Wenn die Arbeitsagentur Arbeit gibt, tropft beim Klempner der Wasserhahn

Gibt die Agentur wirklich Arbeit

Als Kunde kann man sich das ja eigentlich nicht vorstellen, aber die Agentur hat tatsächlich Mitarbeiter. Das sind die Leute, die einen mehr oder weniger nett unterstützen, zu Terminen einladen, Geld auszahlen … Bundesweit sind das immerhin über einhunderttausend 100.000. Das wäre immerhin genug für eine eigene Stadt.

Die haben’s bestimmt gut – wenigstens die

OK, wenn wirklich Leute bei der Agentur arbeiten, dann sind sie sicher gut versorgt – das ganze Knowhow über Arbeitslosigkeit, Arbeitsrecht, Vermittlung, Arbeitgeberservice – da wird einem ganz warm um’s Herz. Gibt’s da irgendwas zu meckern?
Der Titel deutet’s schon an. Wenn beim Klempner zuhause der Wasserhahn tropft, dann steht nicht immer alles im eigenen Fachgebiet zum Besten. Das durften wir bzw. meine Frau am eigenen Leib erfahren.

Kommet ihr Leut von der Straße

Vor gut zwei Jahren war die angst vor einer Rezession in Deutschland real und alles deutete auf einen Crash am Arbeitsmarkt hin. Eilig hat die Arbeitsagentur neue Mitarbeiter eingestelllt, um sie noch rechtzeitig zu schulen, damit sie in den Servicecentern den Knall mit abfangen helfen. Das waren externe Mitarbeiter, die den Beruf “Fachkraft für Arbeitsförderung” nicht erlernt haben – intern sagt man dazu “Leute von der Straße” – als würde man die jeden Tag mit dem Lasso einfangen.
Man hat also nun die Heerscharen von der Straße in die gemütliche Agentur geholt und … Mist! es gab keinen Knall, sondern den großen Boom.

Wohin mit den Leuten

Also was nun, wohin mit den Überkapazitäten wie das so schön im BWL-Unterricht genannt wird? Kein Problem. Waren doch alle nur befristet eingestellt. Wer das nicht gelernt hat ist halt ewig Vertretung, solange die Arbeit da ist.
Das Abbauen von Arbeitsplätzen ist ja normal, aber eine langfristige und Resourcenschonende Vorgehensweise nicht. Was wenn’s in zwei Jahren wieder knallt? Was wird aus den ganzen investierten Schulungen um die von der Straße für die Kunden von der Agentur bereitzumachen? OK, die sind auch von der Straße, aber es wurde wirklich viel investiert. Anstatt ein vernünftiges Mittelmaß zu finden und die motivierten Straßenkämpfer – die waren wenigstens schon mal woanders zur Arbeit dauerhaft zu integrieren, werden sie kurzerhand zurückgeschickt. Selbst nach über zwei Jahren ist man eben nur Vertretung. Wir reden hier von tausenden von Einzelschicksalen, die jetzt von Vorne anfangen dürfen während die Fachleute an Ort und Stelle geblieben sind.

Von wegen Gleichbehandlung

Das Gesetz zur Regelung von befristeten Beschäftigungen legt klar fest, dass eine befristete Einstellung die Ausnahme und nicht die Regel sein soll. Klar, dass der erste Arbeitgeber im Staat geflissen drauf pfeift und das Gegenteil praktiziert. Das Gesetzt legt auch fest, dass die unbefristeten und befristeten gleich zu behandeln sind. In der Agentur werden Schulungen teilweise nur für unbefristet Beschäftigte zugelassen. Natürlich sagt das niemand offen, was der Grund ist, aber jeder Mitdenkende kann 1 + 1 zusammenzählen. Damit nicht genug werden bestimmte Aufgaben nur an unbefristet Beschäftigte übergeben – wer weiß wie lange die Streetworker noch gebraucht werden.
Das alles läßt nur den Schluss zu, dass es in der Agentur eine Zwei-Klassengesellschaft gibt. Es wäre sicher eine gute Gelegenheit gewesen, beim Abbau von Personal – wenn man denn schon so Reagieren will, auf die Motivation und Leistung zu schauen, anstatt darauf, wen man am leichtesten wieder auf die Straße abschieben kann.

Immer schön auf gepackten Koffern

Wenn hier von Befristungen die Rede ist, dann teilweise von solchen mit nur zwei Monaten Dauer. Selbstredend muss der Urlaub immer am Ende rechtzeitig hübsch verbraucht werden. Damit ist keinerlei vernünftige Planung für die Mitarbeiter möglich – arbeite ich jetzt noch bis in einem Monat, in einem halben Jahr oder noch länger? Durch die Sachgründe in den Verträgen kann man das beliebig lange fortsetzen. Wenn ein findiger Unternehmer solche Dinge ausnutzt, weil das Gesetz es erlaubt, ist das moralisch evtl. verwerflich, aber sein Recht. Wenn der Staat das selbst tut, muss man sich fragen, warum sich die Gesellschaft selbst am Nasenring durch die Manege führt. Wenigstens Jahresverträge sollen schon möglich sein. Vor jedem Vertragsende kommt natürlich jedesmal der ganze Zirkus mit der Arbeitssuchend- und Arbeitslosmeldung, damit man auch ja nicht zur Ruhe kommt.

Möglichst lange hinauszögern

Wenn man schon unbedingt sich alle Optionen offen halten will und sein Straßenpersonal bei nächstbester Gelegenheit über Bord werfen will, dann tut man gut daran, die betroffenen möglichst lange im Dunkeln zu lassen. Da ist es dann auch OK, eine am 20.06. gefällte Entscheidung dem Betroffenen auf Nachfrage erst am 04.07. mitzuteilen – könnte ja sein er ist dann für immer verschwunden. Von vernünftiger Verabschiedung garnicht zu reden.

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