taste entspr. eine Zeile etc. weiter.
* Mit NVDA+Num7 (Nummernblock) Schalten Sie zum nächsten Darstellungsmodus. Mit NVDA+Num1 schalten Sie einen Darstellungsmodus zurück. Es gibt die Darstellungsmodi
* Objektdarstellung
* Dokument
* Bildschirm
Unter JAWS ist dies JAWS+r und heißt beschränkung. Die Angabe Bildschirm bedeutet hier die gesamte Anwendung.
* NVDA kennt kein Umschalten zwischen den Cursorn – Sie können jederzeit mit dem NVDA-Cursor navigieren. Er kann vom Systemfokus abgekoppelt werden, falls Sie parallel zum Schreiben einen Bereich lesen möchten.

Der NVDA-Cursor funktioniert leider nicht in allen Situationen so wie man es vom JAWS-Cursor gewohnt ist. In modernen Anwendungen, die Ihre Informationen nur über Schnittstellen wie IAccessible2 etc. herausgeben, kennt NVDA nicht die Darstellung der Anwendung auf dem Bildschirm. JAWS ist hier mit den Grafikinformationen über den eingebrachten Treiber klar im Vorteil.

=== Anwendungsspezifische Einstellungen ===
Ab NVDA 2013.3 kann NVDA ähnlich zu JAWS Einstellungen für Anwendungen speichern. Allerdings ist das Konzept hier etwas flexibler. Man kann Profile erstellen in denen sich alle Einstellungen von NVDA ändern lassen und diese Profile entweder manuell aktivieren oder für eine Anwendung aktivieren. Damit können Sie ein Profil für mehrere ähnliche Anwendungen verwenden. Der Ablauf ist in etwa so:
* Sie aktivieren mit NVDA+Strg+p den Dialog für Konfigurationsprofile. Alternativ finden Sie einen entspr. Punkt direkt im NVDA-Menü.
* Sie erstellen über den Schalter Neu ein neues Profil und weisen einen Namen zu.
* Sie weisen einen Auslöser hinzu:
entweder manuelle Aktivierung – Sie schalten es dann ein, wenn Sie es benötigen. Aktuelle Anwendung – wenn Sie für die aktive Anwendung spezielle Einstellungen vornehmen möchten. Alles lesen – wenn Sie z.B. beim Vorlesen langer Texte eine andere Sprachausgabe oder eine andere Geschwindigkeit oder was auch immer wünschen.
* Sie bestätigen, dass der Auslöser ggf. auf das neue Profil umgelegt wird und aktivieren die Bearbeitung des neuen Profils.
* Nun stellen Sie das in NVDA ein, was Sie im neuen Profil wünschen – z.B. Espeak statt SAPI.
* Sie öffnen erneut den Dialog zur Einstellung der Profile und deaktivieren das neue Profil, damit weitere Änderungen nicht im neuen Profil landen.
* Sie testen den Auslöser.

Versuchen Sie es – Sie werden begeistert sein.

=== NVDA auf Webseiten ===
Bis auf Details können Sie mit NVDA genauso auf Webseiten navigieren, wie Sie es von JAWS kennen. Ein paar Unterschiede:
* NVDA kennt keine Webseitenspezifische Einstellungen
* NVDA kennt nur eine Liste, in der Schalter, Links und Überschriften aufgelistet werden.
* Um auf einer Webseite über NVDA zu suchen, müssen Sie Strg+NVDA+f drücken – unter JAWS reicht Strg+f

=== In Microsoft Office ===
Das Office-Paket ist mit JAWS sehr gut bedienbar. NVDA bringt hier noch nicht so viel Konfort mit. Allerdings befinden sich gerade in der neuesten Version 2013.3 einige neue Funktionen für Word und Excel, die das Arbeiten deutlich erleichtern.

=== Die Armee der Hilfsprogramme ===
NVDA kennt fast keine der in JAWS bekannten Hilfsprogramme. Viele funktionen werden anders umgesetzt:
* Die Einstellungsverwaltung wird in NVDA durch das Ändern von Einstellungen und die o.g. Konfigurationsprofile umgesetzt. Das gleiche gilt auch für den Sprach- und Soundmanager.
* Es gibt keinen Skriptmanager. Es gibt zwar Skripte, aber keine mitgelieferte Entwicklungsumgebung. Man kann z.B. Eclipse nutzen, wenn man für NVDA programmiert, aber das ist ein externes Programm und die Skripte können auch mit einem Texteditor erstellt werden. Die Pythonkonsole ist das einzige Entwicklungswerkzeug, das NVDA an Bord hat.
* Der Tastaturmanager wird in gewisser Weise durch den Einstellungsdialog Eingaben ersetzt. Die Zuweisungen von Tastenkombinationen zu Skripten finden jedoch direkt im Python-Code statt.
* Es gibt keinen Grafikbezeichner in NVDA. Weder einen manuellen noch einen automatischen. Der Grund dafür ist, dass NVDA keinen Zugriff auf die grafische Darstellung der Anwendung hat und damit Grafiken nicht erkennen kann. Allerdings erkennt NVDA Werkzeugleisten korrekt, wenn sie als einzelne Knöpfe in einer Werkzeugleiste programmiert sind. In diesem Fall kann man die Werkzeuge über die unten beschriebene Navigation erreichen.
* Um Fensterklassen zuzuweisen, muss man ein wenig Python-Code schreiben. Das ist nicht wirklich schwer, aber nicht ganz so komfortabel wie die Klassenzuweisung in JAWS. Da man solche Zuweisungen in NVDA recht selten braucht, werde ich hier nicht näher darauf eingehen.
* Es gibt keinen Rahmenbetrachter und auch kein Erstellen von Prompts. Das mit dem Prompts lässt sich vermutlich recht gut über Python-code regeln.
* Die Aussprache von Wörtern kann ähnlich wie in JAWS über einen Dialog eingestellt werden.
* Es gibt keine Möglichkeit, Farben in Braille zu markieren.
* NVDA unterstützt keinen Remotedesktop. Man kann natürlich auf dem entfernten System den Sound aktivieren und dort ein NVDA starten, kann dann aber die Braillezeile nicht verwenden. Auch für Cytrix gibt es derzeit keine Unterstützung.
=== Die Statuszeile Lesen ===
Um die Statuszeile auszulesen, betätigt man in NVDA NVDA+Pos-Ende (also beides im sechserblock). Dies funktioniert wie in JAWS nur dann, wenn die Statuszeile als solche kenntlich gemacht ist.

== Die Navigation in NVDA ==
Ich habe jetzt schon mehrfach die geheimnisvolle Navigation in NVDA angesprochen. Was hat es damit auf sich? Sie funktioniert ähnlich dem in JAWS bekannten Home-Row-Modus. Sie kennen Ihn nicht? Nun, er wird unter JAWS meist zum intensiven Erkunden von Anwendungen eingesetzt, um sie skripten zu können. Bei dieser Navigation bewegt man sich durch die Objekte der Anwendung, mit der Sie gerade arbeiten. Das inzwischen bekannte VoiceOver von Apple verwendet einen sehr ähnlichen Ansatz. Statt den ganzen Schirm einer Anwendung zu sehen, bewegt man sich zwischen Objekten, steigt in sie hinab oder aus ihnen heraus. Genauso verhält es sich in NVDA.

Mit NVDA+ Num4 (Nummernblock) gehen sie ein Objekt zurück, mit NVDA+Num6 ein Objekt vorwärts. NVDA+Num5 liest das aktuelle Objekt vor. NVDA+Num8 steigt aus einem Objekt nach oben. NVDA+Num2 steigt in das aktuelle Objekt hinein. Mit NVDA+Numenter (lange senkrechte Taste rechts auf dem Nummernblock) führt die Standardaktion auf dem aktuellen Objekt aus – meistens ein Klick.

Versuchen Sie es und bewegen sich z.B. durch diesen Artikel mit den o.G. Navigationsbefehlen.

NVDA+Numminus (oben rechts auf dem Nummernblock) zieht den Navigator zum Fokus – falls sie sich mal mit dem Navigator verlaufen haben.
NVDA+Numstern (zweite von rechts oben im Numernblock) zieht den Navigator zur Maus. Das kann z.B. hilfreich sein, wenn Ihnen jemand etwas zeigen möchte und die Maus auf die interessante Stelle bewegt hat.
NVDA+Numschrägstrich (direkt neben der Numlocktaste oben im Nummernblock) zieht die Maus zum aktuellen Navigator. Mit NVDA+Numminus und anschließend NVDA+Numschrägstrich können Sie so die Maus zum Fokus navigieren.

Wir können zusammenfassend sagen, dass NVDA ein JAWS mit gleichzeitig aktivem PC-Cursor, JAWS-Cursor und Home-Row-Modus ist.

== NVDA skripten und anpassen ==
Und was ist mit Skripting? NVDA kann wie JAWS mit Skripten an Anwendungen angepasst werden. Die Schwierigkeit liegt dabei weniger in der Sprache Python, die in NVDA verwendet wird als in den Funktionen die NVDA zum Skripting bereitstellt. Hier muss man sich wie in JAWS intensiv einarbeiten. Die Skripte liegen in einem benutzerspezifischen ordner, oder können an einen gemeinsamen Ort für alle Benutzer eines PC erstellt werden. Außerdem gibt es Plugins, die NVDA um allgemeine oder anwendungsspezifische Funktionen erweitern. Auf der Webseite des Projekts finden Sie einen Verweis auf ein Verzeichnis solcher Plugins. Eines davon richtet eine OCR ein, sodass Sie ein grafisches Bild mit Text erkennen lassen können.

== Fazit ==
Es gibt nur relativ wenig Situationen, bei denen NVDA JAWS deutlich unterlegen ist. Dies sind vor allem solche, in denen die grafischen Bildschirminformationen wichtig sind. Z.B. verwenden einige Anwendungen verschiedene Grafiken um den Zustand von Schaltern oder Einträgen darzustellen.
Weiterhin ist NVDA in der Unterstützung für MS Office noch nicht auf dem Stand von JAWS. Aber die grundlegenden Funktionen lassen sich bereits gut nutzen.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich für Spenden an das NVDA-Projekt werben. Eine solche Software ist zwar kostenlos, aber sie zu entwickeln kostet viel Geld und Zeit. Dabei sind auch kleine Spenden hilfreich. Ohne Spenden steht ein solches Projekt vor dem aus und es gäbe keine Alternative zu kommerziellen Screenreadern. Zum Spenden können Dienstleister wie Paypal genutzt werden. Dabei müssen Sie nur den Betrag mit einem Auswahlschalter wählen und sich bei Paypal anmelden. Wer kein Paypal hat oder sich das nicht zutraut, kann sich an einschlägige Mailinglisten für NVDA wenden – manchmal wird dort eine Spendenaktion durchgeführt und sie können das Geld in Deutschland überweisen.

5 Gedanken zu „Einstieg in NVDA für JAWS-Anwender – eine Starthilfe

  1. Dr. Sooom

    NVDA unterstützt im Lesemodus auf Webseiten sehr wohl WAI ARIA Landmarks (= Sprungmarken). Mittels NVDA+F7 im Lesemodus wird der Dialog “Liste der Elemente” aufgerufen, indem in NVDA (2013.2) jeweils eine Auflistung von Sprungmarken, Links und Überschriften ersichtlich ist. (Eine Auflistung aller Elemente, die mittels Accesskey aktiviert werden können, fehlt leider noch.) Mittels der Taste D bzw. UMSCHALT-D kann man übrigens zwischen Sprungmarken im Lesemodus vor- bzw. zurückspringen.

    Zitat: “• Die Reihe mit 1, 2 und 3 navigiert wortweise.” — zeichenweise, nicht wortweise.

    Weiters sei noch angemerkt, dass man im Lesemodus mittels der Enter-Taste in “eingebetteten Objekten” (zB Adobe Flash-Inhalte) hinein und mittels NVDA+STRG+Leertaste wieder herausspringen kann. In Flash-Elementen kann man dann ganz normal im Lese- und Fokusmodus navigieren.

    Und im Adobe Reader werden PDF-Dokumente ebenfalls wie Webseiten behandelt. Sprich: Auch hier steht der Lese- und Fokusmodus zur Verfügung. Mittels NVDA+Leertaste lässt sich zwischen den beiden Modi umschalten, wobei dies auch akustisch wiedergegeben wird, sofern aktiviert, und teilweise auch automatisch erfolgen kann, sofern erwünscht (zB in ein Textfeld mittels Pfeiltasten navigieren).

    Und noch ein Punkt ist für manche Unternehmen sehr wichtig: Zum Ausführen von NVDA werden keine Admin-Rechte benötigt. Beim Ausführen der Installationsdatei wird eine portable Kopie von NVDA in den benutzerspezifischen Temp-Ordner entpackt und mit den Rechten des aktuellen Benutzers ausgeführt. Auch die portable Kopie von NVDA kommt ohne Admin-Rechte aus. Ein paar Nachteile hat diese Methode jedoch, die im Handbuch von NVDA im Kapitel “3.1. Einschränkungen portabler und temporärer Kopien von NVDA” nachgelesen werden können.

    Hoffe, ich konnte mit diesen Angaben deinen sehr gut zusammengefassten Artikel zu NVDA noch sinnvoll ergänzen.

    Zum Schluss darf ich noch folgende Empfehlung aussprechen: Alle jene, die unter Windows zum ersten Mal einen Screenreader benötigen, sollten sich zuerst NVDA anschauen und diesen Screenreader rund zwei bis vier Wochen testen. Wenn er für die gewünschten Tätigkeiten ausreicht, so sollte man sich den bürokratischen Aufwand (in Österreich dauert dieser rund 6 bis 9 Monate) sparen. Wenn man der Meinung ist, dass man doch lieber einen kommerziellen Screenreader verwenden möchte, so sollte man auch hier sich zuerst die entsprechenden Demoversionen auf einem Testsystem ausführlich anschauen.

    PS: Aufgrund meiner Erblindung im letzten Jahr nutze ich seit rund 15 Monaten NVDA unter Windows 7 (64-Bit).

    Antworten
  2. Krauße

    Dein Artikel ist sehr gut geschrieben. Danke dafür! Übrigens, in Office 2013 bringt NVDA nicht selten die richtigen Tastenschlüssel, wenn man durch die Ribbons navigiert und, was für den Anfänger sehr gut ist, Erklärungen zu der jeweiligen Funktion. Hier ist NVDA sowohl JAWS als 14 (die Version 15 läuft zu kurz, um ausführliche Tests zu machen) als auch Window-Eyes 8.1 überlegen.
    Werner

    Antworten
  3. Heiko Folkerts Artikelautor

    Danke für die hilfreichen Hinweise. Ich habe die Fehler entfernt und einen Vermerk für Remotedesktop hinzugefügt.

    Antworten
  4. Alexander Gaßner

    Warum NVDA:
    USB-Stick ohne Installation.
    Da werden die COBRA Anwender sagen,
    das können wir auch!
    Sie möchten Windows 8 mit einem Touchscreen verwenden?
    Kann JFW 15 das noch nicht?

    Eloquence:
    Kann man die legal auch kaufen?
    bzw. gilt sie als gekauft, wenn JFW installiert ist?

    der JFW Cursor, oder richtig wäre zu sagen
    der virtuelle Cursor:
    Beispiel Editor:
    Der Virt. jFW Cursor bewegt sich über den ganzen Bildschirm
    über die erste zeile hinaus.
    In JFW kann man mit den Nummernblock
    im PC-cursormodus nur den Schreibcursor bewegen.

    NVDA bewegt über den Nummernblock den virt. Cursor
    bis an den Textanfang, aber nicht darüber hinaus.
    Der PC Cursor bleibt an Ort und Stelle.

    Das läßt sich vermutlich mit der Cursorunabhängigen Steuerung durch die Taso Schieber vergleichen.
    bzw. gab es immer mal Ansätze,
    durch einen ext. Nummernblock den Cursor frei bewegen zu können.

    Prinzipiell ist das eine Frage der Tastenbelegung.
    ob man den eingebauten Nummernblock belegen möchte.

    Virt. Ansicht:
    NVDA auf Webseiten
    Auch NVDA schaltet hier in eine virtuelle Ansicht.
    wenn kein Systemcursor vorhanden ist.
    Siehe Tastenbelegung Viewer.
    Die Frage ist,
    könnte man den Virt. Viewer auch Anwendungsunabhängig verwenden?
    Ribbons: (office)
    Eine Virtuellle Darstellung von Ribbons
    wird wohl noch nicht unterstützt.

    Prompts:
    Das ist zwar in JFw möglich, aber natürlich sind die dort erstellten Daten von der Auflösung abhängig und nur begrentzt stabil und zuverlässig.

    Navigation:
    Objekt Modus:
    JFw bietet dazu die Möglichkeit,
    die Tasten sind aber nicht praxisgerecht belegt / nur im Homerow / Vision Modus.
    .

    Darstellungsmodi:
    Unter JAWS ist dies JAWS+r und heißt beschränkung. Die Angabe Bildschirm bedeutet hier die gesamte Anwendung.
    Zus. kann man in der Verwaltungseinstellung
    die Modi Bildschirm und Dokument whälen.
    Braille:
    Vermutlich lassen sich hier die Darstellungsmodi Struktur und Zeile nicht umschalten.
    bzw. wird die Struktur gezeigt.

    Antworten
  5. Heiko Folkerts Artikelautor

    Ich wurde darauf hingewiesen, dass Microsoft Word für die Entwurfsansicht selbst Strg+Alt+n verwendet. Mit NVDA wird das nicht mehr funktionieren und NVDA wird durchgestartet. Stattdessen kann man in Word 2010 die Tastaturfolge Alt+f, e verwenden, um die Entwurfsansicht zu erreichen.

    Antworten

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